International
Ungarn

Missbrauchsskandal: Zehntausende demonstrieren in Ungarn gegen Orban

Missbrauchsskandal: Zehntausende demonstrieren in Ungarn gegen Orban

14.12.2025, 10:5114.12.2025, 10:51
Chairman of the Hungarian opposition Tisza Party Peter Magyar, second righ, Vice Chairman of Tisza Party Agnes Forsthoffer, right, and opera singer Andrea Rost, the party's parliamentary candidat ...
Zehntausende sind in Budapest auf die Strasse gegangen.Bild: keystone

Zehntausende Menschen haben in Budapest gegen die Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban protestiert. Auslöser waren neue Informationen zu einem seit langem schwelenden Missbrauchsskandal. Die Demonstrantinnen und Demonstranten folgten einem Aufruf der Oppositionspartei Tisza von Peter Magyar.

Magyar hatte am Freitag Angaben eines bereits seit 2021 vorliegenden, aber unter Verschluss gehaltenen Regierungsberichts veröffentlicht, dem zufolge mehr als 3'000 Kindermissbrauchs-Fälle in staatlichen Betreuungsinstitutionen bekannt seien. Ungarns Innenministerium bestätigte den Bericht.

Das Thema Kindesmisshandlungen in staatlichen Institutionen ist seit Februar 2024 ein brisantes politisches Thema. Damals musste die Staatspräsidentin Katalin Novak auf öffentlichen Druck zurücktreten, nachdem bekannt wurde, dass sie den stellvertretenden Direktor eines Waisenhauses begnadigt hatte, der wegen Beihilfe zu pädophilen Handlungen verurteilt worden war.

Vorwurf der Vertuschung von Missbrauch stärkt Opposition

Diesen von grossen Protesten begleiteten Skandal nahm Magyar damals zum Anlass, eine breite Oppositionsbewegung zu starten, an der Spitze der dadurch neu belebten Partei Tisza. Inzwischen liegt Tisza in Umfragen vor Orbans Partei Fidesz. Erstmals muss der seit 2010 regierende Orban befürchten, eine Parlamentswahl zu verlieren. Die nächste Wahl steht im April 2026 an.

Hinzu kam im Sommer dieses Jahres ein weiterer Skandal um mögliche kriminelle Machenschaften in einer Jugendstrafanstalt in Budapest. Drei Mitarbeiter waren in diesem Zusammenhang verhaftet worden – unter ihnen ein ehemaliger Direktor, dem unter anderem die Leitung eines Prostitutionsrings vorgeworfen wird.

Zuletzt wurde zudem Bildern einer Überwachungskamera publik, die zeigen, wie ein Direktor dieser Anstalt einen Jungen gegen den Kopf trat. Vier Mitarbeiter waren Anfang der Woche in Gewahrsam genommen worden, die Regierung stellte alle Einrichtungen dieser Art unter polizeiliche Aufsicht. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Diese 5 militärischen Optionen prüft Trump im Konflikt mit Iran
US-Präsident Donald Trump lässt derzeit mehrere militärische Szenarien gegen Iran ausarbeiten. Sie reichen von gezielten Luftschlägen bis hin zu verdeckten Kommandoeinsätzen. Noch ist keine Entscheidung gefallen.
Nach Angaben mehrerer US-Regierungsvertreter hat Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen eine erweiterte Palette möglicher militärischer Schritte gegen Iran prüfen lassen. Die Optionen gehen deutlich über jene hinaus, die noch vor wenigen Wochen im Zusammenhang mit den damaligen Massenprotesten im Land diskutiert wurden. Ziel sei es, Irans Nuklear- und Raketenprogramme weiter zu schwächen oder den politischen Machtkern des Regimes unter Druck zu setzen.
Zur Story