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Joseph James DeAngelo, charged with being the Golden State Killer, talks with his attorney, Diane Howard, during his appearance in Sacramento County Superior Court in Sacramento, Calif., Thursday, March 12, 2020. Superior Court Judge Steve White approved prosecutors' request to take more DNA samples from DeAngelo over the objections of his defense attorneys. (AP Photo/Rich Pedroncelli)
Joseph James DeAngelo,Diane Howard

James DeAngelo im Gespräch mit seiner Anwältin. Bild: AP

«Die reale lebendige Version von Hannibal Lecter» – «Golden State Killer» gesteht Morde

Er war unter dem Namen «Golden State Killer» bekannt – nun hat sich James DeAngelo in 13 Mord-Anklagen für schuldig bekennt. Beim Prozess kamen schockierende Details von den Tatorten ans Licht.

barbara munker / dpa



Im Rollstuhl wird der «Golden State Killer» in den Raum gefahren, ein gebrechlicher 74-Jähriger in orangeroter Gefängniskluft. «Schuldig» sagt Joseph James DeAngelo immer wieder mit schwacher, krächzender Stimme auf jeden der 13 Mordvorwürfe. Auch in der 13-fachen Anklage wegen Entführungen im Rahmen seiner Gewalttaten räumt er seine Schuld ein. Hinzu kommen über 160 Verbrechen, von Vergewaltigung bis Raub und Einbruch, die schon verjährt sind. Stundenlang zieht sich die Gerichtsanhörung am Montag (Ortszeit) im kalifornischen Sacramento hin.

Das ist die «reale lebendige Version von Hannibal Lecter», sagt die Bezirks-Staatsanwältin Anne Marie Schubert am Ende vor der Presse, «ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder». Schubert spielt auf den Kannibalen und Massenmörder Dr. Hannibal Lecter aus dem Hollywood-Thriller «Das Schweigen der Lämmer» (1991) mit Anthony Hopkins an.

Mit seiner Kaltblütigkeit und Grausamkeit versetzte der «Golden State Killer» den Westküstenstaat über zehn Jahre in Angst und Schrecken. Dem ersten Mord 1975 folgten Dutzende Vergewaltigungen in Nordkalifornien, dann bis 1986 eine brutale Mordserie im Süden des Staates. Oft trug er eine Skimaske und schreckte seine Opfer mit einer grellen Taschenlampe auf.

Bei seinen nächtlichen Streifzügen durch ruhige Vororte hatte er Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel dabei. Häufig fesselte er die Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und brachte nach langen Quälereien beide um. Meist verweilte er an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und liess Gegenstände aus den Häusern mitgehen.

Joseph James DeAngelo, charged with being the Golden State Killer, huddles with his attorney, public defender Diane Howard, during a hearing in Sacramento, Calif., Monday June 29, 2020. DeAngelo, 74, pleaded guilty to 13 counts of murder and multiple other charges 40 years after a sadistic series of assaults and slayings in California. Due to the large numbers of people attending, the hearing was held at a ballroom at Sacramento State University to allow for social distancing. (AP Photo/Rich Pedroncelli)

DeAngelo beredet sich mit seiner Anwältin während des Prozesses. Bild: keystone

Wie wurde er überführt?

An den vielen Tatorten hinterliess er DNA-Spuren, die ihm erst viel später zum Verhängnis wurden. Ermittler wurden bei ihrer langen Suche nach dem flüchtigen Täter schliesslich auf Plattformen für Ahnenforschung fündig, die genetische Informationen eines Verwandten enthielten. Im April 2018, mehr als drei Jahrzehnte nach dem letzten Mord, wurde DeAngelo in einem Vorort von Sacramento festgenommen. Der geschiedene Ex-Polizist hatte unauffällig bei einer seiner drei Töchter gelebt.

Durch das Geständnis kommt der Täter nun um die Todesstrafe herum. Im August soll er zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Den überlebenden Opfern und den Angehörigen der Ermordeten bleibt damit ein langwieriger Prozess mit schmerzlichen Zeugenaussagen erspart.

Schockierende Details

Doch am Montag hörten die Anwesenden schockierende Details von den Tatorten. Die Staatsanwälte aus sechs Bezirken schilderten die grausamen Tatumstände, teils mit Tränen in den Augen. Per Videoschalte konnte auch die Öffentlichkeit die Anhörung mitverfolgen.

Das jüngste Opfer war 13 Jahre alt. Ein junges Paar hatte erst Monate zuvor geheiratet. Unter den Toten war auch eine gebürtige Frankfurterin, die 1981 im südkalifornischen Irvine in ihrem Bett erschlagen aufgefunden wurde. Das letzte dem Serienmörder zugeschriebene Opfer war eine 18-Jährige, die 1986 vergewaltigt und ermordet wurde.

Die über Jahre ungeklärte Crime-Serie hatte auch die amerikanische Krimiautorin Michelle McNamara beschäftigt. Im Februar 2018 erschien in den USA ihr Buch «I'll Be Gone in the Dark» (dt. Titel «Ich ging in die Dunkelheit»). Zwei Monate später wurde der damals 72 Jahre alte DeAngelo als mutmasslicher Serienmörder festgenommen. Der US-Sender HBO gab eine sechsteilige Doku-Serie in Auftrag, die am Sonntag Premiere feierte. (sda/dpa)

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Walter Hechtler 01.07.2020 01:42
    Highlight Highlight Nix Hannibal Leute....viel zu friedlich dieser Killer.
  • Spooky 30.06.2020 23:35
    Highlight Highlight Serienkiller sind keine Individuen. Sie sind Spiegel und Erzählung der brutalen, struktuellen Gewalt des banalen Kapitalismus.
  • honesty_is_the_key 30.06.2020 20:00
    Highlight Highlight Alle Menschen die einen unglaublichen und traurigen und sehr schmerzhaften Verlust durch diesen grausamen Straftäter erleiden mussten haben bereits sehr gelitten. Ich denke nichts was passiert kann ihr Leid lindern.

    Ihr Leid wird nicht vermindert wenn der Straftäter für seine grauenhaften Vergehen zur Verantwortung zur genommen wird. Wieso sollte er Gnade bekommen ? Er hat diese ja seinen Opfern auch nicht gegeben ?

    Ich habe ein sehr grosses Herz und grosse Empathie, aber da bin ich echt am Limit. Ein Mensch der so weh getan hat, soll die Folgen fühlen, und zwar so richtig.
  • Tobi Totsch 30.06.2020 10:27
    Highlight Highlight Wenn ich "Hannibal Lecter" lese, denke ich als erstes an Kannibalismus. Daher finde ich den Vergleich nicht wirklich passend.
    • dommen 30.06.2020 12:20
      Highlight Highlight Ja, das hat mich auch geärgert. Aber in den USA ist jeder Prozess (vom simplen Verkehrsdelikt bis zu Sowas hier) eine Show, was zum grössten Teil damit zusammenhängt, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Laienjurie überzeugen (im wahrsten Sinn des Wortes) müssen..
  • Rosskastanie 30.06.2020 10:08
    Highlight Highlight Und wieder war es ein weisser Polizist und eben nicht ein POC, der für die schrecklichen Taten verantwortlich ist....was machen Sie jetzt mit dem Greis? Zum Tode verurteile wäre für ihn wohl mehr eine Erlösung als eine Strafe...
    • Illuminati 30.06.2020 10:43
      Highlight Highlight Artikel lesen, weil er gestanden hat, bekommt er wohl lebenslänglich statt die Todesstrafe
    • Kiril 30.06.2020 12:11
      Highlight Highlight Ich check's nicht, wie manche Leute ständig, bei jedem Thema, die Hautfarbe ins Spiel bringen. Egal, welche ein Straftäter hat, jemand wird es IMMER zum Thema machen 🤦‍♂️
    • Bivio 30.06.2020 13:05
      Highlight Highlight @Rosskastanie
      Obwohl die meisten Morde (absolut und prozentual) von Schwarzen begannen werden, sind die meisten Massenmörder (4 und mehr Opfer) in den USA Weisse. Über die Gründe lässt sich streiten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Triumvir 30.06.2020 09:34
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 30.06.2020 09:30
    Highlight Highlight OMG stellt euch vor ihr hättet einen Vater von dem ihr glaubt zu kennen dann entpuppt er sich als Serienmörder!🤯
    • G. Samsa 30.06.2020 11:08
      Highlight Highlight OMG stell dir vor eines Nachts wachst du geblendet auf und wirst nach stundenlangem Quälen ermordet.
  • Super8 30.06.2020 09:26
    Highlight Highlight Und er war auch noch Polizist...
    • Garp 30.06.2020 13:37
      Highlight Highlight Psychopathische/ soziopathische Sadisten, sind in allen Berufsgruppen vertreten.
  • Obi Juan 30.06.2020 09:14
    Highlight Highlight In 1-2 Jahren kommt entweder ein Film oder eine Doku dazu. Wahrscheinlich auf Netflix.
    • bokl 30.06.2020 10:38
      Highlight Highlight @Obi
      Viel schneller: "Der US-Sender HBO gab eine sechsteilige Doku-Serie in Auftrag, die am Sonntag Premiere feierte."
    • Dave1974 30.06.2020 10:39
      Highlight Highlight
      Play Icon
    • Obi Juan 30.06.2020 11:07
      Highlight Highlight Oh, sogar!
      Danke für die Info.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Weisser Mann 30.06.2020 08:58
    Highlight Highlight Erinnert mich mehr an "die Zahnfee" aus Roter Drache, der den sie mit Hannibal Lechter versucht haben zu fangen.

    Schreckliche Geschichte.
  • Hades69 30.06.2020 08:38
    Highlight Highlight Konnte auch die Öffentlichkeit die Anhörung mitverfolgen. Wieso?? Wieso gibt man dieser sinnlosen Gewalt auch noch eine Plattform?
    • Mietzekatze 30.06.2020 09:18
      Highlight Highlight Alle Verhandlungen (ausser Jugendliche) sind öffentlich. Hier übrigens auch. Das nennt sich öffentliche Kontrolle. Abgesehen davon ist der GSK sehr bekannt und die Story bereits sehr gut aufgearbeitet.
    • Hades69 30.06.2020 09:38
      Highlight Highlight Nur weil man etwas so macht, heisst das nicht, dass es auch richtig ist. Oeffentlich und Schlagzeilen daraus kreieren ist nicht dasselbe. Ein bewusster Umgang ohne Inszenierung, eine Herkules Aufgabe fuer die Leitmedien.
    • [Nickname] 30.06.2020 09:56
      Highlight Highlight Ja wieso!1!1!1 Heinomal wieso sollte man die Arbeit der Gerichte kontrollieren und das erst noch in einer Demokratie, Sauerei!!

      Übrigens auch in der Schweiz (zum Glück) möglich:

      https://www.gerichte-zh.ch/

      Kannst dir sogar aussuchen, welche Verhandlung du besuchen möchtest 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mietzekatze 30.06.2020 08:30
    Highlight Highlight Interessant wäre zu wissen wieso er plötzlich aufgehört hat zu morden.. Für einen sexuell motivierten Serienmörder sehr unüblich...
    • Ichweissmeinennamennichtmehr 30.06.2020 09:27
      Highlight Highlight Altersbedingt oder weil die DNA nicht lügt. Ich glaube es wurde in den 80er als sichere Beweis zugelassen.
    • Max Dick 30.06.2020 09:34
      Highlight Highlight Seine eigene Begründung ist, dass er über ein gutes Ich und ein schlechtes Ich (dieses nannte er Jerry) verfügte. Über die ganze Mordserie hinweg habe sich das Schlechte immer wieder durchgesetzt, bis dann das Gute irgendwann für immer die Oberhand hatte. Wie glaubwürdig diese einfache Antwort ist, müssen schon Psychiater beurteilen.
    • Schlawiner 30.06.2020 10:58
      Highlight Highlight Haha! Geil, es geht los. Jetzt kommen die Hobby-Sachverständingen mit ihrem Profilingwissen aus Krimis und Truecrime. :)
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Kommentar

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