Nach stillen Hilferufen: Australien gewährt 5 iranischen Fussballerinnen Asyl
Dieser Entscheid sei aufgrund von Befürchtungen erfolgt, dass diese Spielerinnen bei ihrer Rückkehr verfolgt werden könnten, teilte Innenminister Tony Burke am Dienstag mit. Sie könnten in Australien bleiben, hier seien sie in Sicherheit und sollten sich wie zu Hause fühlen. Die fünf Spielerinnen hatten das Teamhotel zuvor verlassen und sich in die Obhut der australischen Polizei begeben.
Burke berichtete, die Fussballerinnen hätten in den frühen Morgenstunden an einem geheim gehaltenen Ort in Brisbane mit dem beliebten australischen Schlachtruf «Aussie, Aussie, Aussie» gefeiert, nachdem ihnen die Entscheidung der Regierung mitgeteilt worden war. Auf einem symbolträchtigen Foto waren die Frauen ohne Kopftuch an Burkes Seite zu sehen:
Auch Ministerpräsident Anthony Albanese erklärte, viele Australier seien vom Schicksal der Spielerinnen bewegt gewesen. «Sie sind hier sicher und sollen sich willkommen fühlen», betonte er vor Journalisten. Auch weitere Teammitglieder ermutigte er, Asyl zu beantragen, falls sie das wollten – «wohl wissend, dass es sich um eine sehr heikle Situation handelt und die Entscheidung bei ihnen liegt.» Die Hilfe seiner Regierung stehe aber bereit. Wann der Rest des Teams nach Hause fliegen soll, ist noch unklar.
Die Situation der iranischen Fussballerinnen sorgte für Aufregung, nachdem diese bei ihrem ersten Gruppenspiel der Asienmeisterschaft gegen Südkorea – nur zwei Tage nach Beginn des Krieges, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten – während der Hymne still da standen und nicht sangen. Das demonstrative Schweigen bei der Nationalhymne gilt bei iranischen Sportlern sei Jahren als Zeichen, um Distanz zum islamistischen Regime in Teheran zu signalisieren.
Bei den folgenden Begegnungen sangen die Fussballerinnen dann mit – mutmasslich bereits unter Androhung von Konsequenzen aus Teheran. Das Verhalten wurde dort als Akt der Rebellion interpretiert, ein Moderator des staatlichen Fernsehens bezeichnete die Spielerinnen als «Verräterinnen in Kriegszeiten», die «höchste Schande» verkörperten.
Menschenrechtsorganisationen warnten in der Folge davor, dass den Spielerinnen bei einer Rückkehr nach Iran Verfolgung und Strafen drohen würden. Für Aufsehen sorgte auch, dass die Spielerinnen bei einer Abreise mit dem Mannschaftsbus Demonstranten das internationale Handzeichen für den Ruf nach Hilfe zeigten (watson berichtete).
Mehrere Aktivistengruppen versuchten während der Asienmeisterschaft, Kontakt zu den Spielerinnen aufzunehmen, sind jedoch dabei stets abgewiesen worden. Es scheint daher naheliegend, dass die Fussballerinnen auch in Australien unter scharfer Beobachtung und Kontrolle standen.
Der in Melbourne arbeitende iranische Journalist Masoud Zoohori berichtete von vormaligen Kontakten zu Spielerinnen, welche ihm gesagt hätten, dass sie sich «wie im Gefängnis» fühlten und isoliert werden. Kontakte zur Aussenwelt oder zu ihren Angehörigen seien nicht erlaubt.
Zoohori gab an, er gehe davon aus, dass die Spielerinnen von mindestens einer Person, die den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) angehöre oder enge Verbindungen zu diesen habe, überwacht würden. Die IRGC gelten in Australien als Terrororganisation, Personen mit Verbindungen zu ihr erhalten kein Visum oder werden bei Bekanntwerden solcher ausgewiesen.
Auch US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor eingeschaltet und Australien aufgefordert, den Spielerinnen Asyl zu gewähren. Sollte das Land dies nicht tun, seien die USA bereit, die Frauen aufzunehmen. Der australische Innenminister Tony Burke sagte nun, die Regierung habe zunächst bewusst nicht öffentlich über ihre Hilfsbemühungen gesprochen, um die Sicherheit der Spielerinnen nicht zu gefährden. «Diese Frauen sind grossartige Sportlerinnen und grossartige Menschen – sie werden sich in Australien sehr zu Hause fühlen», sagte er.
(con/sda/dpa)
