Wowtschansk, eine 18'000-Einwohner-Stadt im Norden der Oblast Charkiw, rund acht Kilometer südlich der ukrainisch-russischen Grenze, steht aktuell im Zentrum der internationalen Berichterstattung. Die Stadt wird derzeit als wichtigstes Schlachtfeld der russischen Offensive im Norden wahrgenommen – genau diese Offensive scheint seit Wochen zu scheitern. Nun droht eine Katastrophe für die russische Armee.
Am Wochenende eroberten mehrere russische Bataillone die Chemiefabrik im Zentrum von Wowtschansk. Doch die Ukrainer wehrten sich: Hunderte russische Soldaten seien in ebendieser Chemiefabrik eingekesselt worden. Mindestens 30 von ihnen hätten sich am Wochenende ergeben. Die verbleibenden Soldaten hätten keine Möglichkeit zu fliehen oder sich zu verstecken, wie verschiedene internationale und ukrainische Medien schreiben.
Dafür, dass die Lage der russischen Armee in der Region Wowtschansk prekär ist, spricht auch eine Videobotschaft eines russischen Soldaten namens Anton Andrejew.
Er schildert, was er in den vergangenen Tagen erlebt hat: Seine Einheit sei inzwischen radikal dezimiert worden. Von 100 Soldaten seien nur noch zwölf am Leben gewesen, als sie in Wowtschansk unter ukrainischen Beschuss und Drohnenangriffe gerieten.
Weiter sagt er, Russland sei weit davon entfernt, Wowtschansk einzunehmen. Die knapp vierminütige Aufnahme wurde ursprünglich vom russischen Sender Astra veröffentlicht und von «The Guardian» verifiziert.
Der Russe zeichnet ein düsteres Bild, die Lage sei «katastrophal». «Man geht durch die Strasse und alles scheint in Ordnung zu sein», sagt er. Doch er erklärt weiter:
Für die russischen Kommandanten gibt es offenbar nur den Weg nach vorn: Sie treiben ihre Soldaten an, weiter vorzurücken – ohne Rücksicht auf Verluste. «Vorwärts, vorwärts, nicht stillsitzen, Sägewerk besetzen, Schützengräben besetzen», zitiert Andrejew die Befehle.
Fehlende Panzerung habe Folgen für die russischen Soldaten: «Sie zerstückeln uns einfach. Wir werden bei Tageslicht unter Maschinengewehrfeuer und Drohnen geschickt, wie Fleisch», sagt der Soldat über die Befehle seiner Vorgesetzten. Er betont nochmal:
Die Truppen, zu denen auch Andrejew gehört, sollen sich auf dem Gelände verschanzt haben. Ukrainischen Quellen zufolge handele es sich bei den Truppen um etwa 400 Soldaten. In einem Video auf X ist ein ukrainisches Militärflugzeug zu sehen, wie es mit von den USA gelieferter Munition die Anlage unter Beschuss nimmt.
🧵💥 Ukraine is in the process of annihilating around 400 Russians at an aggregate factory complex in Vovchansk with US-supplied precision-guided bombs. The Russians are surrounded from all sides and cut off from supplies. pic.twitter.com/N49dfl85Id
— Igor Sushko (@igorsushko) June 15, 2024
In den vergangenen Tagen soll der Kreml mehrere Versuche unternommen haben, den Zusammenschluss mit den umzingelten Truppen zu erkämpfen – bislang ohne Erfolg. Quellen aus der Ukraine zufolge bleibe der eingeschlossenen russischen Armee nichts anderes übrig, als sich zu ergeben – sollten sie nicht in einem Massaker sterben wollen.
Ob diese Informationen tatsächlich verlässlich sind, ist aktuell noch unklar, denn vertrauenswürdige Quellen wie etwa das Institute for the Study of War haben dies bis dato nicht bestätigt.
Klar ist indes aber, dass die Ukraine sich gegen Russland wehren kann und die Lage der russischen Armee zunehmend schwieriger wird: Die ukrainische Luftwaffe hat die russischen Gegner in Wowtschansk mit US-amerikanischen und französischen Gleitbomben ins Visier genommen. Durch diesen Angriff seien viele der vorgerückten russischen Truppen vom Nachschub an der Front in Charkiw abgeschnitten worden, das berichtet unter anderem die Kyiv Post.
Hintergrund: Wowtschansk war das erste grosse Ziel der russischen Offensive im Norden. Diese begann am 10. Mai und hatte höchstwahrscheinlich die Einnahme von Charkiw zum Ziel. Doch die grosse russische Truppe im Norden kam nie über Wowtschansk hinaus. Dies, weil mehrere ukrainische Brigaden nach Norden eilten, um den Russen entgegenzutreten. Bewaffnet mit Munition, die aus den USA geliefert worden war, kämpften die Ukrainer unerbittlich gegen die Russen und stoppten deren Vormarsch Ende Mai.
Die Ukrainer können den Russen aktuell gut standhalten, weil im Westen ein Umdenken bezüglich der Waffenlieferungen in die Ukraine stattgefunden hat.
Die Waffenhilfe wurde kürzlich wieder deutlich angekurbelt: Erst gaben die USA nach einem monatelangen Haushaltsstreit ein Milliarden-Hilfspaket frei. Anschliessend zogen andere Länder wie Deutschland, Frankreich, Dänemark oder die Niederlande nach.
Nach einigem Hin und Her wurde auch dem Drängen der Ukraine nachgegeben, die Waffen aus dem Westen auch auf Ziele in Russland abfeuern zu dürfen. Aber dennoch: Länder wie die USA und Deutschland haben die Abgabe von bestimmten Waffensystemen nach Angaben aus Bündniskreisen zum Teil an strenge Auflagen für deren Nutzung gekoppelt. Hintergrund ist die Befürchtung, dass der Konflikt mit Russland weiter eskalieren und die NATO zur Kriegspartei werden könnte.
Obschon die Ukrainer die Russen bei den Kämpfen im Norden des Landes zu dominieren scheinen, sind die Kollateralschäden enorm. So postet ein User auf X ein Video der Ruinen und schreibt: «Bis die Russen nach Wowtschansk gekommen sind, war es ein friedlicher Ort. Jetzt liegt es aufgrund der russischen Invasion in Trümmern.»
Until russians came to Vovchansk it was a peaceful town. Now it lays in ruins because russians invaded.
— ✙ Constantine ✙ (@Teoyaomiquu) June 19, 2024
There is almost nothing left, what did russians gain from it?
Why are they doing it?
Please watch the video, it's not new, it's from early June, that large white building is… pic.twitter.com/MC1u0CIF2a
Weiter schreibt er:
(jub, mit Material von t-online)
Gibt schon Länger berichte das sie die Infanterie ohne Panzerung Nix voran Treiben bei der Charkiw Front.
Aber am Ekligsten sind die Putin Freunde die das Komplet ausblenden wie Putin seine Soldaten ins Gefecht schickt - die müssen ihre eigenen noch mehr Hassen wie die Ukrainer.