Weniger Anschläge, mehr radikale Kids: Das neue Gesicht des globalen Terrors
Wer die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate verfolgt hat, könnte meinen, die Welt versinke im Chaos. Das ist nicht falsch, doch es gibt auch Lichtblicke: So zeichnet der Global Terrorism Index 2026 (GTI) des Institute for Economics & Peace (IEP) ein überraschendes Bild.
Im Jahr 2025 verzeichnete der Index, der in diesem Jahr zum 13. Mal eine umfassende Analyse der globalen Terror-Trends liefert, nämlich einen deutlichen Rückgang des weltweiten Terrors.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
- Die durch Terrorismus verursachten Todesfälle sanken um 28 Prozent auf 5582 Opfer. Es ist der tiefste Wert der letzten 14 Jahre.
- Die Anzahl der Terrorismus-Anschläge ging um fast 22 Prozent auf 2944 Vorfälle zurück.
- 81 Länder konnten ihre Terrorismus-Situation im Vergleich zum Vorjahr verbessern, in 19 Staaten verschlechterte sie sich.
Doch die Entwarnung hat Grenzen. Während der Terror weltweit abnimmt, konzentriert er sich geografisch immer stärker. Fast 70 Prozent aller Todesfälle ereigneten sich in nur fünf Ländern: Pakistan, Burkina Faso, Nigeria, Niger und der Demokratischen Republik Kongo. Pakistan hat dabei Burkina Faso als das am stärksten von Terrorismus betroffene Land der Welt abgelöst.
Die tödlichsten Terrorgruppen 2025 waren der Islamische Staat (IS), JNIM (Westafrika & Maghreb), die TTP (Pakistan) und al-Shabaab (Somalia). Einzig bei der TTP stiegen die Opferzahlen im Vergleich zum Vorjahr an.
Trendwende im Westen: Die Rückkehr der Gewalt
Während die globale Terrorismus-Kurve leicht nach unten zeigt, erleben westliche Länder eine gegensätzliche Entwicklung. Die Zahl der Todesopfer stieg hier um satte 280 Prozent auf 57 Verstorbene an. Massenanschläge wie die LKW-Attacke in New Orleans oder das Attentat am Bondi Beach in Australien (das tödlichste in der Geschichte des Landes) prägten das Jahr 2025.
Besonders auffällig: Der Terror wird politischer. In den USA waren viele Anschläge ideologisch motiviert, was gemäss den Studien-Autoren die tiefe Spaltung der Gesellschaft widerspiegelt.
Das neue Gesicht des Terrors: Jung, einsam, radikalisiert
Eines der alarmierendsten Ergebnisse des Berichts betrifft die nächste Generation. Die Radikalisierung von Jugendlichen hat sich zu einer der dringendsten Sicherheitsfragen im Westen entwickelt.
- Jugendliche und Minderjährige machten 2025 rund 42 Prozent aller Terror-Ermittlungen in Europa und Nordamerika aus – eine Verdreifachung seit 2021.
- Früher dauerte der Weg in den Extremismus Monate oder Jahre, heute reichen oft wenige Wochen. Begünstigt wird dies durch Kurzvideo-Propaganda auf Social Media und Algorithmen, die gezielt psychologische Schwachstellen ausnutzen.
- Im Westen sind soziale Isolation und Entfremdung die Hauptgründe, warum Teenager in extremistische Kreise abdriften.
Positiv ist immerhin: Anschläge von Minderjährigen werden deutlich häufiger vereitelt. Die Erfolgsquote der Sicherheitsbehörden liegt hier bei 97 Prozent, da die Planung oft weniger professionell ist als bei Erwachsenen.
Die Tat muss darauf abzielen, durch Furcht oder Einschüchterung eine grössere Botschaft zu senden, die über das unmittelbare Opfer hinausgeht. Rein kriminelle Gewalt ohne ideologische Motivation zählt nicht dazu.
Die Schweiz eine Insel der Seligen?
Die Schweiz steht im globalen Terrorismus-Ranking auf Rang 67 von 163 untersuchten Ländern. Damit gehört sie weiterhin zu den Ländern mit sehr tiefen Terrorismus-Auswirkungen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Schweiz sogar um 13 Plätze verbessert.
Mit einem GTI-Score von 0,749 liegt die Schweiz in einer ähnlichen Kategorie wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Norwegen. Während Nachbarländer wie Deutschland (Platz 29), Frankreich (Platz 35) oder Österreich (Platz 51) deutlich stärker betroffen sind oder höhere Risikowerte aufweisen, bleibt die Schweiz stabil in der Gruppe der sichersten Länder.
Dennoch mahnen Experten zur Wachsamkeit: Auch wenn die Schweiz aktuell kaum direkt von Anschlägen betroffen ist, ist sie Teil des europäischen Raums, in dem die Online-Radikalisierung von Jugendlichen keine Grenzen kennt.
Die Ruhe vor dem Sturm?
Trotz der positiven globalen Zahlen sind die Autoren des Berichts für 2026 besorgt. Die geopolitische Lage hat sich durch neue Konflikte (etwa zwischen Pakistan und Afghanistan oder die Eskalationen im Nahen Osten) verschärft. Zudem verlagern Terrorgruppen ihre Aktivitäten zunehmend in Grenzregionen, wo eine staatliche Kontrolle fehlt.
Der Terrorismus der Zukunft wird laut den Studien-Machern weniger durch grosse Organisationen, sondern durch «einsame Wölfe» und radikalisierte Jugendliche geprägt sein, die in ihren Kinderzimmern vor dem Smartphone den Weg in den Extremismus finden
