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Wie 30 Ukrainer den russischen Konvoi vor Kiew stoppten

Kurz nach Kriegsbeginn rollte ein 60 Kilometer langer, russischer Militärkonvoi in Richtung Kiew, kam dort jedoch nie an. Eine kaum bewaffnete ukrainische Spezialeinheit stoppte ihn mit Guerilla-Attacken. 
28.03.2022, 21:3029.03.2022, 08:19

Satellitenbilder: Russischer Militärkonvoi in der Ukraine

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Satellitenbilder: Russischer Militärkonvoi in der Ukraine
quelle: keystone
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Ein Artikel von
t-online

Als Ende Februar ein 60 Kilometer langer Konvoi aus russischen Militärfahrzeugen von Norden her auf Kiew zurollte, schien das Ende des Krieges schon in Sicht. Doch anstatt die ukrainische Hauptstadt einzukesseln, kam die olivgrüne Kolonne bald zum Stehen und verteilte sich im Gelände, wie Satellitenbilder zeigten. Jetzt wird bekannt, wie die ukrainische Spezialeinheit Aerorozvidka die Invasionsarmee aufhielt – mit gezielten nächtlichen Attacken aus dem Hinterhalt. 

«In der ersten Nacht zerstörte diese eine kleine Einheit zwei oder drei Fahrzeuge am Kopf der Kolonne und danach steckte der ganze Zug fest», erzählt Aerorozvidka-Kommandeur Jaroslaw Hontschar dem «Guardian». «Unsere Leute blieben dann noch zwei weitere Nächte und zerstörten viele weitere Fahrzeuge.»

«Das alles ist nur dem Einsatz von 30 Leuten zu verdanken» 

Ausgestattet waren die etwa 30 Kämpfer nur mit Nachtsichtgeräten, Scharfschützengewehren, ferngezündeten Minen sowie Drohnen, die 1.5 Kilogramm schwere Bomben fallen lassen können. Ihren Zielen näherten sich die Aerorozvidkadas auf Quads. «Die ersten Angreifer standen plötzlich da, ohne Heizung, ohne Öl, ohne Bomben und ohne Benzin», berichtet Jaroslaw Hontschar. «Und das alles ist nur dem Einsatz von 30 Leuten zu verdanken.»

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Video: watson

Nach Angaben Hontschars war seine Spezialeinheit auch an der Verteidigung des Flughafens von Hostomel nordwestlich von Kiew am ersten Kriegstag beteiligt und half, den Angriff russischer Fallschirmjäger abzuwehren. Mit ihren Drohnen hätten die Aerorozvidkadas etwa 200 russische Soldaten am Ende des Rollfelds lokalisiert und bombardiert, so Hontschar: «Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Russen den Flugplatz nicht erobern und für ihre Invasion nutzen konnten», so Hontschar. Militärexperten teilen diese Einschätzung.

Zwei Aerorozvidkadas mit einer Drohne kurz vor Kriegsbeginn: «Und das alles ist nur dem Einsatz von 30 Leuten zu verdanken.»
Zwei Aerorozvidkadas mit einer Drohne kurz vor Kriegsbeginn: «Und das alles ist nur dem Einsatz von 30 Leuten zu verdanken.» Madis Veltman/imago images

«Wir sind wie ein Bienenschwarm»

Erstaunlich ist nicht nur die militärische Wirkung der kleinen Einheit, sondern auch ihre Entstehungsgeschichte. Die Aerorozvidka bildete sich nach der Maidan-Revolution 2014 und besteht vor allem aus IT-Studenten, Ingenieuren und Softwareentwicklern. Kommandeur Hontschar war früher Soldat, wurde dann IT-Berater für Unternehmen und ging 2014 zurück zur Armee. Doch trotz ihrer Anbindung an die Armee sind die Aerorozvidka weitgehend auf sich gestellt: Sie finanzieren sich vor allem über Spenden und nutzen persönliche Kontakte, um an Bauteile für Drohnen zu kommen. 

Ihre Fluggeräte entwickelt die Einheit nämlich weitgehend selbst. Hilfe bekommt sie inzwischen auch von IT-Unternehmer Elon Musk: Der hat den Aerorozvidkadas gestattet, seine Starlink-Satelliten zu nutzen. Damit können sich die Ukrainer schnell und zuverlässig über die Standorte russischer Einheiten austauschen. «Wir sind wie ein Bienenschwarm», sagt Jaroslaw Hontschar. «Eine Biene ist nichts, aber Tausende können auch einen grossen Gegner besiegen.»

(t-online,mk)

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Flexon
28.03.2022 22:03registriert Februar 2014
Beeindruckende Geschichte! Aber ist es nicht zu früh, um solche taktischen Details öffentlich zu präsentieren? Der Krieg ist noch nicht vorbei.
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mMn
28.03.2022 22:39registriert September 2020
Sowas wäre doch eine sinnvolle, günstige und effiziente Erweiterung auch in unserem veralteten Militärappart... anstatt immer gleich Milliarden in tonnenweise Stahl aus der Rüstungsindustrie zu vergeuden.
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Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
28.03.2022 22:41registriert April 2021
Dazu kommt, dass die Russen offenbar noch nie etwas von der Varusschlacht gehört zu haben scheinen, die dem römischen Imperium immerhin ein Achtel seiner Streitkräfte kostete und das Ende der römischen Expansion in das nordöstliche Europa einleitete.
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