Orbans Oligarchen schaffen ihr Geld ins Ausland
Bei den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April erlitt die Fidesz-Partei des seit 16 Jahren regierenden Ministerpräsidenten Viktor Orban eine vernichtende Niederlage. Die Tisza-Partei seines Herausforderers Peter Magyar, der im Wahlkampf einen grundlegenden politischen Wandel versprochen hatte, erreichte eine Zweidrittelmehrheit. Zu den Reformen, die Magyar ankündigte, zählen unter anderem eine Vermögenssteuer für Reiche und der Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft.
Der politische Umbruch in Ungarn und die angekündigten Reformen dürften nicht nach jedermanns Gusto sein. Verbündete von Orban sollen in den langen Jahren seiner Herrschaft viel Geld verdient haben – unter anderem durch Korruption und Vetternwirtschaft. Jetzt sollen diese reichen Personen aus Orbans Umfeld ihre Vermögen ins Ausland transferieren und ihre eigene Ausreise vorbereiten.
«Gestohlene Gelder beschlagnahmen»
Dies behauptet zumindest Wahlgewinner Magyar, der am 9. Mai offiziell das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen wird, in einem Post auf der Plattform X. Er habe Informationen, dass die Oligarchen um Orban aus dem Land fliehen wollten, mitsamt ihrem gestohlenen Vermögen. In einem Video in sozialen Medien sprach er zudem von Abflüssen in Höhe von «Dutzenden Milliarden Forint». Eine Milliarde Forint entspricht gut 2,5 Millionen Franken. Belege für seine Vorwürfe legte Magyar nicht vor.
Magyar erklärte, er fordere die Steuer- und Zollbehörde auf, die gestohlenen Gelder unverzüglich zu beschlagnahmen. «Wer seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt und seinen Amtseid verletzt, begeht selbst eine Straftat», warnte er. «Ich fordere die Behörden auf, die Kriminellen, die das ungarische Volk um Milliardensummen geschädigt haben, festzunehmen, damit sie nicht – vor der Bildung einer Tisza-Regierung – in Länder fliehen können, wo es derzeit keine Auslieferung nach Ungarn gibt.» Wer sich unrechtmässig auf Kosten des ungarischen Volkes bereichert habe, werde von der unabhängigen ungarischen Justiz zur Rechenschaft gezogen.
Orbán-linked oligarchs are transferring tens of billions of forints to the United Arab Emirates, the United States, Uruguay, and other distant countries.
— Magyar Péter (Ne féljetek) (@magyarpeterMP) April 25, 2026
I am aware that Hungary’s National Tax and Customs Administration (NAV), based on reports from banks, has suspended several…
Das Land bereits verlassen
Des Weiteren erklärte Magyar, er verfüge über Informationen, wonach mehrere Oligarchenfamilien das Land bereits verlassen hätten. Auch die Familie von Lőrinc Meszaros habe vor, in den kommenden Tagen nach Dubai zu fliegen. Woher diese Informationen stammen, sagte Magyar nicht.
Meszaros, ein Schulfreund von Orban, vermochte nach dessen Aufstieg zum Ministerpräsidenten sein nahezu bankrottes Gasinstallationsunternehmen auf wundersame Weise zu einem Konzern auszubauen. Er gilt heute als reichster Ungar – und böse Zungen behaupten, er sei Orbans Strohmann. Jedenfalls sind nachweislich öffentliche Gelder über seine Firmen an Orbans Familie geflossen. Neben Meszaros könnte sich auch Orban selbst ins Ausland absetzen. Zumindest wird in Ungarn spekuliert, er könnte zu seiner ältesten Tochter in die USA fliehen, die dort mit ihrem Ehemann lebt.
Privatjets aus Wien
Auch die britische Zeitung Guardian berichtet unter Berufung auf drei Quellen, dass Privatjets mit Vermögenswerten aus dem Umfeld des bisherigen Ministerpräsidenten von Wien aus gestartet sein sollen. Einige Oligarchen aus Orbans Umfeld versuchten demnach, ihr Vermögen in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien oder Oman zu transferieren. Auch Australien oder Singapur sollen als mögliche sichere Häfen für das Kapital dieser Kreise in Frage kommen. (dhr)
