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Parlament will abgewiesene Eritreer via ein Drittland zurückführen

Parlament will abgewiesene Eritreer via ein Drittland zurückführen

10.06.2024, 17:5710.06.2024, 18:37
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Abgewiesene Asylsuchende aus Eritrea sollen von der Schweiz über einen Drittstaat in die Heimat zurückgeführt werden. So will es das Parlament. Der Nationalrat hat eine Motion von FDP-Ständerätin Petra Gössi angenommen.

Abgelehnte eritreische Asylsuchende können nicht ausgeschafft werden, da Eritrea zwangsweise Rückführungen seiner Staatsbürgerinnen und Staatsbürger kategorisch ablehnt. Für die Mehrheit der Staatspolitischen Kommission des Nationalrates (SPK-N) ist das inakzeptabel. Sie beantragte deshalb ein Ja zur Motion.

Mehr Druck nötig

Der Nationalrat folgte am Montag mit 120 zu 75 Stimmen. Er änderte damit seine Meinung, denn im Dezember hatte er einen ähnlichen Vorstoss abgelehnt. Da sich eine Migrationspartnerschaft oder ein Rückübernahmeabkommen mit Eritrea nicht abzeichne, brauche es mehr Druck, argumentierte die Mehrheit nun aber.

Gössis Motion verlangt vom Bundesrat, ein Transitabkommen mit einem geeigneten Drittland abzuschliessen. Muster soll ein Abkommen von 2003 mit Senegal sein, das jedoch nie in Kraft war. Unterstützung erhielt sie im Nationalrat von der SVP, der Mitte-Partei und Gössis eigener FDP-Fraktion.

Der Bundesrat wolle keine Massnahmen, die nicht effizient und teuer seien, wandte sich Justizminister Beat Jans gegen die Motion. Ein Transitabkommen wie jenes mit Senegal Anfang der Nullerjahre wäre wirkungslos, weil Eritrea seine Staatsangehörigen auch aus einem Drittland nicht zurücknehme.

«Problematische Motion»

Einige Aspekte der Motion seien in der Kommissionsdebatte gezielt falsch verstanden worden, etwa die Frist zur Ausreise aus dem Drittland, um die Drittstaatenlösung nicht umsetzen zu müssen, kritisierte Christian Wasserfallen (FDP/BE). Das Vorhaben sei schwierig, aber die Mehrheit wolle das Problem angehen.

Die SPK-Minderheit nannte die Motion problematisch: «Welches Land sollte ein solches Transitabkommen eingehen», fragte Marc Jost (EVP/BE). Und ohne Rückübernahmeabkommen mit Eritrea mache ein Transitabkommen keinen Sinn. Die Motion löse also keine Probleme, sondern sie löse Kosten aus.

Für ein Nein trat auch die Flüchtlingshilfe ein. Der geforderte Plan wegen gravierender politischer und rechtlicher Probleme nicht umsetzbar, schrieb sie. Der Vorschlag der Motion sei teuer, wirkungslos und angesichts von unter 280 Ausreisepflichtigen unverhältnismässig.

Gewalttätige härter anfassen

Die Räte erteilten dem Bundesrat noch weitere Aufträge. Menschen, die wegen angeblicher Verfolgung im Heimatland geflüchtet sind, aber in der Schweiz dessen Regime gewaltsam unterstützen, wollen sie härter anfassen. Mit 131 zu 63 Stimmen nahm der Nationalrat eine Motion von Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) an, die entsprechende Anpassungen im Ausländerrecht fordert.

Caroni hatte den Vorstoss mit Gewalt unter Anhängern des eritreischen Regimes und Oppositionellen begründet. Zum Beispiel bei einer Schlägerei in Opfikon ZH im September 2023 wurden zwölf Männer verletzt. Über ein Dutzend Verfahren wurde eröffnet.

Eine starke Minderheit der SPK-N lehnte wie der Bundesrat die Motion ab. Die Flüchtlingseigenschaft könne schon heute aberkannt werden, führte Sprecherin Céline Widmer (SP/ZH) aus. Jans sagte, der Bund habe eine strategische Begleitgruppe Eritrea eingesetzt, in der auch Kantone, Städte und Gemeinden vertreten seien. Diese könne Empfehlungen abgeben, welche Massnahmen nötig seien.

Vertretung in Region gefordert

Mit noch einer Motion verlangt der Nationalrat, dass der Bundesrat mit Eritrea Verhandlungen über eine Migrationspartnerschaft oder ein Migrationsabkommen aufnimmt. Der Bundesrat hält dazu fest, dass ein solches Abkommen die Bereitschaft voraussetze, Abgewiesene zurückzunehmen. Diese fehle in Eritrea.

Der Nationalrat ergänzte die Forderung mit dem Auftrag ans Staatssekretariat für Migration (SEM), eine für Migrationsfragen zuständige Vertretung in die Region zu schicken. Über diesen Zusatz muss der Ständerat nun noch entscheiden. (hkl/sda)

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110 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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KalinaAnn
10.06.2024 19:36registriert April 2023
Das ganze Asylwesen muss reformiert werden. Geldleistungen nur noch in Form von Gutscheinen/Bons oder Bezugskarten (ohne Abhebfunkion) und keine Barauszahlungen mehr. Die kommen dann freiwilig nicht mehr wenns "nix" mehr gibt. Zwingender Sprachunterricht mit Prüfung und Kultur-/Integrationsunterricht (westliche Werte, Umgangsformen, Kultur und Brauchtum, Religionstoleranz etc.) als Voraussetzung für eine langfristige Aufnahme. Familiennachzug nur, wenn die Kosten selber getragen werden können bzw. zumindest ein unbefristeter Arbeitsvertrag nachgewiesen werden kann. Könnte noch weitermachen...
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Kolleg_Essigsauretonerde
10.06.2024 18:03registriert Oktober 2023
Wann werden endlich die Grenzen kontrolliert, sind die Wirtschafts- und Randalierflüchtlinge erst mal da, dann nimmt das ganze Prozedere, das mehrfache an Kosten in Anspruch und ist auch viel mühsamer.
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Wusu
10.06.2024 19:53registriert Juli 2022
Aber bitte nicht nur reden - sondern auch machen!
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