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Heikle Berichte «beseitigen»: Zeuge belastet Trump vor Gericht schwer

Heikle Berichte «beseitigen»: Zeuge belastet Trump vor Gericht schwer

23.04.2024, 19:0723.04.2024, 20:50
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Ein zentraler Zeuge im Prozess gegen Donald Trump um Schweigegeld für eine Pornodarstellerin hat bestätigt, dass er dem früheren US-Präsidenten vor der US-Wahl 2016 bei der Beseitigung unliebsamer Geschichten geholfen hat. Der ehemalige Herausgeber des Trump-nahen Boulevardblattes «National Enquirer», David Pecker, sagte am Dienstag vor Gericht in New York, er habe Mitte August 2015 an einem Treffen mit Trump und dessen Anwalt Michael Cohen teilgenommen.

FILE - David Pecker, Chairman and CEO of American Media, addresses those attending the Shape & Men's Fitness Super Bowl Party in New York, on Jan. 31, 2014. (Marion Curtis via AP, File)
David Pecker sagt vor Gericht gegen Trump aus (Symbolbild).Bild: keystone

Dort habe Pecker zugesagt, alle negativen Gerüchte über Trump oder «über Frauen, die Geschichten verkaufen wollen» sofort an Anwalt Cohen melden zu wollen. Damit habe Cohen potenziell schädliche Berichte «beseitigen» können.

Es sei Pecker zufolge darum gegangen, Trumps Wahlkampf zu unterstützen. Deswegen habe er auch eine Reihe von Schmähartikeln über dessen Konkurrenten veröffentlicht. Die Anklage wirft Trump – der ebenfalls anwesend war – vor, er habe den Ausgang der US-Präsidentenwahl 2016 mit der Zahlung von 130'000 Dollar Schweigegeld an Sex-Darstellerin Daniels beeinflussen wollen. Die Transaktion selbst war zwar nicht illegal, bei der Rückerstattung des Geldes an seinen Anwalt Cohen habe Trump jedoch Geschäftsunterlagen gefälscht, um ihren eigentlichen Zweck zu verschleiern, so die Vorwürfe.

Republican presidential candidate and former President Donald Trump walks in Manhattan criminal court in New York, Tuesday, April 23, 2024. (Brendan McDermid/Pool Photo via AP)
Donald Trump auf dem Weg in den Gerichtssaal.Bild: keystone

Es handelt sich um den ersten Strafprozess gegen einen Ex-Präsidenten in der US-Geschichte. Trump könnten bei einer Verurteilung mehrere Jahre Haft drohen, die Strafe könnte aber auch zur Bewährung ausgesetzt werden. Auch eine Geldstrafe wäre möglich. Der Fall könnte den US-Wahlkampf beeinflussen.

Trump (77) will im November erneut zum Präsidenten gewählt werden. Er hatte auf nicht schuldig plädiert. Mit der Vernehmung Peckers will die Staatsanwaltschaft ihre Behauptung stützen, dass es Trumps Ziel war, seinen Wahlkampf vor negativen Berichten zu schützen, um bessere Chancen bei der Abstimmung im November 2016 zu haben. Dies soll einer möglichen Argumentation der Verteidigung entgegenwirken, dass es Trump bei der Zahlung an Pornostar Daniels lediglich darum gegangen sei, Schaden von seiner Familie abzuwenden, dass es sich also lediglich um eine private Zahlung ohne Bezug zur US-Wahl gehandelt habe.

Pecker bestätigte zudem die Zahlung von 30'000 Dollar durch den «National Enquirer» an einen Angestellten im Trump Tower in New York, der behauptet hatte, er wisse von Trumps Vaterschaft eines ausserehelichen Kindes. Der ex-Herausgeber sagte, er habe die Exklusivrechte «wegen der möglichen Verlegenheit» gekauft, in die die Geschichte Trumps Wahlkampf gebracht hätte - und damals nicht die Intention gehabt, die Story zu veröffentlichen. Cohen habe ihm daraufhin gesagt, der Chef werde sich über die Unterdrückung der Geschichte «sehr freuen». (dab/sda/dpa)

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
23.04.2024 19:19registriert Oktober 2019
«Der Fall könnte den US-Wahlkampf beeinflussen.»

Das müsste Trump ja eigentlich egal sein, wenn man das Eröffnugsplädoyer seines Anwaltes gehört hat.

Warum spricht Trump immer von einer Hexenjagt auf ihn🤷🏼‍♂️
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Böbeli
23.04.2024 19:38registriert April 2020
Trump ist nach dieser ersten Zeugenbefragung wie ein Schiff, havariert und bereits mit Schlagseite und sehr weit entfernt von einem sicheren Hafen.
Die Staatsanwaltschaft ist penibel vorbereitet und Trumps Verteidigung glänzt mit richterlichen Ermahnungen und Warnungen. Der Auftakt hätte kaum schlechter laufen können für Trump, der einen Ueberlebungskampf fuehrt.
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sinkflug
23.04.2024 21:38registriert Juli 2020
Wenn er wegen dieser Sache hinter schwedischen Gardinen landet, soll uns das nur Recht sein. Endlich würde er seiner Bestimmung entsprechend von Kopf bis Fuss in oranger Farbe erstrahlen.
Für die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Demokratie wäre es jedoch hilfreicher, wenn er nicht deswegen, sondern wegen seines versuchten Staatsstreichs nach der Abwahl seinen Alterswohnsitz in Florida gegen Rikers Island tauschen müsste.
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