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Orbans Oligarchen schaffen ihr Geld ins Ausland

Viktor Orban, Ministerpraesident von Ungarn, aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin, 05.07.2018. Berlin Deutschland *** Viktor Orban Prime Minister of Hungary admitted at a press confer ...
Viktor Orban war die letzten 16 Jahre Ministerpräsident Ungarns. Personen aus seinem Umfeld sollen in dieser Zeit sehr viel Geld verdient haben. Bild: IMAGO / photothek

Orbans Oligarchen schaffen ihr Geld ins Ausland

Wahlsieger Peter Magyar erhebt schwere Vorwürfe gegen vermögende Personen aus Viktor Orbans Umfeld: Sie sollen ihre Gelder ins Ausland schaffen, einige von ihnen hätten Ungarn bereits verlassen.
27.04.2026, 19:3527.04.2026, 19:35

Bei den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April erlitt die Fidesz-Partei des seit 16 Jahren regierenden Ministerpräsidenten Viktor Orban eine vernichtende Niederlage. Die Tisza-Partei seines Herausforderers Peter Magyar, der im Wahlkampf einen grundlegenden politischen Wandel versprochen hatte, erreichte eine Zweidrittelmehrheit. Zu den Reformen, die Magyar ankündigte, zählen unter anderem eine Vermögenssteuer für Reiche und der Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft.

Der politische Umbruch in Ungarn und die angekündigten Reformen dürften nicht nach jedermanns Gusto sein. Verbündete von Orban sollen in den langen Jahren seiner Herrschaft viel Geld verdient haben – unter anderem durch Korruption und Vetternwirtschaft. Jetzt sollen diese reichen Personen aus Orbans Umfeld ihre Vermögen ins Ausland transferieren und ihre eigene Ausreise vorbereiten.

«Gestohlene Gelder beschlagnahmen»

Dies behauptet zumindest Wahlgewinner Magyar, der am 9. Mai offiziell das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen wird, in einem Post auf der Plattform X. Er habe Informationen, dass die Oligarchen um Orban aus dem Land fliehen wollten, mitsamt ihrem gestohlenen Vermögen. In einem Video in sozialen Medien sprach er zudem von Abflüssen in Höhe von «Dutzenden Milliarden Forint». Eine Milliarde Forint entspricht gut 2,5 Millionen Franken. Belege für seine Vorwürfe legte Magyar nicht vor.

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Wahlsieger Peter Magyar fordert die Justizbehörden auf, die «Kriminellen» festzunehmen, bevor sie sich ins Ausland absetzen. Bild: keystone

Magyar erklärte, er fordere die Steuer- und Zollbehörde auf, die gestohlenen Gelder unverzüglich zu beschlagnahmen. «Wer seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt und seinen Amtseid verletzt, begeht selbst eine Straftat», warnte er. «Ich fordere die Behörden auf, die Kriminellen, die das ungarische Volk um Milliardensummen geschädigt haben, festzunehmen, damit sie nicht – vor der Bildung einer Tisza-Regierung – in Länder fliehen können, wo es derzeit keine Auslieferung nach Ungarn gibt.» Wer sich unrechtmässig auf Kosten des ungarischen Volkes bereichert habe, werde von der unabhängigen ungarischen Justiz zur Rechenschaft gezogen.

Das Land bereits verlassen

Des Weiteren erklärte Magyar, er verfüge über Informationen, wonach mehrere Oligarchenfamilien das Land bereits verlassen hätten. Auch die Familie von Lőrinc Meszaros habe vor, in den kommenden Tagen nach Dubai zu fliegen. Woher diese Informationen stammen, sagte Magyar nicht.

Lőrinc Mészáros (2024)
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=145254767
Vom Gasinstallateur zum Oligarchen: Lőrinc Meszaros (Aufnahme von 2024). Bild: Wikimedia/Elekes Andor

Meszaros, ein Schulfreund von Orban, vermochte nach dessen Aufstieg zum Ministerpräsidenten sein nahezu bankrottes Gasinstallationsunternehmen auf wundersame Weise zu einem Konzern auszubauen. Er gilt heute als reichster Ungar – und böse Zungen behaupten, er sei Orbans Strohmann. Jedenfalls sind nachweislich öffentliche Gelder über seine Firmen an Orbans Familie geflossen. Neben Meszaros könnte sich auch Orban selbst ins Ausland absetzen. Zumindest wird in Ungarn spekuliert, er könnte zu seiner ältesten Tochter in die USA fliehen, die dort mit ihrem Ehemann lebt.

Privatjets aus Wien

Auch die britische Zeitung Guardian berichtet unter Berufung auf drei Quellen, dass Privatjets mit Vermögenswerten aus dem Umfeld des bisherigen Ministerpräsidenten von Wien aus gestartet sein sollen. Einige Oligarchen aus Orbans Umfeld versuchten demnach, ihr Vermögen in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien oder Oman zu transferieren. Auch Australien oder Singapur sollen als mögliche sichere Häfen für das Kapital dieser Kreise in Frage kommen. (dhr)

Peter Magyar macht Meme-Geste

Video: watson/Michael Shepherd
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El_Chorche
27.04.2026 19:43registriert März 2021
"Orbans Oligarchen schaffen ihr Geld ins Ausland"

Eigentlich ist es das Geld der Ungarn, dass sie da beiseite schaffen.

Zum Glück mischen da keine Schweizer Anwälte und Vermögensverwalter mit.
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up4you
27.04.2026 20:06registriert März 2023
Es kann nur gehofft werden, dass unser Land nicht erneut zum „sicheren Hafen für die Geldveruntreuung ungarischer Oligarchen und des Orbán-Clans“ wird. Es handelt sich dabei vielfach um zweckentfremdete EU-Gelder, die dem ungarischen Volk und der Infrastruktur Ungarns zugutekommen sollten. Jetzt zeigt sich, ob unser Bankenplatz tatsächlich sauberer geworden ist. Die FINMA sollte genau hinschauen, insbesondere bei Privatbanken in Genf und Zürich.
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Ben_solo
27.04.2026 19:42registriert Januar 2021
Und die CH Banken so 🤩🤩🤩
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