Im Osten der Ukraine dauern die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Bachmut im Gebiet Donezk an. Russische Streitkräfte konnten am Donnerstag offenbar nordwestlich von Bachmut vordringen. Das geht aus einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) hervor. Die Einkreisung der seit Monaten umkämpften Stadt durch russische Streitkräfte könnte kurz bevorstehen.
Der Chef der Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, habe dem ISW zufolge behauptet, seine Söldner, grösstenteils aus russischen Gefängnissen rekrutierte Männer, hätten Dubovo-Vasylivka vollständig eingenommen. Das Dorf liegt sechs Kilometer nordwestlich von Bachmut. Laut ISW liege Filmmaterial vor, dass auf eine Authentizität der Berichte hinweise. In der Region versuche Russland derzeit mit anhaltenden Angriffen, die Stadt einzunehmen.
Der ukrainische Generalstab berichtete dem ISW zufolge, dass mindestens 30 Prozent der russischen Angriffe in der Ukraine am 8. März nordwestlich Bachmuts durchgeführt wurden. Nachdem es seit dem 1. März einige Tage ruhiger um die Region war, scheint das russische Militär sich auf eine erneute Angriffsreihe vorzubereiten.
Von russischer Seite zerstörte Flussübergänge konnten zwischenzeitlich von ukrainischen Streitkräften wieder hergestellt werden. Die Errichtung der Brücken deutete ISW zufolge darauf hin, dass die Ukraine ihre Position um Bachmut stärken und russische Streitkräfte zurückdrängen konnte.
Das Institut gehe nun davon aus, dass russische Streitkräfte nordwestlich von Bachmut angreifen könnten. Derzeit hat das russische Militär mit Soldaten- und Munitionsmangel zu kämpfen. Putins Streitkräfte konnten daher die seit langem umkämpfte Stadt Bachmut weder einnehmen noch vollständig einkreisen. Bislang nahm die Söldnertruppe Wagner eine bedeutende Rolle in der umkämpften Stadt ein.
Die Söldnertruppe war ISW zufolge offenbar vorübergehend in eine taktische Pause gegangen, um möglicherweise auf Verstärkung russischer Streitkräfte zu warten. Seit russische Truppen am 7. März den gesamten östlichen Teil Bachmuts, östlich vom Bachmutka-Fluss, eroberten, hätte es keine Berichte über Militäroffensiven der Wagner-Truppe in der Region gegeben.
Der Sprecher des ukrainischen Armeekommandos Ost, Serhiy Cherevaty, erklärte am Donnerstag laut ISW, dass eine wachsende Zahl nicht näher bezeichneter russischer luftgestützter Verstärkungen kürzlich in Bachmut eingetroffen seien. Die Ankunft russischer Streitkräfte in der Region könnte darauf hindeuten, dass Russland beabsichtige, die Verluste der Wagner-Söldner mit neuen Truppen auszugleichen.
Bei den Angriffen auf Ost-Bachmut habe die Wagner-Gruppe dem ISW zufolge wahrscheinlich einen grossen Teil der Soldaten und Ressourcen verloren. Nach neun Monaten Frontalangriffen auf Ost-Bachmut seien die Wagner-Söldner nach Angaben des ISW nicht bereit, zu diesem Zeitpunkt in das Stadtzentrum von Bachmut, östlich des Bachmutka-Flusses vorzudringen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will Bachmut als Festung halten, um zu verhindern, dass die Russen von dort aus noch tiefer ins Landesinnere vordringen. In einem TV-Interview mit dem Nachrichtensender US-amerikanischen Nachrichtensender CNN, habe Selenskyj der US-amerikanischen Zeitung «Politico» zufolge seine Entscheidung verteidigt, ukrainische Streitkräfte in der belagerten Stadt kämpfen zu lassen.
Das sei «taktisch», denn Selenskyj sei davon überzeugt, wenn Bachmut eingenommen werde, würden weitere Städte folgen. «Sie könnten nach Kramatorsk gehen, sie könnten nach Slowjansk gehen, es wäre eine offene Strasse für die Russen nach Bachmut zu anderen Städten in der Ukraine, in Richtung Donezk», sagte Selenskyj laut «Politico». «Deshalb stehen unsere Jungs da.»
Präsident Selenskyj nannte noch einen weiteren Grund für seine Entscheidung. «Russland braucht zumindest einen Sieg – einen kleinen Sieg – selbst wenn es alles in Bachmut ruiniert und einfach jeden Zivilisten dort tötet», sagte er «Politico» zufolge. Er fügte hinzu, wenn Russland in der Lage wäre, «ihre kleine Flagge» auf die Stadt zu setzen, würde dies helfen, «ihre Gesellschaft zu mobilisieren» und sie davon zu überzeugen, dass die russische Armee «so mächtig» ist.
#freetheswissleos
Ich bin froh, darf in der sicheren CH leben und muss nicht Entscheidungen über Leben & Tod fällen.
Kriegstaktik wie im WW I, was für ein trauriger Hund.