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Hat keine Lust mehr, umsonst zu arbeiten: Eisverkäufer Joe Nicci.
Hat keine Lust mehr, umsonst zu arbeiten: Eisverkäufer Joe Nicci.
bild: screenshot/instagram

«Für euch sind's 8 Dollar!» – Warum dieser Eis-Verkäufer Influencer doppelt zahlen lässt

04.07.2019, 04:1404.07.2019, 15:19

Joe Nicci hat die Schnauze voll.

Der Eis-Verkäufer aus Kalifornien könnte eigentlich zufrieden sein: Als Eismann dürfte er in dem sonnigen US-Bundesstaat ein gutes Auskommen haben, doch seit ein paar Tagen ärgert sich Nicci ganz schön. Und zwar über Influencer.

Dem US-Onlineportal Vice.com erzählt Nicci: «Letzten Donnerstag erhielt ich eine Veranstaltungsanfrage, um an einem Wochenende eine Party für 300 Personen zu veranstalten, im Austausch für – so nennen sie es gerne – ‹Publicitiy›.»

Die Influencer, die ihn angefragt hätten, hätten ihm demnach vorgeschlagen, ihr Event kostenlos mit Eiscreme zu versorgen. Im Gegenzug würde Niccis Eiscreme durch die Verbreitung von Party-Fotos in den Sozialen Netzwerken prächtige Promotion erhalten. Ein guter Deal?

Nicht für Nicci. Für den Kalifornier ist klar: «Ich kann das nicht tun, ich kann nicht umsonst arbeiten.» Die Anfrage in der vergangenen Woche sei nicht der erste Versuch gewesen, von Niccis Arbeit ohne Bezahlung zu profitieren. In der Vergangenheit habe er ähnliche Anfragen von Influencern manchmal ironisch beantwortet – oder einfach ignoriert.

Ein Schild gegen Influencer

Diesmal nicht: Nicci baute ein Schild mit dem Schriftzug «INFLUENCERS ZAHLEN DAS DOPPELTE» – und veröffentlichte ein Foto von sich mit dem Schild.

Wo? Natürlich auch auf Instagram.

Und er schrieb dazu: «Es ist uns wirklich egal, ob du ein Influencer bist oder wie viele Follower du hast.» Und weiter: «Wir werden dir nie ein kostenloses Eis geben, wenn du es gegen einen Beitrag auf deiner Social Media-Seite eintauschst. Es ist buchstäblich ein 4-Dollar-Gegenstand... nun, jetzt sind es acht Dollar für dich.» Dazu setzte Nicci den Hashtag #InfluencersAreGross.

Nicci misstraut den schönen Follower-Zahlen, die Influencer ihm versprechen. Womöglich zu Recht: Immer wieder gibt es Fälle, bei denen bekannt wird, dass namhafte Influencer Follower gekauft haben – also Geld für Bots ausgegeben haben, die ihnen in den Sozialen Netzwerken folgen, aber tatsächlich gar keine echten Menschen sind.

Instagram selbst will gegen solche Fälle vorgehen: Im Dezember kündigte das Unternehmen, das zu Facebook gehört, an, härter gegen Drittanbieter-Apps vorzugehen, mit denen der Aufbau einer Fake-Community möglich war.

Nicci betreibt seit fünf Jahren sein Eiscreme-Unternehmen. Und ist – so schreibt Vice – überaus erfolgreich: In der lokalen Gastro-Szene wird Nicci mit Preisen überhäuft, auch Promis wie Bill Murray sind Fans von Niccis Kreationen.

Zahlende Kunden hat der US-Amerikaner also reichlich, doch etwas fällt ihm auf.

«Es ist offensichtlich, dass wir ein erfolgreiches Geschäft betreiben, aber ich habe viele junge Leute getroffen, die Dinge wie ‹Ich bin überrascht, dass du nur 5'000 Anhänger hast› sagten.»

Nicci meint dazu: «Was spielt das für eine Rolle? Vor meinem Truck steht eine lange Schlange mit Kunden, die bis zum Ende der Strasse reicht. Wenn Instagram morgen abgeschaltet wird, würde ich immer noch existieren. Es macht für mich keinen Sinn, dass die Menschen so sehr von dieser Zahl (der Follower, Anm. d. Red.) interessiert sind.»

(pb)

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