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Russland

Ex-Wagner-Söldner packt über schockierende Prigoschin-Befehle aus

FILE - Members of the Wagner Group military company guard an area as other load their tank onto a truck on a street in Rostov-on-Don, Russia, Saturday, June 24, 2023, prior to leaving an area at the h ...
Wagner-Söldner in Rostov, 24. Juni.Bild: keystone

Ex-Wagner-Söldner packt über schockierende Prigoschin-Befehle aus

07.09.2023, 15:1207.09.2023, 17:12
Anne-Kathrin Hamilton / watson.de
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Triggerwarnung
Im folgenden Text werden Gewalthandlungen geschildert, die belastend und retraumatisierend sein können.

«Granaten durch das Fenster, Granaten durch die Tür und dann geht ihr rein und erledigt es» – so soll einer der Befehle des ehemaligen Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin gelautet haben.

Das behauptet der ehemalige Söldner Maksim Zelenow im Gespräch mit der russischen Menschenrechtsorganisation Gulagu. Das, was er erlebt und getan hat, offenbart erneut die brutale, menschenverachtende Vorgehensweise der Wagneriten unter ihrem verstorbenen Chef Prigoschin.

Wagner-Söldner mit «Säuberungen» ukrainischer Dörfer

Laut Gulagu war Zelenow Polizist in Russland. Wegen Mordes sass er im Gefängnis, aber der Kreml-Chef Wladimir Putin holte ihn Mitte November 2022 raus, damit er sich den Wagner-Söldnern anschliessen konnte.

«Ich habe viele Menschen während der Säuberung getötet.»
Ex-Wagner-Kämpfer Maksim Zelenow

Nun erzählt er, wie Russland während der Offensive in den ukrainischen Dörfern bei Bachmut und Soledar einen Massenmord an der Zivilbevölkerung verübt haben soll. Er selbst spricht von «Säuberung».

«Am 23. November 2022 verliessen wir Irkutsk. Wir fuhren in 19 Gefängnistransportern. Insgesamt waren wir 500 Leute aus zwei Camps», sagt er in einem Videogespräch mit Wladimir Osechkin, Gründer von Gulagu. Sie sollten offenbar die «Drecksarbeit» für die russische Armee erledigen. Der ehemalige Wagner-Kämpfer beschreibt die Gräueltaten in einem ukrainischen Dorf beinahe emotionslos.

Wagner-Söldner machten keinen Halt vor Kindern

Der Befehl sei gewesen, Granaten durch Fenster und Türen zu schmeissen, ins Haus zu stürmen und zu schiessen, sagt er. «Dann ging es weiter.» Er zieht an seiner Zigarette, müde Augen blicken ins Leere. Auf die Frage, wer diesen Befehl gab, antwortet der Mann: «Prigoschin höchstpersönlich.»

FILE - In this image from video provided by Prigozhin Press Service on Friday, March 3, 2023, Yevgeny Prigozhin, the owner of the Wagner Group military company, addresses Ukrainian President Volodymyr ...
Der ehemalige Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin mit einem seiner Söldner in Bachmut.Bild: keystone

«Ich habe viele Menschen während der Säuberung getötet», gibt er zu. Es sei ein grosses Dorf mit vielen Zivilistinnen und Zivilisten gewesen. «Wir haben einfach jeden getötet», sagt er. Es sei egal gewesen, ob es Kinder waren. An den Namen des Ortes könne er sich nicht mehr erinnern. Auch das sei ihm egal. Doch sein Gesprächspartner lässt nicht locker. Auf die Frage, welche Stadt in der Nähe gewesen sei, antwortet der Russe: Soledar.

Die «Säuberung» des Dorfes habe während der Schlacht um Soledar in der Region Donezk stattgefunden. Nachdem das Gebiet «gesäubert» worden war, soll die russische Armee eingerückt sein. Doch anscheinend wurde das Morden dem Wagner-Söldner doch zu viel.

Maksim sei aus dem Wagner-Lager geflohen und habe sich mehr als acht Monate lang versteckt. Jetzt, nach Prigoschins Tod, habe er den Mut, über die Kriegsverbrechen zu sprechen, schreibt Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums. Auf X, ehemals Twitter, teilt er einen Ausschnitt des Interviews mit dem Ex-Wagner-Söldner.

Die Gruppe Wagner spielte eine Schlüsselrolle bei Russlands Invasion in der Ukraine – vor allem bei dem blutigen Kampf um die Stadt Bachmut. Aber auch in Ländern wie Syrien, Libyen und Mali ist sie aktiv. Dabei sind die Söldner für ihre Brutalität berüchtigt.

Die britische Regierung kündigte bereits an, sie als terroristische Vereinigung verbieten zu wollen. Das heisst, dann wäre es illegal, Mitglied der Organisation zu sein oder sie zu unterstützen. In der Vergangenheit hat die russische Privatarmee wohl auch versucht, in Polen und Lettland Männer zu rekrutieren.

Seit der Meuterei gegen den Kreml und dem Tod der gesamten Wagner-Führung ist die Zukunft der Truppe aktuell allerdings ungewiss.

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ingmarbergman
07.09.2023 16:38registriert August 2017
Köppel und die SVP: Putins Russland wird nur missverstanden.
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So oder so
07.09.2023 15:43registriert Januar 2020
Seit über einem Jahr Spreche die Russen die Ukraine Auszulöschen - Genozid ! und ja es Passiert seit einem Jahr. Nur schauen viele Weg , man unterstützt es sogar Aktiv wie Passiv.
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Frank N. N. Stein
07.09.2023 16:08registriert August 2022
Prigoschin war sicher kein guter Mensch, sondern wohl eher das Gegenteil davon. Völlig unabhängig davon, ob nun auch diese Geschichte stimmt. Somit finde ich es gut, dass er nicht mehr unter uns weilt.
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Wohl wegen Voodoo-Ritual: Mindestens 40 Tote bei Brand auf Migrantenboot in Haiti

Vor Haitis Küste ist ein Boot mit mehr als 80 Migranten an Bord in Brand geraten. Dabei kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Haitis Küstenwache habe 41 Überlebende retten können, elf von ihnen seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Das Boot war den Angaben zufolge am Mittwoch von der nordhaitianischen Stadt Cap-Haïtien in die rund 250 Kilometer entfernten Turks- und Caicosinseln unterwegs. Örtliche Medien berichteten, laut Überlebenden habe sich vermutlich Benzin durch eine Kerze entzündet, die für ein Voodoo-Ritual auf dem Boot benutzt worden sei.

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