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Attorney General Jeff Sessions testifies during a House Judiciary Committee hearing on Capitol Hill, Tuesday, Nov. 14, 2017, in Washington. (AP Photo/Carolyn Kaster)

Jeff Sessions vor dem Justizausschuss des US-Kongresses am Dienstag.  Bild: AP/AP

Das wundersame Gedächtnis des Jeff Sessions – ein unvergessliches Drama in 3 Akten

Der US-Justizminister kann sich plötzlich an ein Treffen erinnern, von dem er Wochen zuvor noch nichts wissen wollte. 



Das Treffen mit Papadopoulos

März 2016: Im Trump Tower in Manhattan trifft sich Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit seinem Wahlkampfteam. Am Tisch sitzt unter anderem ein gewisser George Papadopoulos.

Der 30-jährige US-Grieche versucht in der hitzigen Wahlkampfphase Trumps Team mit den Russen in Verbindung zu bringen. An jenem Treffen im März 2016 schlägt Papadopoulos ein Treffen zwischen Trump und hochrangigen Vertretern des Kremls – sogar mit Wladimir Putin – vor.

Papadopoulos hat zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit Russen, die ihm unter anderem belastende Emails gegen Hillary Clinton versprechen. In London trifft er sich mehrmals mit einem russischen Professor, der enge Kontakte zum Kreml hat und ihm «Schmutz» über Hillary Clinton verspricht.

Mit am Tisch sitzt damals auch der heutige Justizminister Jeff Sessions.

In this photo from President Donald Trump's Twitter account, George Papadopoulos, third from left, sits at a table with then-candidate Trump and others at what is labeled at a national security meeting in Washington that was posted on March 31, 2016. Papadopoulos, a former Trump campaign aide belittled by the White House as a low-level volunteer was thrust on Oct. 30, 2017, to the center of special counsel Robert Mueller’s investigation, providing evidence in the first criminal case that connects Trump’s team and intermediaries for Russia seeking to interfere in the campaign. (Donald Trump's Twitter account via AP)

Treffen im Trump Tower: Jeff Sessions ganz links, zwei Plätze neben ihm George Papadopoulos. Bild: AP/Donald Trump's Twitter account

Sessions erinnert sich an nichts

Januar 2017: Donald Trump ist mittlerweile gewählt worden. Als designierter Minister des neuen Präsidenten-Teams sagt Jeff Sessions bei seiner Anhörung aus, er habe sich während des Wahlkampfes nicht mit russischen Vertretern getroffen. 

Doch das stimmt so nicht. Im Juni gibt der Justizminister nämlich zu, dass er sich zweimal mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen habe. Nur: Er möge sich nicht so genau an die Inhalte der Gespräche erinnern. 

FILE - In this Monday, July 17, 2017 file photo, Russian Ambassador to the U.S. Sergei Kislyak arrives at the State Department in Washington to meet with Undersecretary of State Thomas Shannon.  The Russian ambassador to the United States, Sergei Kislyak, a prominent figure in the controversy over Russia's possible involvement in the 2016 U.S. presidential election, has ended his assignment in Washington. The Russian Embassy in Washington announced on Twitter that Kislyak's tenure ended on Saturday, July 22, 2017.  (AP Photo/Carolyn Kaster, File)

Der russische Botschafter Sergej Kisljak: Während des Wahlkampfes traf er sich mit Jeff Sessions.  Bild: AP/AP

Die Kontakte zu Kisljak gibt Sessions also zu. Aber von einem weiteren Treffen von Trumps Wahlkampfteam mit den Russen will er vorerst nichts wissen. «Ich glaube nicht, dass es passiert ist», sagt Sessions unter Eid.

Die Erinnerungen sind plötzlich wieder da

14. November 2017: Jeff Sessions muss vor dem Justizausschuss des US-Kongresses seine Rolle als aussenpolitischer Berater im Wahlkampfteam von Trump erklären – und plötzlich passiert Wundersames. Denn der Justizminister kann sich nun doch an ein Treffen erinnern, bei dem Kontakte zu Russland besprochen wurden.

Eingefallen sei ihm dies, als der inzwischen wegen Meineid angeklagte George Papadopoulos aussagte, ein solches Gespräch habe stattgefunden. 

Papadopoulos log das FBI unter Eid an und wurde im Juli verhaftet. Seither kooperiert er mit Sonderermittler Robert Mueller und gab unter anderem zu, dass er Trump und Sessions erzählt habe, dass er einen Kontakt habe, der ein Treffen mit Putin organisieren könnte. 

Sessions sagt am Dienstag: «Ich erinnere mich jetzt an das Treffen im Trump Hotel im März 2016, an dem Herr Papadopoulos teilgenommen hat, aber ich habe keine klare Erinnerung an die Einzelheiten dessen, was er auf diesem Treffen gesagt hat.»

Er habe jedoch, so meint sich Sessions zu erinnern, Papadopoulos gesagt, dass ein Treffen mit der russischen Regierung nicht erlaubt sei. Auf jeden Fall habe er den Vorschlag von Papadopoulos abgelehnt. 

Und wie erklärt sich Sessions, dass er sich erst jetzt wieder an das Treffen erinnern kann? «Keiner von euch war Teil der Trump-Kampagne. Es war eine brillante Kampagne in vielerlei Hinsicht, aber es war ein Chaos jeden Tag ... Schlaf war knapp, und ich war immer noch ein Vollzeit-Senator», so der Justizminister.

Gelogen habe er jedenfalls nie, meint Sessions, er habe sich stets ehrenhaft und konsequent verhalten. Das gelte auch für die Treffen mit Kisljak, schliesslich habe er ja nicht gesagt, dass er sich «nie in seinem Leben» mit Russen getroffen habe.

Nach diesen denkwürdigen Aussagen des US-Justizministers fragt sich die «Washington Post»: «Hat Jeff Sessions etwa das schlechteste Gedächtnis der Welt, oder was?» Und falls ja: Sollte er dann wirklich diesen Job haben?

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Video: watson

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