Kreml-Propagandist wendet sich gegen Putin
Abrupte Kehrtwende eines Kreml-Propagandisten: Ilja Remeslo, bislang bekannt für scharfe Worte gegen die russische Opposition, hat Präsident Wladimir Putin öffentlich kritisiert. Remeslo galt bislang als Unterstützer Putins. Am 17. März schrieb Remeslo nun auf Telegram, Putin sei als Präsident illegitim und gehöre vor ein Kriegsgericht.
In seinem auf dem Onlinedienst veröffentlichten Manifest mit dem Titel «Fünf Gründe, warum ich aufgehört habe, Wladimir Putin zu unterstützen» erhob Remeslo konkrete Vorwürfe: Putin habe das Land in die Sackgasse des Ukraine-Kriegs geführt. Der Kremlchef schade der Wirtschaft und erstickte die Freiheit der Medien, schrieb der Jurist.
Remeslo: Putins System zum Scheitern verurteilt
Gegenüber dem britischen «The Guardian» wiederholte er seine Vorwürfe: «Wladimir Putin sollte zurücktreten und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden. Sein auf seine Person zugeschnittenes, korruptes System ist zum Scheitern verurteilt, wie wir derzeit am Krieg in der Ukraine und anderswo sehen. Die Armee rückt in der Ukraine nicht vor, und der Krieg führt zu nichts. Es gibt massive Verluste. Wir kämpfen um winzige Gebiete, die Russland letztlich nichts bringen werden.»
Anwalt sagte im Prozess gegen Nawalny aus
Remeslo arbeitet als Anwalt und trat wiederholt öffentlich in politischen und juristischen Auseinandersetzungen in Russland auf. So war er Zeuge der Anklage in Prozessen gegen den Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.
Die russische Justiz hat Kritiker bereits für weniger scharfe Äusserungen zu Haftstrafen verurteilt. Doch Leonid Wolkow, ein enger Mitarbeiter Nawalnys, zweifelt an der Echtheit der Kehrtwende. Wie Wolkow auf X schrieb, stehe hinter der Aktion ein gezielter Schachzug des Kremls. Wolkow schrieb: «Ilja Remeslo macht niemals etwas umsonst. Und er macht niemals etwas ohne Erlaubnis.»
Wie auch andere Kommentatoren vermuteten, könnten staatliche Blockadeversuche gegen den Messenger Telegram Grund für den Anwalt sein, Kritik zu äussern. Wie Remeslo in einem Video versicherte, sei sein Telegram-Konto nicht gehackt worden. Er befinde sich weiterhin in Russland, erklärte er. Dem «Guardian» sagte er, er wolle die Wahrheit sprechen, seine Aussagen seien keine Taktik des Kremls. Er habe bereits Anrufe von den Behörden bekommen und sei aufgefordert worden, den Beitrag zu löschen. (nil)
Verwendete Quellen:
- theguardian.com: "Pro-Kremlin loyalist turns on Putin: Ilya Remeslo in Russia" (Englisch)
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

