International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Spanish Prime Minister and Socialist Party candidate Pedro Sanchez leaves a polling station after casting his vote during Spain's general election in Pozuelo de Alarcon, outskirts of Madrid, Sunday, April 28, 2019. Spain's Prime Minister Pedro Sánchez says he wants Sunday's highly contested general election to yield a parliamentary majority that can undertake social and political reforms in the country. (AP Photo/Bernat Armangue)

Will soziale und politische Reformen einführen: Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez. Bild: AP/AP

Pedro Sánchez gewinnt Wahl in Spanien – warum er jedoch kaum Grund zum Jubel hat



Mit ihrem besten Stimmenergebnis seit elf Jahren haben die Sozialisten unter Ministerpräsident Pedro Sánchez die Parlamentswahl in Spanien klar gewonnen.

Jedoch gibt es für die Sozialisten vorerst nur wenig Grund zum Jubel:

epa07533462 Spanish Prime Minister and Secretary General of Spanish Socialist Workers' Party (PSOE), Pedro Sanchez, casts his vote during general elections at a polling station in the location of Pozuelo de Alarcon, Madrid, Spain, 28 April 2019. Nearly 36.9 million people are called to vote in the Spanish elections to choose the 350 seats that conform the Lower Chamber and the 208 seats of the Upper Chamber for the next legislature.  EPA/J.J. GUILLEN

Pedro Sánchez bei der Stimmabgabe am Sonntag. Bild: EPA/EFE

Besseres Resultat als 2016

Sánchez ist seit Juni 2018 im Amt. Damals stürzte er seinen konservativen Vorgänger Mariano Rajoy per Misstrauensvotum. Die Neuwahl rief er im Februar aus, da die katalanischen Separatisten seiner Minderheitsregierung bei der Abstimmung über den Etatentwurf die Unterstützung entzogen hatten. Bei der vorigen Wahl hatte die PSOE unter Sánchez 22,6 Prozent der Stimmen geholt.

Die konservative Volkspartei PP landete bei der Neuwahl hinter den Sozialisten auf Platz zwei mit 16,7 Prozent - allerdings halbiert sie damit ihr Ergebnis von 2016 und muss überraschend das schlechteste Resultat ihrer Geschichte einstecken. Inwieweit sich das direkt auf den Triumph der Rechtspopulisten zurückführen lässt, war zunächst unklar. Die Zukunft des 38-jährigen Parteichefs Pablo Casado ist ungewiss.

Die liberale Partei Ciudadanos erzielte 15,8 Prozent, das Linksbündnis Unidas Podemos 14,3 Prozent und die Partei Vox 10,3 Prozent. Damit zieht die Bewegung, die von spanischen Medien teilweise als rechtsextrem eingestuft wird, mit einer starken Fraktion ins Nationalparlament in Madrid ein. Noch 2016 hatte Vox lediglich 0,2 Prozent der Stimmen bekommen.

Ungarn und Italien als Vorbilder

«Wir sind hier, um zu bleiben. Das ist erst der Anfang!», rief Vox-Chef Santiago Abascal am späten Abend einer jubelnden Menschenmenge in der Hauptstadt zu. Die mit Parolen wie «Spanien den Spaniern!» angetretene Partei steht für politischen Autoritarismus, hat viele Anhänger des früheren Diktators Franco in ihren Reihen und nimmt sich die Regierungen in Ungarn und Italien zum Vorbild.

Vox-Politiker kündigten im Wahlkampf an, man wolle kritische TV-Sender schliessen und Regeln zum Frauen- und Umweltschutz lockern. Das meiste Kapital schlug die Partei aber aus dem aufkeimenden Nationalismus infolge des Katalonien-Konflikts und aus der Zunahme illegaler Einwanderung, der sie einen Riegel vorschieben will.

Für die Regierungsbildung sind nun mehrere Szenarien denkbar. Die möglichen Koalitionspartner PSOE und Podemos kommen zusammen auf 165 Abgeordnete. Damit fehlen dem linken Lager zur absoluten Mehrheit elf Sitze. Um Ministerpräsident zu bleiben, müsste sich Sánchez folglich wohl nicht nur mit Unidas Podemos einig werden, sondern auch mit kleineren Regionalparteien in schwierige Gespräche treten.

Hohe Wahlbeteiligung

«Wir werden daran arbeiten, die Bildung einer linken Regierungskoalition zu erreichen, aber davor müssen wir über vieles reden, über sehr vieles», sagte Unidas-Podemos-Chef Pablo Iglesias. Den Parteien des rechten Spektrums (PP, Ciudadanos und Vox) fehlen zusammen sogar 29 Sitze zur Regierungsmehrheit.

epa07533877 People queue to vote at a polling station during general elections in Barcelona, Spain, 28 April 2019. Nearly 36.9 million people are called to vote in the third general elections in four years with the results of polls showing Spanish Prime Minister, Pedro Sanchez, as the winer of the most votes but not enough to get a majority to form a government on his own.  EPA/Alejandro García

Lange Schlangen vor den Wahllokalen. Hier in Barcelona. Bild: EPA/EFE

Spaniens politische Landschaft ist in den vergangenen Jahren zunehmend zersplittert. Gab es bis 2015 de facto ein Zweiparteiensystem aus PSOE und konservativer PP, sind seitdem zahlreiche neue Gruppierungen entstanden oder erstarkt. Seitdem herrschen in Spanien instabile politische Verhältnisse – die durch den Ausgang der Wahl vom Sonntag fortdauern könnten.

Die Wahlbeteiligung am Sonntag erreichte mit rund 75 Prozent einen der höchsten Werte in der Geschichte der spanischen Demokratie. Bei der Abstimmung im Juni 2016 waren es neun Prozentpunkte weniger gewesen.

Bei der Parlamentswahl wurden auch fünf inhaftierte Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gewählt, denen derzeit in Madrid der Prozess gemacht wird. Der frühere katalanische Vize-Regionalpräsident Oriol Junqueras gewann am Sonntag ein Abgeordnetenmandat für die Republikanische Linke Kataloniens (ERC).

Illegales Referendum

Der mit ihm angeklagte Raul Romeva gewann für dieselbe Partei einen Sitz im Senat. Ebenfalls ins Parlament gewählt wurden Jordi Sanchez, Jordi Turull und Josep Rull von der Partei Gemeinsam für Katalonien von Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont.

Junqueras ist der Hauptangeklagte im Prozess gegen insgesamt zwölf katalanische Unabhängigkeitsführer in Madrid. Ihnen wird vorgeworfen, im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert zu haben. Der damalige Regionalpräsident Puigdemont erklärte im Anschluss die Loslösung Kataloniens von Spanien. (sar/mlu/sda/dpa/afp)

49 Bilder aus aller Welt von 49 Frauen in 49 Berufen

Mallorca ergreift Massnahmen gegen die «Sauftouristen»

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

5 Antworten zu den geheimen Tapes zu Salvinis Parteispenden-Deal mit dem Kreml

Link zum Artikel

Warum wir aufhören müssen, uns selbst auszubeuten

Link zum Artikel

Wenn Kantonswappen ehrlich wären – die komplette Edition

Link zum Artikel

5 Dinge, die verzweifelte Singles tun – und unbedingt lassen sollten

Link zum Artikel

Hast du in Zürich einen Verrückten ins Wasser springen sehen? Wir wissen nun, wer es war

Link zum Artikel

9 absolut clevere Wege, wie Rechtsradikalen und Neonazis schon die Stirn geboten wurde

Link zum Artikel

Dieser Fotograf zeigt Hochzeiten – so wie sie wirklich sind

Link zum Artikel

Trump, Clinton, der Sex-Milliardär – und die Verschwörungstheoretiker

Link zum Artikel

Warum dieser NZZ-Artikel für einen Shitstorm sorgte – und er von Maassen retweetet wurde

Link zum Artikel

BBC-Moderator berichtet über Patrouille-Suisse-Fail – und lacht sich schlapp 😂

Link zum Artikel

Stell dir vor, die App einer Sportliga fordert per Push plötzlich 6000 Dollar von dir ...

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

19
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elalbi 30.04.2019 11:43
    Highlight Highlight Die regionalen Parteien halten durch ihre überproportionale Gewichtung (die für national vetretene Parteien 3% Hürde gilt für sie nicht) eine Schlüsselposition inne.
    Bsp. PACMA (national vertetene Partei die sich für den Tierschutz einsetzt im Vergleich zu regionalen Parteien.
    PACMA: 330.000 Stimmen = 0 Parlametssitze
    CC (kanarische Regionalp. 137.000 St. = 2 P.Sitze
    BILDU (polit. Arm Eta's) 260.000 St. = 4 P.Sitze
    JxCat (Puigdemont) 130.000 St. = 7
    Ein zentral geführter Staat verhält sich anders
  • Mario Kesselring 29.04.2019 12:08
    Highlight Highlight Noch Fragen bezüglich Catalunya?
    Benutzer Bild
    • Juliet Bravo 29.04.2019 14:02
      Highlight Highlight Gelb sind die Linken Republikaner, oder? Also Mario: Es lebe(n) die Republik(en)!
    • Mario Kesselring 29.04.2019 14:15
      Highlight Highlight Absolut für die Republik. Für die spanische wie dei katalanische und die baskische. Im Baskenland 0 PP, 0 ciudadanos, 0 vox. In catalunya 1 PP, 1 Vox und 5 ciudadanos von 48
    • Juliet Bravo 29.04.2019 17:37
      Highlight Highlight Und die PSOE?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Glücksbringer 29.04.2019 08:37
    Highlight Highlight Pablo Fra-Casado
  • Röleböle 29.04.2019 00:52
    Highlight Highlight vielleicht können sich die psoe und die ciudadanos mal zusammen nehmen und eine qualition bilden. das würde glaubs spanien schon etwas helfen!
    • Glücksbringer 29.04.2019 07:27
      Highlight Highlight Ciudadanos ist -nach Vox- vom schlimmsten, was Spanien gesehen hat.
    • Röleböle 29.04.2019 08:36
      Highlight Highlight dann hast du sicher das parzeiprogramm gelesen, damit du diese funfierte aussage geben kannst!?
      wo liegt dein problem mit c's?
    • Röleböle 29.04.2019 08:37
      Highlight Highlight pp, muss in demfall für dich richtig gut sein??!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Juliet Bravo 28.04.2019 22:21
    Highlight Highlight Ich weiss schon, dass er damit wenig Chancen hätte. Aber trotzdem: Spanien sollte eine Republik werden! Vorwärts Pedro Sanchez!
    • Juliet Bravo 28.04.2019 23:26
      Highlight Highlight *wieder eine Republik werden

      Benutzer Bild

Warum sich US-Präsidentschaftskandidatin Harris für ihre Hautfarbe rechtfertigen muss

Der demokratischen Senatorin Kamala Harris wird ihre Herkunft vorgeworfen. Die Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners sei nicht afroamerikanisch genug.

Kamala Harris schien nicht überrascht, als sie kürzlich in einer New Yorker Radiosendung mit einem hässlichen Gerücht konfrontiert wurde. Ob sie denn eigentlich Afroamerikanerin und «schwarz genug» sei, wollte ein Moderator des Programmes «The Breakfast Club», das sich an ein afroamerikanisches Zielpublikum richtet, von der demokratischen Präsidentschaftskandidatin wissen.

Harris antwortete leicht resigniert: «Schau, das ist das Gleiche, dass sie bereits mit Barack gemacht haben», dem ersten …

Artikel lesen
Link zum Artikel