Wirtschaft
Schweiz

Trump droht der Schweiz erneut – das steckt dahinter

Analyse

Trump droht der «kleinen und brillanten» Schweiz erneut – das steckt dahinter

Der amerikanische Präsident schimpft in einem TV-Interview über «Elite-Länder». Und er macht eine Aussage über die Rückerstattung der illegalen Strafzölle, die auch Schweizer Firmen betreffen könnte.
23.04.2026, 05:0123.04.2026, 06:21
renzo ruf, washington

Die neuste Attacke von Donald Trump gegen die Schweiz kam aus dem Nichts. Eben noch hatte der amerikanische Präsident während eines Telefoninterviews mit dem Wirtschaftssender CNBC das hohe Zinsniveau in den USA kritisiert. Dann erwähnte er plötzlich die Schweiz und die Nationalbank, die in den letzten «fünfzehn, zwanzig Jahren» eine expansive Geldpolitik verfolgt habe.

epa12894726 US President Donald Trump speaks to members of the media on the South Lawn of the White House before departing on Marine One, in Washington, DC, USA, 16 April 2026. President Trump is trav ...
Hat die Schweiz auf dem Kieker: Donald Trump wettert regelmässig gegen unser Land.Bild: keystone

Und dann gab es kein Halten mehr für Trump. Er beschimpfte die Schweiz als eines der angeblichen «Elite-Länder», die ihren Wohlstand auf dem Buckel der USA angehäuft hätten. Dieser Praxis aber habe er einen Riegel geschoben, mit Hilfe seiner Strafzölle, polterte der Präsident weiter.

Zwar habe die Schweiz gegen diese Massnahmen protestiert, angeblich mit dem Argument, das Land sei «klein und brillant». Aber Trump wies dies zurück, und sagte: Die USA seien die eigentliche Elite. Immerhin zahle die Schweiz nun «ein bisschen» Geld an die USA zurück. Das reiche aber nicht aus. Künftig werde dieser Betrag deshalb steigen. «Wir werden das etwas erhöhen», kündigte Trump an.

Bundesbern zeigt sich unbeeindruckt

Die ganze Interview-Sequenz dauerte nur etwa 90 Sekunden. Und sie liess viele Zuschauerinnen und Zuschauer ratlos zurück – laufen doch aktuell Verhandlungen über ein Handelsabkommen, die gemäss der letzten Wasserstandsmeldung in der vorigen Woche gut vorankommen. Das Abkommen soll die Höhe des Zolls auf Schweizer Importen in die USA generell auf 15 Prozent festlegen. Derzeit beträgt der Strafzoll, während einer Übergangsphase bis Ende Juli, mindestens 10 Prozent des Warenwerts. Dann könnte die Regierung Trump neue Zölle einführen, gegen Staaten wie die Schweiz mit angeblich unfairen Handelspraktiken.

Video: watson/nina bürge

Bundesbern zeigte sich in einer ersten Reaktion unbeeindruckt von der Ankündigung Trumps. «Wir nehmen die Aussagen zur Kenntnis», sagte am Mittwoch Markus Spörndli, ein Mediensprecher des Departements von Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Die Verhandlungen zwischen Bern und Washington liefen weiter und beide Seiten stünden in Kontakt. «Die Schweiz strebt ein Verhandlungsergebnis an, das die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern unabhängig der rechtlichen und politischen Entwicklungen in den USA längerfristig zufriedenstellend regelt», sagte Spörndli zu CH Media.

Trump sagt, Firmen sollten auf ihr Geld verzichten

Die spitzen Bemerkungen Trumps sind also vielleicht eine leere Drohung. Im CNBC-Interview tätigte der Präsident allerdings noch eine weitere Aussage, die exportorientierten Schweizer Unternehmen Kopfzerbrechen bereiten könnte. Ein Moderator fragte Trump, ob er es begrüssen würde, wenn betroffene Firmen aus Rücksicht auf die persönliche Gefühlslage des Präsidenten auf die Rückerstattung der illegal einkassierten Strafzölle verzichteten. Trump antwortete: «Das wäre brillant», und wer auch immer auf diese Idee gekommen sei, kenne ihn «sehr gut». Und weiter: Er würde sich an die Namen der Firmen erinnern, die freiwillig auf ihr Geld verzichteten.

Dazu muss man wissen: Seit Montag können die betroffenen Importeure die «Liberation Day»-Strafzölle zurückverlangen, die der Supreme Court Ende Februar 2026 als rechtswidrig bezeichnet hatte. Die Zollverwaltung CBP schaltete zu diesem Zweck eine Datenbank auf, die eine schnelle Rückerstattung für Hunderttausende von Transaktionen ermöglichen soll. Rund 127 Milliarden Dollar könnten so in den kommenden Wochen an die Importeure zurückfliessen. Noch offen ist, wie zusätzliche rund 40 Milliarden Dollar, die Transaktionen aus dem Frühjahr 2025 betreffen, rückerstattet werden sollen.

Es geht also um viel Geld. Und um die Frage, ob sich grosse Unternehmen es leisten können, Trump zu verärgern. (aargauerzeitung.ch)

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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
23.04.2026 05:30registriert Januar 2020
"....wenn betroffene Firmen aus Rücksicht auf die persönliche Gefühlslage des Präsidenten auf die Rückerstattung der illegal einkassierten Strafzölle verzichteten."

Wie ist sie denn die persönliche Gefühlslage des bemitleidenswerten Rechtspopulisten? Lasten die Epstein-Files schwer? Oder die Verpflichtungen des Krasnow? Oder ist er verkatert wegen der Siegesparty im Irankrieg oder ob den horrenden Gewinnen aus fast täglicher Börsenmanipulation? Oder schmerzt sein fehlendes Rückgrat?

Und immer dsran denken: Donald Trump ist DER Wunschpräsident vieler SVPler. Bis hoch in den Bundesrat.
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Wolfman
23.04.2026 05:56registriert April 2020
Hauptsache ist doch, das gemäss SVP Trump gut für die CH ist. Frage mich dann nur, warum Frau Martullo-Blocher ein Handelsabkommen mit den Chinesen, anstatt ihrem Kumpel Donny?? 🤔🤔🤔
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offgrid
23.04.2026 05:33registriert Oktober 2019
Das einzige was wir daraus lernen können ist, dass Exporte in ein Land ab einer gewissen Quote gefährlich sind und man auf lokale Produktion umstellen sollte. Bei "Made locally" werden die Regierungen weniger Anlass haben am eigenen Ast zu sägen. Abgesehen davon sollten Ungleichgewichte (wie hier bei Dienstleistungen, dh IT) ebenso als Druckmittel genutzt werden, falls Handelspartner unfreundlich werden,
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