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epa07446537 Emergency services and police forces at the scene where a shooting took place at the 24 Oktoberplace in Utrecht, The Netherlands, 18 March 2019. According to the the Dutch Police, several people have been injured in a shooting on a tram in the central Dutch city of Utrecht.  EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Bild: EPA/ANP

Terror oder Beziehungstat? Was zur Schiesserei in Utrecht bekannt ist (und was nicht)



Was ist passiert?

Ein 37-jähriger Mann soll in einer Strassenbahn in der niederländischen Grossstadt Utrecht am Montagmorgen drei Menschen erschossen haben. Fünf weitere Fahrgäste wurden verletzt.

Drei von ihnen befanden sich in kritischem Zustand. Am Abend wurde der Hauptverdächtige bei einer Wohnungsdurchsuchung in Utrecht festgenommen. Bei ihm handelt es sich um den gebürtigen Türken Gökmen Tanis.

Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse gegen 10.45 Uhr. Der Vorfall ereignete sich im Westen der Stadt, etwa ein Kilometer entfernt von der Altstadt. Utrecht hat etwa 350'000 Einwohner und ist die viertgrösste der Niederlande.

Wer ist der Täter?

Tanis ist polizeibekannt. «Wir wissen relativ viel über ihn», sagte Jeuken vom Innenministerium. Der mutmassliche Täter hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mords verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

Hat er ein Motiv?

«Ein schwarzer Tag für unsere Stadt», sagte Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen.

Über das Motiv des Täters wurde gerätselt. Die Polizei hält einen Terrorakt, aber auch eine Beziehungstat für möglich. Zunächst hatte Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen in einer Videobotschaft gesagt: «Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus.» Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einem «Anschlag».

Von Zeugen gab es unterschiedliche Hinweise zu der Tat. Augenzeuge Daan Molenaar erklärte im NOS Radio, nach seinem Eindruck habe es der Täter gezielt auf eine Frau abgesehen gehabt. Andere Zeugen wollen dagegen gehört haben, dass vier Männer «Allahu Akbar» (Gott ist gross) bei der Tat gerufen hätten, wie die Amsterdamer Zeitung «Het Parool» berichtete. Eine Sprecherin der Polizei Utrecht sagte: «Das können wir nicht bestätigen.»

Schiesserei in Utrecht

Am Nachmittag sagte dann Polizeisprecher Bernard Jens dem niederländischen NOS Rundfunk: «Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist.» Rutker Jeuken vom Innenministerium sagte am Abend: «Im Augenblick denken wir, dass es terroristisches Motiv sein könnte, aber wir können auch anderes nicht ausschliessen.»

Die Hinweise auf eine mögliche Beziehungstat mehrten sich aber. Nach Informationen des niederländischen Fernsehens vernahm die Polizei den Bruder des 37-Jährigen, ohne dass zunächst Details bekannt wurden.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von Tanis, dass er in der Strassenbahn auf eine Frau wegen einer Familienangelegenheit geschossen habe. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollen.

Gibt es weitere Verdächtige?

Nach der Tat wurde nach Angaben der Polizei ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv.

Am Montagabend wurde ein dritter Verdächtiger in Gewahrsam genommen. Weitere Informationen liegen noch nicht vor.

Wie reagierten die Behörden?

Nach dem Angriff hatte die zuständige Behörde bereits die höchste Terrorwarnstufe für die Provinz ausgerufen, später aber herabgestuft. Rutte sagte: «Wir werden nie vor Intoleranz weichen.» Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen.

epa07447071 A car is found in the Tichelaarslaan in Utrecht, The Netherlands, 18 March 2019. Three people have been confirmed dead an several injured in a shooting on a tram in the central Dutch city of Utrecht. The perpetrator is still at large.  EPA/ROBIN UTRECHT

Bild: EPA/ANP

Die niederländische Polizei veröffentlichte auch Fotos des verdächtigen Mannes aus dem Tram. Darüber hinaus entdeckte die Polizei ein nach dem Anschlag gesuchtes, rotes Fahrzeug. Zuvor hatte es geheissen, es würden Berichte geprüft, wonach ein Verdächtiger mit einem roten Auto geflohen sein soll.

Es gab mehrere Wohnungsdurchsuchungen. Die Menschen wurden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben, später gab es Entwarnung.

epa07272914 Geert Wilders talks with journalists after the ruling in the extra secure court at Schiphol Airport, The Netherlands, 10 January 2019. The court ruled that the trial against Wilders for his statements on Moroccans in The Hague while campaigning in 2014 can be continued.  EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Geert Wilders Bild: EPA/ANP

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ging ebenfalls von einem Terrorakt aus. Wilders sagte im niederländischen Fernsehen, es sehe nach einem «Terroranschlag mit unschuldigen Opfern» aus. (vom/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Magnum 19.03.2019 11:32
    Highlight Highlight Bei Wilders ist klar: Wenn der Täter einen Migrationshintergrund hat, ist es ein Terrorist. Und irgendwelche Scham, um aus Trägodien politisches Kapital zu schlagen, kennt dieser unsägliche Demagoge ohnehin nicht.
    Dass der Ministerpräsident Rutte den gleichen Fehler gemacht und von Anfang an von einem Anschlag gesprochen hat, ist weit bedenklicher. Hier zeigt sich, wie weit das Gift der Fremdenhasser schon in die bürgerliche Mitte getragen wurde.
    • Oxymora 19.03.2019 13:29
      Highlight Highlight Vielleicht nannte er ihn auch Terrorist,
      weil er Menschen in der Strassenbahn hingerichtet hat.
  • WEBOLA 19.03.2019 06:55
    Highlight Highlight Hey ihr Lieben. Das ganze ist schlimm, traurig und so - das verstehe ich. Aber könntet ihr bitte an den Verhaltenskodex für Journalisten von Tills Forscherkollgen halten? D.h. über Terroranschläge vielleicht etwas nüchterner berichten wie bei Suizidfällen (bitte)?
    Stichwort: Werther-Effekt
  • wintergrün 19.03.2019 06:35
    Highlight Highlight Wo ist eigentlich der große Unterschied ob der Täter seine Frau oder Freundin in der Beziehung terrorisiert oder die Öffentlichkeit?
    Der Artikel unten beschäftigt sich mit den offensichtlich Gemeinsamkeiten:

    https://www.google.ch/amp/s/amp.theguardian.com/commentisfree/2018/oct/29/lone-wolf-terrorists-and-domestic-violence-its-time-to-start-joining-the-dots

    Gewalttaten sollten konsequent richtig benannt und damit auch verfolgt werden, von Anfang an.
    Medien die Beziehungstaten oder Beziehungsdramen statt Mord und Terror schreiben verharmlosen.

    • Saraina 19.03.2019 07:51
      Highlight Highlight Es besteht halt einfach ein klarer Unterschied, ob jemand tötet weil er politische Absichten verfolgt, oder weil er seine Ex oder Familie terrorisiert. Es besteht auchbein Unterschied zwischen Mord und z.B. Totschlag. Die juristische Kategorie ist schon die richtige.

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Terror
    • AdiB 19.03.2019 08:00
      Highlight Highlight Ein terrorakt ist politisch motiviert ein beziehungsdrama nicht. Wenn medien jedes beziehungsdrama als terrorakt abstempeln dann hätten wir in der schweiz fast jeden monat einen terrorakt.

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