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International
Ukraine

Putin kauft sich fast schrottreife Tanker zusammen – das steckt dahinter

epa10334136 Fishermen work next to an oil tanker in Guanabara Bay, in Niteroi, near Rio de Janeiro, Brazil, on 21 November 2022 (issued 28 November 2022). The Guanabara Bay, which bathes Rio de Janeir ...
Ein alter Öltanker vor Rio de Janeiro, Brasilien.Bild: keystone

Darum kauft sich Putin jetzt fast schrottreife Tanker zusammen

Russland scheint sich eilig alte Öltanker zu sichern, um dem Ölpreisdeckel zu entgehen. Es bedient sich dabei offenbar an einem Schattenmarkt.
05.12.2022, 02:4605.12.2022, 15:01
Ein Artikel von
t-online

Obwohl Russland öffentlich das Gegenteil beteuert, scheint sich der Kreml offenbar wegen des Ölpreisdeckels der EU und der G7-Staaten Sorgen um sein Ölgeschäft zu machen.

Nach Berichten des «Wall Street Journal» und der «Financial Times» hat sich Moskau alte Tankschiffe gesichert, um sein Öl an die verbliebenen Kunden zu bringen. Den Berichten zufolge hätten Schiffsmakler und Experten des Unternehmens Rystad Energy festgestellt, dass Moskau über mehr als 100 weitere Schiffe verfügen kann – einige davon offenbar fast schrottreif.

Sie sollen zum Teil direkt gekauft worden sein, zum Teil aber auch aus dem Iran und Venezuela verlegt worden sein – offenbar, um bestehende Sanktionen gegen diese beiden Länder zu umgehen.

Nach langem Ringen hatten die G7- und die EU-Staaten am Freitag eine Obergrenze von 60 Dollar (57 Euro) pro Barrel für russische Öllieferungen per Schiff beschlossen, um die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine zu erschweren. Moskau hatte im Vorfeld gewarnt, dass es kein Öl mehr an Länder liefern würde, die eine Obergrenze einführen. «Wir werden diesen Preisdeckel nicht akzeptieren», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Samstag russischen Nachrichtenagenturen.

Er fügte hinzu, dass Moskau sich im Vorfeld auf eine solche Obergrenze vorbereitet habe, machte dazu aber keine weiteren Angaben.

Russland muss sich nicht an diese Preisgrenze halten, wenn es an Länder wie China oder Indien liefert. Allerdings braucht es dazu Schiffe, und diese werden zum grossen Teil von westlichen Reedereien vermietet. Diese – sowie Versicherungen – dürften aber wiederum Strafen fürchten. Sie sind dazu verpflichtet, die Preisgrenze einzuhalten.

Experten sprechen dem Bericht zufolge von einer Schattenflotte, die Russland sich zusammengestellt habe. Einige der Tanker seien schon 15 Jahre alt. «Sie starten eine neue Art von Schifffahrtsmarkt, parallel zum normalen konformen Markt, in dem die meisten von uns tätig sind», sagte Lars Barstad, Geschäftsführer des Tankerbesitzers Frontline gegenüber dem «Wall Street Journal». Diese Flotte hatte ihren Beginn vor etwa zehn Jahren, als die USA die Sanktionen gegen den Iran verschärften, sagt John Smith, der einst die US-Behörde für die Kontrolle ausländischer Anlagen geleitet hat.

Nicht alle Schiffe sind im russischen Besitz. Manche werden nur vermietet, je nach Anforderungen der Kunden. Wer die tatsächlichen Eigentümer sind, ist oft unklar. Ebenso unsicher ist, ob es Versicherungen für die Schattentanker gibt. Ganz billig sind die Second-Hand-Tanker nicht. Laut Stephen Gorden, einem Schiffsmakler, sind die Preise in den vergangenen sechs Monaten um 37 Prozent gestiegen. Knapp 52 Millionen US-Dollar (etwa 51 Millionen Euro) muss man für ein 15 Jahre altes Modell hinlegen.

Die Tanker der Schattenflotte zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie den Sanktionen entgehen können. Das kann durch eine simple Neuregistrierung geschehen, mit der sie dann unter neuer Flagge unterwegs sind. Offenbar werden aber auch Sender ausgeschaltet, die die Position angeben. Ein Bericht aus den USA fand heraus, dass bisweilen Öl auch auf hoher See umgeladen wird, dass Schiffe umlackiert oder Dokumente gefälscht werden.

Siebzig Tanker, die einst iranisches oder venezolanisches Öl transportierten, seien seit der Invasion aus Russland verschifft worden, sagte Armen Azizian, Rohölanalyst bei der Schiffsverfolgungsfirma Vortex, gegenüber dem «Wall Street Journal».

Indirekt könnte Putin mit einer eigenen Tankerflotte sogar den Ölpreis stabilisieren. Denn sollte er nicht mehr in der Lage sein, seinen wichtigsten Rohstoff zu den Käufern zu bringen, dann könnte der Preis steigen, und zwar weltweit. (t-online/ wan/con)

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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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maddoxxx
05.12.2022 05:50registriert Februar 2017
Kleine Verständnisfrage für mich:

15 Jahre alte Öltanker hört sich für mich jetzt nicht wirklich alt oder nach Schrott an. Oder ist das in dieser Branche tatsächlich alles dann "uralt" und stellt auch eine Gefahr für die Umwelt dar?
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CaptainLonestarr
05.12.2022 07:22registriert Dezember 2016
Die nächste Umweltkatastrophe schaut schon um die Ecke
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Steibocktschingg
05.12.2022 07:43registriert Januar 2018
Wie lange es wohl dauert, bis mysteriöse Ölteppiche an den Stränden auftauchen?
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