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Russland

Ukraine-Krieg: Russische Stadt Belgorod unter Dauerbeschuss

Une femme et un enfant se réfugient dans un abri en béton dans une rue de Belgorod. Dans cette ville russe, la clameur des sirènes d'alarme se fait entendre plusieurs fois par jour.
Eine Frau und ein Kind suchen Schutz in einem Betonbunker in einer Strasse von Belgorod. In dieser russischen Stadt sind die Sirenen des Luftalarms mehrmals täglich zu hören.Image: ANDREY BORODULIN / AFP

Unter Dauerbeschuss: Ukraine setzt Belgorod zu

In Belgorod, einer russischen Stadt nahe der Grenze zur Ukraine, häufen sich die Alarmmeldungen. Hier ist, was die Bewohner berichten, die im Rhythmus der Sirenen, der Stromausfälle und der Drohnenangriffe leben.
27.03.2026, 20:1527.03.2026, 20:15
Guillaume DECAMME, Belgorod, Russie / AFP
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

«Raketenalarm!» Aus den Lautsprechern in Belgorod ertönt einmal mehr Alarm, die Sirenen heulen auf. Anastasia und ihre beiden Hunde bleiben jedoch ruhig; sie gehen zu einem der Schutzräume, die auf den Trottoirs dieser russischen Stadt nahe der ukrainischen Grenze eingerichtet worden sind.

„Na, was ist los? Kommt ihr, um euch unser Belgorod anzusehen?», fragt Anastasia spöttisch. Sie ist eine der wenigen Passanten, die Zuflucht gesucht haben. Sie versichert, an die Alarme «gewöhnt» zu sein, jedenfalls mehr als ihre kleinen, zitternden vierbeinigen Begleiter.

Ein Alltag im Rhythmus der Alarmsignale

Seit Moskau im Februar 2022 seine gross angelegte Offensive gegen die Ukraine gestartet hat, stehen Belgorod und die umliegende Region an vorderster Front.

Rund vierzig Kilometer von der Grenze entfernt wird diese Stadt mit 320'000 Einwohnern von Raketen und Drohnen der ukrainischen Armee beschossen. Diese gibt an, dabei vor allem Energie- und Militärinfrastrukturen ins Visier zu nehmen.

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Belgorod liegt unweit der ukrainischen Grenze.Bild: www.imago-images.de

Mehrmals täglich heulen die Sirenen. Die Fassaden einiger Gebäude sind mit Drohnenabwehrnetzen überspannt, und auf den Trottoirs stehen überall Betonbunker.

Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, kündigte auf Telegram an, eine Lösung für ein zentrales Problem finden zu wollen: «fehlende Benachrichtigungen über die Warnkanäle» während Drohnenangriffen – verursacht durch die von den russischen Behörden angeordneten Unterbrechungen des mobilen Internets.

Bei diesen Angriffen werden häufig Zivilpersonen getötet oder verletzt. Am Mittwoch teilte Gladkow mit, dass drei Menschen bei Drohnenangriffen ums Leben gekommen seien, darunter einer, dessen Auto nahe der Grenze von einer ukrainischen Drohne getroffen wurde.

Des enfants réagissent au retentissement des sirènes, dans un quartier résidentiel de Belgorod.
Kinder reagieren auf den Klang der Sirenen in einem Wohnviertel von Belgorod.Image: ANDREY BORODULIN / AFP

Genau dort, entlang der Grenze zwischen Russland und der Ukraine, will der Kreml eine «Pufferzone» errichten, um ukrainische Offensiven auf russischem Gebiet zu verhindern – wie jene im Sommer 2024 in der an Belgorod grenzenden Region Kursk.

«Ende des Alarms!», ertönt es aus den Lautsprechern, und Anastasia verlässt mit ihren Bichon-Hunden den Schutzraum. Diesmal hat kein «Bumm» der Luftabwehr – wie so oft – den Himmel erschüttert, wenn ein Geschoss abgefangen wird. Aus den städtischen Lautsprechern erklingt ein Jazzstück des Kanadiers Oscar Peterson, während Teenager auf Rollschuhen ihre Kunststücke zeigen.

Ein Abnutzungskrieg

In Belgorod und Umgebung sind die durch ukrainische Bombardements verursachten Schäden kaum zu übersehen. Stromleitungen wurden zerstört oder beschädigt, und Einschläge haben Krater hinterlassen. Auch Unterbrüche in der Wasser-, Strom- und Telekommunikationsversorgung gehören zum Alltag.

Am Mittwoch war die Stromversorgung für einen Teil der Bevölkerung infolge ukrainischer Angriffe erneut während mehrerer Stunden unterbrochen, wie der Gouverneur und Anwohner der Region berichten.

Auf der anderen Seite der Grenze, in der Ukraine, haben russische Angriffe auf Kraftwerke in diesem Winter Millionen Menschen in eisiger Kälte zurückgelassen.

Bei Tatiana Polianskaïa, einer Einwohnerin von Belgorod, wurde der Strom bei der letzten Unterbrechung Anfang des Monats «ziemlich schnell wiederhergestellt» – innerhalb weniger Stunden.

Tatiana Polianskaïa, une habitante de Belgorod, en Russie, subit les affres de la guerre.
Tatiana Polianskaïa, eine Einwohnerin von Belgorod in Russland, hat im Krieg einen Angehörigen verloren.Image: ANDREY BORODULIN / AFP

Jeden Tag Hunderte Einsätze

Tatiana erlebt den Krieg hautnah. Ihr Cousin wurde von einer ukrainischen Drohne getötet, während er «ein Feld pflügte», erzählt die 52-jährige Köchin, die «Frieden» fordert.

Im Durchschnitt leisten die Rettungsdienste täglich «etwa hundert Einsätze» im Zusammenhang mit Drohnenvorfällen oder herabgefallenen Geschossteilen, erklärt der Leiter der Rettungsdienste von Belgorod, Nikolai Lebedew.

Bei verstärkten ukrainischen Angriffen «kann diese Zahl auf 1000 Einsätze steigen, da die Luftabwehr im Einsatz ist. Sie schiesst die Geschosse ab, von denen Trümmer herunterfallen». Doch die Verteidigung kann nicht alles.

Am 30. Dezember 2023 forderte ein ukrainischer Angriff im Zentrum von Belgorod 25 Todesopfer – die höchste Zahl ziviler Opfer in Russland seit Beginn des Konflikts.

Des spécialistes travaillant au centre d'appels de la cellule d'urgence de Belgorod.
Mitarbeitende im Callcenter der Notrufzentrale von Belgorod.Image: ANDREY BORODULIN / AFP

Durch den Krieg getrennt

In der Stadt berichten alle Personen, mit denen die AFP gesprochen hat, dass sie vor dem Krieg Verbindungen zur benachbarten Ukraine hatten, insbesondere in Charkiw – einer mehrheitlich russischsprachigen Stadt, die weniger als 100 Kilometer von Belgorod entfernt liegt und regelmässig Ziel nächtlicher russischer Luftangriffe ist.

Das gilt auch für Galina, die lange in der Ukraine gearbeitet hat und deren Tochter dort lebt. Zwischen den Massnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie und dem andauernden Konflikt hat Galina ihre Tochter «seit fünf Jahren» nicht mehr gesehen.

Auf die Frage nach den zahlreichen zivilen Opfern der täglichen Bombardierungen in der Ukraine sagt Galina, sie habe «Mitleid mit den einfachen Leuten», fügt jedoch sofort hinzu, die Ukrainer seien von der Regierung «getäuscht» worden. Damit greift sie eine gängige Darstellung des Kremls auf, wonach sich die Ukraine und der Westen gegen Russland verbündet hätten, und schliesst mit den Worten:

«Anfangs war unser Führer Putin der Bösewicht (Anm. d. Red.: aus Sicht der ukrainischen Führung), dann wurde mir klar, dass all das letztlich dazu führen würde, dass sie die Russen hassen.»
Une vue d'ensemble de la ville de Belgorod.
Ein Überblick über die Stadt Belgorod.Image: ANDREY BORODULIN / AFP
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Die beliebtesten Kommentare
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stronghelga
27.03.2026 20:39registriert März 2021
Es ist kaum zu erwarten, dass ein angegriffenes Land zwischen Regierung und Bevölkerung unterscheidet.

Russland hat diesen Krieg begonnen und trägt die volle Verantwortung. Das ist zentral. Unter Bomben, Verlust und Angst wird aus „der Kreml greift uns an“ schnell „die Russen sind der Feind“. Daraus ergibt sich kollektiver Hass.

Das ist eine der direkten Folgen dieses Krieges und Russland trägt auch dafür die alleinige absolute Verantwortung.
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