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Luftalarm in ganzen Land: Russland feuert Oreschnik-Rakete auf Ukraine

Luftalarm im ganzen Land: Russland feuert Oreschnik-Rakete auf Ukraine

09.01.2026, 07:3109.01.2026, 12:11

Ungeachtet laufender Friedensbemühungen hat Russland eine schwere ballistische Rakete auf die Westukraine an der Grenze zu EU- und Nato-Gebiet abgefeuert. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, für das gesamte Land sei am Donnerstag gegen 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst worden. Es habe die Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen Testgelände Kapustin Jar bestanden. Wenig später seien Einschläge im Gebiet Lwiw verzeichnet worden.

Rescue workers put out a fire at a residential building damaged by a Russian strike in Kyiv, Ukraine, Friday, Jan. 9, 2026. (AP Photo/Efrem Lukatsky)
Russia Ukraine War
Feuerwehrleute am 9. Januar in Kiew.Bild: keystone

Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden, schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Nach Angaben aus Moskau hat Russland bei dem Angriff die gefürchtete neue Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Das teilte das russische Verteidigungsministerium mit. «Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen grosser Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen», heisst es in der Mitteilung der Behörde.

Nach Angaben des Ministeriums ist der Einsatz eine Vergeltungsaktion für die angebliche Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Der Kreml hatte damals von einem versuchten Terroranschlag gesprochen, auch US-Präsident Donald Trump hatte - von Putin per Telefon informiert - einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine ihrerseits hat dementiert, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz lanciert hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen.

Moskau hat auch in der Vergangenheit stets das Recht für sich in Anspruch genommen, resonante Angriffe gegen eigene Objekte mit schweren Attacken auf die Ukraine zu beantworten.

Bewohner der Region beschrieben die lauten Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.

Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Grossstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten.

Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2'000 bis 5'000 Kilometer geschätzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.

Selenskyj warnte vor schwerem Angriff

Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: «Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.» Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten.

Ukraine's President Volodymyr Zelenskyy delivers a speech upon the signing of the declaration on deploying post-ceasefire force in Ukraine during the 'Coalition of the Willing' summit o ...
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte schon im Vorfeld vor einem Angriff.Bild: keystone

Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von Drohnenschwärmen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische Infrastruktur beschädigt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile hätten Schäden verursacht, Wohnhäuser gebrannt.

Ausserdem meldete die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit dem Marschflugkörper Kalibr vom Schwarzen Meer aus. Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in den russischen Regionen Belgorod, Orjol und St. Petersburg mit Kampfdrohnen an.

Harter Frost verschärft Nöte der Ukraine

Moskau versuche, die Ukraine im harten Frost besonders zu schädigen, sagte Selenskyj: «Russland setzt derzeit mehr auf den Winter als auf Diplomatie, auf ballistische Raketen gegen unsere Energieversorgung und nicht auf Arbeit mit Amerika und Vereinbarungen mit Präsident (Donald) Trump.»

Die Temperaturen sollen in der Ukraine ab Freitag fast überall unter den Gefrierpunkt sinken. In Kiew und im nördlichen Teil des Landes werden auf Tage zehn Grad Frost und mehr herrschen. Damit wächst der Druck auf die ohnehin schwer angeschlagene Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem Angriff aus der Nacht zum Donnerstag bereits den schlimmsten Blackout in fast vier Jahren Krieg mit Hunderttausenden Menschen ohne Strom. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt Krywyj Rih wurde eine Frau getötet, es gab mindestens 23 Verletzte.

Russischer Schlag an der Nato-Aussengrenze

Der russische Raketenangriff auf Ziele, die nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegen, dürfte sich auch auf die laufenden Verhandlungen über eine Friedenslösung auswirken. Moskau hat bislang nicht reagiert auf die Abstimmung zu Sicherheitsgarantien und einem Wiederaufbau der Ukraine, die zwischen Kiew, den europäischen Staaten und den USA läuft.

Dabei sieht Selenskyj nach den jüngsten Gesprächen in Paris grosse Fortschritte zu einem bilateralen Dokument mit den USA über Sicherheitsgarantien für sein Land. Das Papier sei nun «im Grunde bereit» für die Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit Präsident Trump, schrieb er in sozialen Netzwerken.

Berichte: Kreml-Unterhändler sprach in Paris mit Amerikanern

Russland wird in dem Gesprächsprozess von den USA auf dem Laufenden gehalten. Die französische Zeitung «Le Monde» berichtete, der Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijiew sei am Donnerstag in Paris gewesen, einen Tag nach dem Gipfel der Ukraine-Unterstützer in der Koalition der Willigen. Das US-Portal «Axios» schrieb unter Berufung auf informierte Quellen, Dmitrijew habe in der US-Botschaft in Paris mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen. (dab/sda/dpa)

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Heinzbond
09.01.2026 09:24registriert Dezember 2018
Die Friedensbemühungen finden aber nur auf einer Seite statt, wie die Rakete eindeutig beweist...
Solang Putin nicht Frieden machen muss wird er keinen Frieden machen wollen...
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manuel0263
09.01.2026 10:08registriert Februar 2017
Es gab keinen Angriff auf die Privatresidenz des Möchtegern-Zaren, daher ist die "Vergeltungsaktion" eine reine Lüge, wie nahezu alles aus dem Umfeld von Putin. Und wee jetzt immer noch glaubt, der wolle Frieden, dem kann man nur den Besuch beim Psychotherapeuten empfehlen. Frieden kann sich Putin auch gar nicht leisten. Aber was sagen die Sünnelipartei und ihre Wähler eigentlich zu diesem ganzen Wahnsinn? Das laute Schweigen ist nicht zu überhören.
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Shadow69
09.01.2026 09:54registriert Februar 2014
Der Frieden wäre so einfach, Russland muss aber über den eingenen Schatten springen. Das Problem ist das Putin nicht aufhören kann, weil dies gleichzeitig die Einladung zu Tee bedeuten würde.
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