Schlag auf Schlag: Diese juristischen Probleme kommen noch auf Trump zu
In ĂŒber 4000 juristische FĂ€lle war Donald Trump oder seine Organisation seit den 80er-Jahren verwickelt. Und immer, wenn er mit dem RĂŒcken zur Wand stand, wand er sich mit einem Vergleich heraus. Zum Beispiel, als er 2016 BetrugsvorwĂŒrfe im Zusammenhang mit seiner «Trump UniversitĂ€t» mit 25 Millionen aus der Welt schaffte, oder als herauskam, dass er afroamerikanische Mieter diskriminierte. Weil die Klagen an ihm abzuperlen schienen, erhielt er den Ăbernamen «Teflon-Trump».
Nun aber hat es ihn erwischt. Ein Geschworenengericht in New York verurteilte ihn zu einer Schadensersatzzahlung von 5 Millionen Dollar wegen eines sexuellen Ăbergriffs und wegen Verleumdung der Schriftstellerin E. Jean Carroll. Damit sind auch die Zeiten von Teflon-Trump vorbei.
Den 45. PrĂ€sidenten der USA dĂŒrfte den fĂŒr ihn geringen Betrag von fĂŒnf Millionen kaum schmerzen. Und ob die Verurteilung seiner politischen Karriere Schaden anrichten kann, ist umstritten. FĂŒr den aussichtsreichen Kandidaten der republikanischen Partei könnte es indes aber noch viel schlimmer kommen. Und das schon ziemlich bald.
Wahlmanipulation in Georgia
- Art: Strafrechtsverfahren
- Wo: Fulton County, Georgia
- Darum geht es: Hat Donald Trump den fĂŒr Wahlen zustĂ€ndigen StaatssekretĂ€r von Georgia, Brad Raffensperger, aufgefordert, die Wahlen zu manipulieren? Im Zentrum steht ein ominöses TelefongesprĂ€ch zwischen den beiden, bei dem Trump Raffensperger aufforderte, «zusĂ€tzliche Wahlzettel zu finden».
- Aussichten: Ob es zu einer Anklage kommt, kommuniziert die zustÀndige BezirksstaatsanwÀltin Fani Willis zwischen dem 11. Juli und dem 1. September. Vieles deutet darauf hin, dass verschiedene Involvierte angeklagt werden. Darunter Rudy Giuliani und auch Donald Trump.
Wahlmanipulation und Trumps Rolle am 6. Januar 2021
- Art: Strafrechtsverfahren
- Wo: District of Columbia, Washington
- Darum geht es: Ging Donald Trump bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2020 zu weit? Wollte er Joe Bidens Sieg mit illegalen Mitteln verhindern? Zum Beispiel mit der Entsendung von irregulĂ€ren WahlmĂ€nnern? Hat Trump VizeprĂ€sident Mike Pence dazu gedrĂ€ngt, die Anerkennung von Bidens Sieg durch den Kongress zu stoppen? Diese Fragen stehen im Zentrum der Untersuchungen von Sonderermittler Jack Smith. Und da wĂ€re noch Donald Trumps Rolle bei der StĂŒrmung des Capitols durch randalierende Trump-AnhĂ€nger.
- Aussichten: Es ist wohl der spektakulĂ€rste und grösste Fall gegen den 45. PrĂ€sidenten der USA. Smith hat bisher erreicht, dass diverse Schwergewichte aus Trumps Umfeld vor einem Geschworenengericht aussagen mĂŒssen â darunter auch Mike Pence. Erste Versuche Trumps, dies juristisch zu verhindern, scheiterten.
Unternehmensbetrug in New York
- Art: Zivilrechtsprozess
- Wo: New York
- Darum geht es: Donald Trump, drei seiner Kinder (Donald Jr., Ivanka und Eric) und die Trump Organisation sollen die Werte diverser New Yorker Immobilien falsch wiedergegeben zu haben. Dies, um damit Banken und andere Kreditgeber zu tÀuschen. StaatsanwÀltin Letitia James will nicht nur eine Busse in der Höhe von 250 Millionen Dollar erreichen, sondern auch, dass den Trumps verboten wird, auf New Yorker Boden GeschÀfte zu betreiben.
- Aussichten: Der Prozessbeginn wird noch in diesem Oktober erwartet. Ein Versuch der Angeklagten, den Prozess um sechs Monate zu verschieben, scheiterte.
Unlautere Bewerbung eines Netzwerk-Marketingunternehmens
- Art: Zivilrechtsprozess
- Wo: New York
- Darum geht es: Vier zu Beginn anonyme KlĂ€ger werfen Donald Trump und drei seiner erwachsenen Kinder (Donald Jr., Ivanka und Eric) vor, unlautere Werbung fĂŒr das Netzwerk-Marketingunternehmen ACN gemacht zu haben. Sie hĂ€tten ACN als «gute Investmentmöglichkeit» angepriesen, ohne zu deklarieren, dass sie dafĂŒr mit MillionenbetrĂ€gen entschĂ€digt werden.
- Aussichten: Die Gerichtsverhandlungen sind auf Januar 2024 angesetzt.
Illegale Dokumente in Mar-A-Lago
- Art: Strafrechtsverfahren
- Wo: District of Columbia, Washington
- Darum geht es: Nach seinem Ausscheiden aus dem PrĂ€sidentenamt lagerte Donald Trump hunderte Unterlagen, auch solche mit der Bezeichnung «Top Secret» und «Classified», in seinem Golf-Resort Mar-a-Lago. Zur Debatte steht, ob er diese unsachgemĂ€ss lagerte â vor allem aber, ob er die Behörden bei deren Sicherung behinderte.
- Aussichten: Noch ist offen, ob es zu einer Anklage kommt.
Neben diesen fĂŒnf juristischen Schwergewichten ist Trump oder seine Organisation in eine Reihe weiterer Zivilrechtsprozesse verwickelt. So versuchen diverse Polizisten, die am 6. Januar im oder vor dem Capitol stationiert waren, Donald Trump zu verklagen. Sie sind damit nicht allein. Auch zehn demokratische Kongressabgeordnete, die aus dem Capitol flĂŒchten mussten, wollen Trumps Rolle untersucht haben.
