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Hersh verteidigt auf «CNN» seinen Bericht.

Sagt Obama doch die Wahrheit? Massive Zweifel am Enthüllungsbericht über Osama bin Ladens Tod



Das Weisse Haus hat gelogen: Die Tötung des Terrorfürsten Osama bin Laden spielte sich ganz anders ab als in der Version der US-Regierung. Diesen Vorwurf erhebt der Starjournalist Seymour M. Hersh in einem neuen Bericht. Nun werden daran ernstzunehmende Zweifel laut.

Der Terrorexperte Peter Bergen bezeichnet Hershs Bericht in einem Meinungsstück auf cnn.com als einen «Haufen Unsinn». Das Urteil kommt nicht von irgendjemandem: Bergen war 1997 der erste westliche Journalist, der Osama bin Laden interviewte. Für sein 2001 erschienenes Buch «Die Jagd auf Osama bin Laden» befasste er sich intensiv mit der lange vergeblichen Suche nach dem Al-Kaida-Anführer.

Ausserdem war Bergen nach eigenen Angaben der einzige Aussenstehende, der Osamas Anwesen in Abbottabad besichtigen konnte, bevor es vom pakistanischen Militär zerstört wurde.

Peter Bergen, CNN's terrorism analyst and author of Holy War, Inc.: Inside the Secret World of Bin Laden answers questions at the Third Army/U.S. Army Central quarterly command professional development program Oct. 26.  Bergen spoke to the command's Soldiers on terrosim and how it continues to shape the ARCENT area of responsibility.  In 1997, as a producer for CNN, Bergen produced bin Laden's first television interview.

Terrorexperte Peter Bergen widerspricht. Bild: Creative Commons

Im Einzelnen stellt Bergen folgende vier Punkte von Hershs Bericht in Frage:

1. Die einzigen Schüsse, die abgefeuert wurden, waren die auf bin Laden

Peter Bergen beruft sich auf Matt Bissonnette und Robert O'Neill, zwei US-Elitesoldaten, die bei der Mission dabei waren. Beide gaben öffentlich zu Protokoll, dass in dieser Nacht mehrere Menschen getötet wurden, darunter beide Leibwächter bin Ladens, einer seiner Söhne sowie die Ehefrau eines Leibwächters.

Bei seinem Besuch in Abbottabad habe Bergen mit eigenen Augen Beweise für mehrere Feuergefechte gesehen: beschädigte Gebäude, Einschusslöcher in den Wänden, überall Glassplitter.

Rob O'Neill, who was on the Navy SEAL 6 team that rescued Capt. Phillips from pirates and had his role featured in the movie Captain Phillips (2013), is shown in Butte, Montana December 20, 2013. The Washington Post published a story on Thursday quoting Rob O'Neill, a former SEAL, as claiming to have fired the fatal shot that hit bin Laden in the forehead after O'Neill stormed into a room in bin Laden's house in Abbottabad. Picture taken on December 20, 2013.  REUTERS/Walter Hinick/The Montana Standard  (UNITED STATES - Tags: MILITARY PROFILE) MANDATORY CREDIT

Navy SEAL Robert O’Neill gilt als Todesschütze von bin Laden. Bild: AFP

2. Saudi-Arabien hat die Lebenskosten bin Ladens bezahlt

Bin Laden wollte die saudische Königsfamilie stürzen und verlor deshalb 1994 seine Staatsbürgerschaft. Dass Saudi-Arabien danach finanziell für seinen schlimmsten Feind aufgekommen sein soll, bezeichnet Bergen als «lachhaft».

3. Pakistan wusste von bin Laden, hielt das aber vor den USA geheim

Falls Pakistan den Terrorfürsten wirklich in Gefangenschaft hielt und die USA davon Wind bekommen haben, hätte es für beide Länder einen einfacheren Weg gegeben als eine Militäraktion, schreibt Bergen: eine Auslieferung bin Ladens an die USA.

Das habe Pakistan schon bei anderen Al-Kaida-Führungsfiguren getan: Chalid Scheich Mohammed, der Chefplaner der 9/11-Anschläge, und Abu Faradsch al-Libi, eines der ranghöchsten Mitglieder der Terrororganisation, wurden beide an die USA ausgehändigt.

Die pakistanische Regierung sei genauso überrascht über bin Ladens Aufenthaltsort gewesen wie der Rest der Welt – dies belegt die abgefangene Kommunikation hochrangiger pakistanischer Militär-Offiziere in der Nacht der Tötung, so Bergen.

4. Die USA vertuschen, dass Pakistan bin Laden jahrelang versteckt hielt

Pakistan soll bei der Tötungsmission kooperiert haben – als Gegenleistung würden die USA der Welt nicht verraten, dass Pakistan Osama bin Laden jahrelang beherbergt hat, schreibt Hersh. 

«Es gab für die USA keinen Grund, so etwas zu vertuschen», findet Bergen. Sie hätten nichts zu verlieren gehabt. Zum Zeitpunkt der Mission seien die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder auf einem Tiefpunkt gewesen, weil Pakistan einen CIA-Agenten wegen der Tötung zweier Menschen inhaftiert hatte.

Ist der Bericht ein Plagiat?

Ärger droht Seymour Hersh auch von anderer Seite. Eine Bloggerin stützt zwar seine Version – beschuldigt den Journalisten aber, bei ihr abgeschrieben zu haben. R.J. Hillhouse, die in ihrem Blog «The Spy Who Billd Me» die nationale Sicherheit der USA thematisiert, habe über all die wichtigsten Punkte schon 2011 berichtet, schreibt sie.

Tatsächlich tauchen in dem Blogeintrag vom 7. August 2011, wenige Monate nach bin Ladens Tod, die wichtigsten Vorwürfe Hershs schon auf: 

Hillhouse hält an ihrer Version fest: «Ich vertraue meinen Quellen, und es waren andere als Hershs», schreibt sie. «Ich bin jedoch tief enttäuscht, dass er derjenigen, die die Story als erstes publizierte, nicht Anerkennung zollt.» (rey)

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