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Warum will Deutschland jetzt Schweizer Leopard-Panzer kaufen?

Ein Schweizer Leopard auf einer Übung.
Ein Schweizer Leopard auf einer Übung.bild: silvan reinhart / mech bat 14

Darum will Deutschland jetzt Schweizer Leopard-Panzer kaufen

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum deutschen Gesuch.
03.03.2023, 09:1303.03.2023, 13:08
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Um was geht es?

Deutschland hat die Schweiz vor einer Woche um den Kauf eingelagerter Leopard-2-Kampfpanzer ersucht. Sie sollen Panzer ersetzen, die Deutschland und andere EU-Länder in die Ukraine geliefert haben, teilte das Schweizer Verteidigungsdepartement am Freitag zu einer Meldung des «Blick» mit.

Landen die Panzer in der Ukraine?

Nein. Die deutschen Minister Boris Pistorius (SPD) und Robert Habeck (Grüne) haben in ihrem Schreiben an Bundesrätin Viola Amherd versichert, dass die Panzer nicht an die Ukraine weiter gegeben werden.

Stattdessen sollen sie diejenigen Panzer ersetzen, die von EU- und NATO-Ländern in die Ukraine verfrachtet worden sind oder noch werden. Neben Deutschland liefern Finnland, Schweden, Polen oder Portugal Kampfpanzer an das Land am Donbass.

Für die Schweiz ist es essenziell, dass die Panzer nicht in der Ukraine landen, denn bislang besteht in Bern weiterhin die Doktrin, dass kein Kriegsmaterial an Länder, die in einem militärischen Konflikt stehen, geliefert werden darf – auch nicht via Wiederverkauf eines anderen Staates.

Was sind das für Panzer?

Es handelt sich dabei um Panzer des Typs «Leopard 2 A4», mit vollem Namen «Panzer 87 Leopard» genannt. Die «Katzen» stammen aus Deutschland, genauer aus dem Hause Krauss-Maffay-Wegmann. 1984 beschloss das Parlament den Kauf von 380 Leoparden, um den in die Jahre gekommenen «Panzer 68» zu ersetzen. Die Panzer wurden dann unter Lizenz zum grössten Teil von der RUAG gebaut.

Seit 2006 wurden 134 Kampfpanzer mit Upgrades aufgerüstet zum «Panzer 87 Leopard WE» – das WE steht für Werterhaltung. Damit sollte die Lebensdauer der Panzer um weitere 20 Jahre verlängert werden.

Doch um diese wertgesteigerten Leoparden geht es hier nicht, sondern um die «alten». Nach allerlei Verkäufen, Umrüstungen und Verschrottungen hat die Schweiz noch 96 «Panzer 87 Leopard», die in einer geheimen Lagerhalle in der Ostschweiz stehen. Sie sind als Reserve der Armee gedacht.

Zurzeit verfügt die Schweizer Armee über 134 einsatzbereite und kampfwertgesteigerte Leopard-Panzer.
Zurzeit verfügt die Schweizer Armee über 134 einsatzbereite und kampfwertgesteigerte Leopard-Panzer.bild: silvan reinhart / mech bat 14

Braucht die Schweiz diese Panzer noch?

Das kommt darauf an, wen man fragt. VBS-Sprecher Lorenz Frischknecht bestätigte gegenüber dem «Blick», dass die Armee bereits mit den Abklärungen zum Verkauf begonnen habe: «Aus Sicht der Armee wäre es grundsätzlich möglich, auf eine beschränkte Anzahl von Kampfpanzern zu verzichten – abzüglich des Eigenbedarfs für die Schweiz.» Eigenbedarf heisst hier: 34 eingemottete Panzer, die die 134 WE-Leoparden, die aktuell im Einsatz sind, ergänzen sollen.

Die Politik ist bislang skeptisch. So wurde erst kürzlich eine parlamentarische Initiative abgelehnt, die die Weitergabe von bis zu 30 «alten» Leoparden vorsah. Die Mehrheit der Parlamentarier argumentierte damit, dass die Panzer eine strategische Reserve seien, die man nicht einfach so verschachern könne.

Und die Milizarmee hat auch keine Freude. Erich Muff, Präsident der Offiziersgesellschaft der Panzertruppen, hält nicht viel von der Idee, Leos abzugeben: «Wir haben schon heute nicht genug Fahrzeuge.»

Soll die Schweiz die Panzer verkaufen?

Wie geht es weiter?

Rechtlich gesehen dürften, anders als zum Beispiel beim Munitions-Debakel von letztem Jahr, keine Probleme auftreten. Denn die Panzer gehen nicht an die Ukraine und fallen somit nicht unter das Kriegsmaterial-Gesetz.

Vonseiten des VBS gibt es aber eine Voraussetzung: Das Parlament muss die Panzer formell per offiziellem Beschluss ausser Dienst setzen, damit sie weiterverkauft werden können. Dies teilte VBS-Chefin Amherd auch ihren deutschen Pendants und Amtskollegen mit. Damit signalisierte sie auch indirekt, dass sie alleine nicht die Entscheidung treffen kann.

So steht und fällt der Verkauf also mit dem Parlament. Und dieses dürfte sich zunehmend wohlwollend geben. Denn der Druck von innen und aussen wächst täglich.

(cpf)

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168 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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i schwörs
03.03.2023 09:46registriert April 2016
Erich Muff von der OG sagt, wir hätten jetzt schon zu wenig Fahrzeuge. Genau. Deswegen sind die Panzer ja auch eingemottet, weil wir so wenig Fahrzeuge haben. Da hilft es natürlich, diese weiterhin eingemottet zu lassen. *Augenroll*
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Ralf Schwarz
03.03.2023 09:52registriert Oktober 2020
Im Prinzip wäre dies ja weniger ein Verkauf von Panzern, sondern viel mehr eine Übernahme von Lücken in der Armee-Ausrüstung anderer Länder. Wir können Lücken im Moment sicher besser verkraften als Polen, Finnland und Schweden.
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Alter Mann
03.03.2023 09:57registriert September 2020
Aus meiner Sicht gibt es nur eine vernünftige Möglichkeit. Alle jene eingemotteten Panzer die nicht als "Reserve" unbedingt erforderlich sind, sofort "ausser Dienst" stellen und an DE abgeben, ganz egal was die damit vorhaben. Alles andere ist meiner Meinung nach Humbug.
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