International
Serbien

Mehrere Nato-Soldaten bei Zusammenstössen im Nord-Kosovo verletzt

Mehrere Nato-Soldaten bei Zusammenstössen im Nord-Kosovo verletzt

29.05.2023, 20:1531.05.2023, 07:17
Mehr «International»

Bei Zusammenstössen im serbisch bewohnten Norden des Kosovos sind zahlreiche Soldaten der Nato-geführten Kosovo-Schutztruppe KFOR verletzt worden.

Mehrere Uniformierte aus Italien und Ungarn erlitten bei Angriffen militanter Serben in der Ortschaft Zvecan Knochenbrüche und Verbrennungen, teilte das KFOR-Kommando in Pristina am Montagabend mit.

Der italienische Aussenminister Antonio Tajani sprach auf Twitter von elf verletzten Italienern des KFOR-Kontingents. Drei von ihnen erlitten schwere Verwundungen, seien aber nicht in Lebensgefahr.

Auch 20 ungarische KFOR-Soldaten seien unter den Verletzten, schrieb das Budapester Nachrichtenportal «hvg.hu» unter Berufung auf diplomatische Kreise.

epa10662250 Soldiers of NATO-led international peacekeeping Kosovo Force (KFOR) lie injured after a scuffle with ethnic Serbs in front of the building of the municipality in Zvecan, Kosovo, 29 May 202 ...
Verletzte KFOR-Soldaten in Zvecan, Kosovo.Bild: keystone

Die Nato verurteilte die Angriffe auf die KFOR-Truppen scharf. «Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel. Die Gewalt muss sofort aufhören. Wir rufen alle Seiten auf, von Handlungen Abstand zu nehmen, die die Spannungen weiter anheizen, und in einen Dialog einzutreten», hiess es von einer Sprecherin der Militärallianz. KFOR werde alle erforderlichen Massnahmen ergreifen, um ein sicheres Umfeld aufrechtzuerhalten.

Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte den Angriff. «Was hier geschieht ist absolut inakzeptabel und unverantwortlich. Wir werden keine weiteren Angriffe auf die KFOR dulden», sagte sie am Montagabend laut einer Mitteilung.

Die Zusammenstösse ereigneten sich am Montagnachmittag, als militante Serben gegen die Einsetzung neuer Bürgermeister in Zvecan und weiteren Gemeinden protestierten. KFOR-Soldaten, die das Gemeindeamt in Zvecan sicherten, lösten den gewalttätig gewordenen Protest auf, wie örtliche Medien berichteten. Dabei setzten sie Blendgranaten und Tränengas ein. Die Menge bewarf sie wiederum mit Steinen, Brandsätzen, Flaschen und anderen Gegenständen.

Ein Serbe wurde durch Schüsse verletzt, teilte das Krankenhaus in der nahen Stadt Mitrovica mit. Weitere 52 Serben seien dort mit Verletzungen eingeliefert worden.

epaselect epa10662176 Ethnic Serbs sit on the street in front of the cordon of soldiers of NATO-led international peacekeeping Kosovo Force (KFOR) in front of the building of the municipality in Zveca ...
Die KFOR-Soldaten im Einsatz. Bild: keystone

Die etwa 300 KFOR-Soldaten hatten zuvor am Montagmorgen in Kampfmontur vor dem Gemeindeamt in Zvecan Stellung bezogen. Zugleich hatte sich auch eine grössere Menge serbischer Demonstranten vor dem Amtsgebäude versammelt.

Die KFOR-Truppe sollte anstelle der kosovarischen Sonderpolizei das Amtsgebäude sichern. Diese hatte sich am vergangenen Freitag Zugang zum Gemeindeamt verschafft, was schon damals gewalttätige Proteste militanter Serben ausgelöst hatte.

Umstrittene Bürgermeister

Die Polizei hatte den neuen Bürgermeister, einen Albaner, der sein Amt antreten wollte, eskortiert. Serben protestieren auch in zwei anderen Orten des Nord-Kosovos, wo ebenfalls albanische Bürgermeister die Amtsgeschäfte übernahmen.

Die Drei waren im April gewählt worden, wobei fast alle Serben die Wahl boykottiert hatten. Deshalb kommen die Wahlsieger aus albanischen Parteien. Die bisherigen serbischen Bürgermeister hatten ihre Funktionen im November 2022 aus Protest gegen die Politik der kosovarischen Regierung niedergelegt.

Zur Eskalation am Montag kam es, als sich die serbische Menge in Zvecan weigerte, die dort noch stehenden Fahrzeuge der kosovarischen Polizei wegfahren zu lassen. Der KFOR-Trupp löste daraufhin die Versammlung auf.

Das heute fast ausschliesslich von Albanern bewohnte Kosovo erklärte sich 2008 für unabhängig. Serbien erkennt die Eigenstaatlichkeit seiner einstigen Provinz nicht an und verlangt die Rückgabe. Zugleich schürt es immer wieder Spannungen unter der serbischen Bevölkerung des Kosovos.

Belgrad hatte 1999 auf einen bewaffneten Aufstand der Kosovo-Albaner mit Vertreibungen und Massentötungen von Zivilisten reagiert. Die Nato griff daraufhin mit Bombardierungen ein und erzwang einen Abzug der serbischen Sicherheitskräfte aus dem Kosovo. Ein UN-Sicherheitsratsbeschluss aus demselben Jahr beauftragte die KFOR damit, die Sicherheit im Kosovo zu gewährleisten.

(sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
25 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
KenEck
29.05.2023 22:47registriert Mai 2023
Wahlen boykottieren und dann protestieren, weil der gwählte Bürgermeister sein Amt eintritt.
Kann man sich nicht ausdenken.
3316
Melden
Zum Kommentar
25
Recherche legt unheimliche Russland-Affäre deutscher Sozialdemokraten offen
Als deutscher Aussenminister verhandelte Frank-Walter Steinmeier mit Russland über Krieg und Frieden. Investments eines Sonderbeauftragten von Wladimir Putin führen in sein enges privates Umfeld.

Es gibt Bilder von Stephan Kohler, auf denen scheint er dem Herz der deutschen Sozialdemokratie so nah wie kaum ein anderer. Auf Berggipfeln in den Südtiroler Alpen sind sie entstanden.

Zur Story