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Tunis-Attentat: Der angebliche «dritte Mann» ist gar kein Terrorist, sondern bloss ein «netter junger Mann, der schlecht italienisch spricht»



Ein junger Marokkaner, der in Italien als mutmasslicher Attentäter des Anschlags auf ein Museum in Tunis festgenommen worden war, ist nach Ansicht der Ermittler unschuldig. Der Fall könnte sich noch als Bumerang für die italienische Regierung erweisen.

«Ich habe nichts getan, ich begreife nicht, warum ich in Haft bin», sagt der Verhaftete – «Wir haben den Marokkaner aufgrund eines internationalen Haftbefehls der tunesischen Justizbehörden festgenommen», sagt die italienische Polizei

Die ermittelnden Mailänder Staatsanwälte stellten aufgrund von Zeugenaussagen fest, dass der 22-Jährige am 18. März – am Tag des Anschlags in Tunis mit 24 Toten – in Mailand war und an einem Italienisch-Unterricht teilnahm. Dies bestätigten sowohl sein Bruder, als auch eine Lehrerin.

«Ich glaube absolut nicht, dass er ein Terrorist ist», berichtete seine Lehrerin. «Er hatte nicht einmal einen Euro in der Tasche. Er war stets auf der Suche nach kleinen Jobs. Er ist ein netter junger Mann, der sehr schlecht Italienisch spricht.»

Der Festgenommene befindet sich in einer Einzelzelle in einem Gefängnis in Mailand und beteuerte seine Unschuld. «Ich habe nichts getan, ich begreife nicht, warum ich in Haft bin», wurde er von italienischen Medien zitiert.

Alfano verweist auf Haftbefehl

Die Festnahme des Mannes wegen des Verdachts, an der Vorbereitung des Attentats auf das Bardo-Museum in Tunis beteiligt gewesen zu sein, hatte Italiens Innenminister Angelino Alfano am Mittwoch als grossen Erfolg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gefeiert. Nun wächst der Verdacht, dass der Verdächtige als Unschuldiger festgenommen worden sei.

«Wir haben den Marokkaner aufgrund eines internationalen Haftbefehls der tunesischen Justizbehörden festgenommen», rechtfertigte sich Alfano am Freitag. Die Ermittlungen hätte die Justiz in Tunesien geführt.

Man müsse noch abklären, wo sich der Verdächtige nach seiner Ankunft in Italien zusammen mit anderen Flüchtlingen am 17. Februar bis zum Tag des Anschlags aufgehalten habe. Bei seiner Ankunft auf Sizilien habe der Marokkaner eine falsche Identität angegeben.

«Damals galt er jedoch nicht als gefährlich für die internationale Sicherheit », sagte Alfano. Erst nach dem Anschlag in Tunis sei ein internationaler Haftbefehl gegen ihn erlassen worden.

Dem Verdächtigen werden Mord, Entführung und Terrorismus vorgeworfen. Nachdem er illegal nach Italien eingereist war, lebte er mit seiner Mutter und zwei Brüdern nahe Mailand. Die Angehörigen halten sich laut Polizei rechtmässig in Italien auf. (wst/sda/apa)

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