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Sana'a, Jemen

Blick auf Sanaa, die Hauptstadt des Jemens. Bild: Wikimedia Commons

Diese Karten und Bilder zeigen, dass im Jemen gerade etwas komplett schief läuft

Im Süden der Arabischen Halbinsel ereignet sich gerade die grösste humanitäre Krise der Welt. Ein Überblick.



Irma, Syrien, Nordkorea: Inmitten der weltweiten Turbulenzen geht ein Konflikt momentan fast vergessen. Jener im Jemen. Seit mehr als zwei Jahren tobt im Staat auf der Arabischen Halbinsel ein Krieg. Die Situation ist derart eskaliert, dass die UNO von der weltweit «grössten humanitären Krise» spricht. 

Über 600'000 Personen haben sich seit April dieses Jahres mit Cholera infiziert. Dies meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vergangene Woche. Damit steuert der Jemen auf einen traurigen Rekord zu, den bisher Haiti innehält. Nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 steckten sich dort innerhalb eines Jahres mindestens 750'000 Personen mit Cholera an. 

Cholera kann mit Medikamenten behandelt werden, ist in entwickelten Ländern nicht lebensbedrohlich. Doch im Jemen fehlen an vielen Orten die Mittel. Seit April 2017 starben 2048 Personen an der Durchfallkrankheit. 

Diese Zahlen sind jedoch nicht die einzigen, die aufschrecken lassen: Insgesamt forderte der Krieg bereits über 10'000 zivile Opfer, wobei jene Personen, welche durch indirekte Folgen gestorben sind, nicht eingerechnet sind. Über 17 Millionen Menschen wissen nicht genau, wo sie ihre nächste Mahlzeit herholen sollen. 14,5 Millionen Menschen müssen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser leben, was die Verbreitung von Cholera deutlich beschleunigt. 

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grafik: watson

Doch wie ist es überhaupt zum Krieg gekommen? Und wer kämpft gegen wen? 

Im September 2014 wurde der damalige Präsident von Jemen, Abd Rabbo Mansur Hadi, von schiitischen Huthi-Rebellen gestürzt. Unterstützt wurden die Rebellen von Teilen des Militärs, welche dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh die Treue halten. Als Antwort auf den Vormarsch der schiitischen Rebellen formte das sunnitische Saudi-Arabien eine Koalition, die seit März 2015 Angriffe auf die Huthi-Rebellen fliegt.

Folgende Karte gibt einen Überblick, welche Staaten Saudi-Arabien unterstützen: 

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Diese Staaten unterstützen Saudi-Arabien beim Krieg gegen die Huthi-Rebellen.

Wie auf der Karte zu sehen ist, werden die Saudis unter anderem von den USA unterstützt. Seit dem 11. September 2001 fliegen die USA zudem Drohnen-Angriffe auf mutmassliche Terroristen. Hier kommt es immer wieder zu zivilen Opfern. 

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien erlebten erst kürzlich einen neuen Höhepunkt, als Donald Trump im Wüstenstaat einen Waffenexport-Deal über hundert Milliarden Dollar abschloss. 

Schweizer Rüstungsfirmen lieferten im Jahr 2016 ebenfalls Kriegsmaterial im Umfang von 12 Millionen Franken nach Saudi-Arabien. Zuvor hob der Bundesrat den geltenden Ausfuhrstopp auf. Allerdings heisst es beim Seco, dass es sich lediglich um Ersatzteile handle, welche nicht im Jemen-Krieg zum Einsatz kämen. 

Nebst den Drohnen-Angriffen, die von den USA geflogen werden, ist die Saudi-Koalition die einzige Kriegspartei, die Luftangriffe durchführt. Bombardements auf zivile Ziele wie Spitäler, Märkte, Schulen, Begräbnisse und Wohngebiete seien weit verbreitet, schreibt die UNO.

Trotz der Angriffe der Saudi-Koalition ist es den Huthi-Rebellen gelungen, die Hauptstadt Sanaa zu halten. Auch auf Seiten der Huthi-Rebellen wird das Kriegsvölkerrecht nicht respektiert. So wurden etwa schon über 1000 Kinder als Soldaten rekrutiert. Kritische Stimmen werden eingesperrt. Folgender Schieber zeigt, wie sich die Frontlinien entwickelt haben:

So haben sich die Frontlinien seit 2017 verändert. Das braune Gebiet wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert. karte: watson

Ganz allein stehen die Huthi-Rebellen jedoch nicht da. Saudi-Arabiens Erzrivale Iran unterstützt die schiitischen Streitkräfte mit Waffen, militärischen Beratern und finanziellen Mitteln.

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Die Huthi-Rebellen werden durch den schiitischen Iran unterstützt. karte: watson

Dass der Konflikt im Jemen kein Kräftemessen zwischen den Weltmächten USA und Russland ist, mag der Grund dafür sein, weshalb öfters über Syrien berichtet wird. Doch das indirekte Kräftemessen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zeigt, dass der Krieg im Jemen politischen Sprengstoff birgt, der weit über die Landesgrenzen hinausgeht. 

Doch es gibt auch noch andere Gründe, weshalb der Krieg im Jemen oft als «vergessen» bezeichnet wird. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition verhindert, dass Journalisten in die Hauptstadt Sanaa fliegen können. Lediglich eine beschränkte Anzahl Flieger mit Hilfsgütern darf den Hauptstadt-Flughafen anfliegen. Saudi-Arabien blockierte letztes Jahr im UNO-Menschenrechtsrat zudem den Aufruf zu einer unabhängigen Untersuchung.

Bei den humanitären Institutionen der UNO scheint die Geduld mit Saudi-Arabien langsam, aber sicher auszugehen. «Saudi-Arabien soll für 100 Prozent der Finanzierung der humanitären Bedürfnisse aufkommen», forderte David Beasly, der Direktor des Welternährungsprogramms WFP, vergangene Woche. Er richtete deutliche Worte an die Saudis: «Entweder sie stoppen den Krieg, oder finanzieren die Hilfe. Option drei ist, beides zu tun.»

5 Fakten über den Jemen, die zu denken geben 

epa06131961 A Yemeni boy walks past the grave with a portrait of a late child allegedly killed in the ongoing conflict, at a cemetery in Sana’a, Yemen, 08 August 2017. According to UNICEF recent reports, a total of 201 Yemeni children, including 152 boys and 49 girls, have been killed in the ongoing conflict in war-affected Arab country since the beginning of 2017.  EPA/YAHYA ARHAB

Friedhof in Sanaa: Gemäss eines Berichts von UNICEF wurden im Jemen im Jahr 2017 bereits 201 Kinder getötet. Bild: EPA/EPA

epa04161922 A Yemeni boy looks at graffiti sprayed on a wall depicting a child soldier walking with evil during a campaign to end the recruitment and use of children in conflicts, in Sana’a, Yemen, 10 April 2014. Yemeni artists launched a campaign to end the recruitment of child soldiers by tribal militias and rebel groups in the country's violent conflicts.  EPA/YAHYA ARHAB

Gemäss Erkenntnissen der UNO wurden im Jemen über 1700 Kinder-Soldaten gezählt. Zwei Drittel davon auf Seiten der Huthi-Rebellen. Bild: EPA/EPA

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Schon mehrfach kam es in der Hauptstadt Sanaa zu Massendemonstrationen mit hunderttausenden Personen: Sie protestieren gegen die Luftangriffe der Saudi-Koalition. Video: YouTube/Ruptly TV

epa04158496 A Yemeni man looks at a graffiti protesting against US drone operations, in Sana’a, Yemen, 07 April 2014. Reports state Yemen has issued a temporary ban on US military drone strikes in the country following a drone strike that hit a wedding convey in December 2013, killing 13 Yemeni civilians and wounding 21 others. The US launched at least 92 drone strikes on suspected al-Qaeda militants in Yemen between 2002 and mid-2013, killing hundreds of suspected al-Qaeda militants and dozens of civilians.  EPA/YAHYA ARHAB

Die USA fliegen seit 2002 Drohnenangriffe gegen mutmassliche Terroristen. Je nach Quelle wurden bisher zwischen 113 und 144 Angriffe geflogen. Dabei gab es zwischen 65 und 105 zivile Opfer, auch hier gibt es verschiedene Angaben. Barack Obamas Justizdepartement setzte sich jahrelang dafür ein, dass die Angriffe im Geheimen durchgeführt werden. Offizielle Listen gibt es deshalb nicht.  Bild: EPA/EPA

epa05164593 Yemeni mourners carry the coffin of a member of a five-member family killed in a Saudi-led airstrike, during the funeral in Sana'a, Yemen, 16 February 2016. According to reports, Human Rights Watch has slammed the Saudi-led coalition over using cluster bombs against civilians in Yemen. Thousands of Yemenis have been killed and injured in airstrikes carried out by the coalition since March 2015, with the vast majority of them are civilians.  EPA/YAHYA ARHAB

Gemäss Human Rights Watch kamen 2016 im Jemen 38 Personen durch Streubomben um. 102 Staaten unterzeichneten 2010 ein Verbot dieser Waffen. Die USA, China, Russland und auch Saudi-Arabien gehören nicht dazu. Bild: EPA/EPA

UNO-Bericht: Alle zehn Minuten stirbt in Jemen ein Kleinkind

Video: srf

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