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Callista und Newt Gingrich: Familie der neuen US-Botschafterin in Bern

Callista Gingrich soll Trump-Interessen in Bern vertreten – ihren Mann kennst du wohl noch

Callista Gingrich, Gattin von Ex-Speaker Newt Gingrich, soll neue US-Botschafterin in Bern werden. Die Gingrichs gelten als stramme Freunde des neuen amerikanischen Präsidenten.
23.12.2024, 10:3423.12.2024, 12:38
Renzo Ruf, Washington / ch media
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Die neue amerikanische Botschafterin in der Schweiz heisst Callista Gingrich. Dies gab der designierte amerikanische Präsident Donald Trump am Sonntag auf seinem Internet-Dienst Truth Social bekannt. Gingrich ist seit 2000 mit Newt Gingrich verheiratet, dem ehemaligen republikanischen Speaker des Repräsentantenhauses.

Herr und Frau Gingrich gelten in Washington als enge Verbündete des alten und neuen Präsidenten. Er tritt regelmässig auf dem Fernsehsender Fox News auf und verteidigt Trump gegen angeblich und eingebildete Feinde. Auch schrieb er in den letzten Jahren sieben Bücher, in denen er Trump in ach so vielen Worten als den weitaus besten Präsidenten in der Geschichte Amerikas bezeichnete.

ARCHIV - TRUMP ERNENNT CALLISTA GINGRICH ZUR US-BOTSCHAFTERIN IN DER SCHWEIZ --- Callista Gingrich, wife of Republican presidential candidate former House Speaker Newt Gingrich, right, appears with he ...
Callista Gingrich, die designierte amerikanische Botschafterin in der Schweiz.Bild: keystone

Erfahrung als Botschafterin beim Heiligen Stuhl

Im Vergleich zu ihrem Gatten scheut Callista Gingrich, 58 Jahre alt, das Rampenlicht. Lieber produziert sie Dokumentarfilme oder schreibt Kinderbücher. Von 2017 bis 2021, in der ersten Amtszeit von Trump, wirkte Callista Gingrich als US-Botschafterin beim Heiligen Stuhl. Dabei verriss sie in Rom keine grossen Stricke. Die gläubige Katholikin sorgte aber eigentlich auch nicht für grosses Aufsehen, was bei diplomatischen Quer-Einsteigerinnen nicht von vornherein garantiert ist.

Über Erfahrung in zwischenstaatlichen Beziehungen besass Gingrich nämlich 2017 nicht. Ihre Ernennung galt damals in Washington als Belohnung für das «glücklich verheiratete» Ehepaar Gingrich, wie das Trump am Sonntag formulierte.

Die beiden sind seit 2000 ein Ehepaar, kennen sich aber schon länger. 1993, als Newt auf das Amt des Speakers aspirierte und im Repräsentantenhaus die «republikanische Revolution» vorantrieb, begannen die beiden eine Affäre. Sie war damals Mitarbeiterin eines republikanischen Kongressabgeordneten und einer Parlamentskommission. Er war verheiratet, in zweiter Ehe und auf dem Sprung nach oben. Erst 1999, nachdem er als Speaker hatte zurücktreten müssen, wurde die Affäre publik.

Irgendwie gelang es dem Ehepaar Gingrich, die negativen Schlagzeilen zu überwinden. So gab sie 2012, als er sich (erfolglos) um die Nomination zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten bewarb, die traditionelle Politikergattin. «Wir sind ein Team», sagte die begabte Musikerin damals. Im Herbst 2017, nachdem der Senat sie mit 70 zu 23 Stimmen als Botschafterin im Vatikan bestätigt hatte, folgte dann der Rollenwechsel. Von nun an überliess das alte republikanische Schlachtross seiner Frau das Rampenlicht, oder drängte sich zumindest nicht mehr jeden Tag in den Mittelpunkt.

Newt Gingrich, mittlerweile 81 Jahre alt, scheint diese neue Rolle zu geniessen. Er gilt als Weltenbummler und präsentierte sich während seiner Live-Schaltungen auf Fox News häufig mit einem Hintergrund, der an das mondäne italienische Hafenstädtchen Portofino erinnert. Auch ist Gingrich ein Tierliebhaber, der auf Städtereisen immer wieder den lokalen Zoo besucht. Sein Lieblingstier? Der Elefant, das Maskottchen der Republikanischen Partei.

Gut möglich, dass der Gatte der künftigen Botschafterin bereits einen Besuch im Elefantenpark in Zürich oder in der Tembea-Anlage im Zoo Basel vorbereitet.

Die Personalie muss im nächsten Jahr noch vom Senat bestätigt werden. Aktuell vertritt Scott Miller die USA in Bern. Der Gleichstellungsaktivist machte sich als scharfzüngiger Kritiker der Schweizer Neutralität einen Namen. Zuvor, in der ersten Amtszeit von Trump, hatte der Politik-Stratege Ed McMullen in der Residenz des amerikanischen Botschafters in Bern logiert.

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Grandmaster
23.12.2024 11:29registriert Dezember 2024
Die Nomination macht Sinn. Immerhin war sie mal Botschafterin in einem Land ( Vatikan) in dem wir Truppen stationiert haben.
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susika
23.12.2024 11:40registriert März 2022
Ich verstehe die USA einfach nicht. Bei jedem Präsidentenwechsel wird komplett das ganze Personal ausgetauscht. Das macht doch keinen Sinn und wird nie dazu führen, dass sich die beiden Lager je wieder näher kommen.
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ELMatador
23.12.2024 10:48registriert Februar 2020
Ich frage mich, wie eins der mächtigsten und wichtigsten Länder der Welt es immer wieder hinbekommt, die wohl unpassendsten und unqualifiziertesten für politische und diplomatische Ämter zu finden.
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