Das TACO-Trump-Muster im Fall Minneapolis – in 4 Akten
Nun soll es also Tom Homan richten. Der Berater von Donald Trump hat am Dienstag in Minneapolis das Kommando über die Einwanderungspolizisten übernommen, die in der Metropole stationiert sind. Homan löst Greg Bovino ab, dessen Verhalten nach der Erschiessung des amerikanischen Staatsbürgers Alex Pretti am Wochenende scharf kritisiert worden war. Obwohl auch Homan in der Migrationspolitik ein Hardliner ist, soll er die Wogen glätten.
Diese Entscheidung Tumps folgt einem Muster, das politische Krisen in seiner Amtszeit prägt. Trump lotet immer wieder aus, wie weit er gehen kann – wenn er aber an die Grenzen seiner Macht stösst, bläst er jeweils zum Rückzug. Eine Fallgeschichte in vier Akten.
Akt 1: Trump legt den Finger auf einen wunden Punkt
Der amerikanische Präsident besitzt ein seltenes politisches Talent. Er ist begabt darin, ein Problem zu identifizieren, das seine Gegner ignorieren wollen. Im Fall Minnesota war das: Ein riesiger Sozialhilfe-Betrug, an dem amerikanische Staatsbürger mit Wurzeln in Somalia federführend beteiligt waren. Aus Rücksicht auf eine wichtige Wählergruppe waren die lokalen, von den Demokraten dominierten Behörden gegen diese Betrügereien nicht umgehend vorgegangen. Im November 2025 griff Trump dieses Thema auf, verknüpfte es mit seinem Hass gegen gewisse dunkelhäutige Migranten aus Afrika, und startete eine Kampagne.
Akt 2: Trump mobilisiert den Staatsapparat
In seiner zweiten Amtszeit gibt es im Umfeld des Präsidenten fast keine Berater mehr, die offen Widerspruch üben. Also traten seine Mitstreiter in Aktion, kaum hatte der Präsident das Signal gegeben, dass er nun Minnesota im Visier habe.
Im Dezember 2025 begann die «Operation Metro Surge», ein massiver Einsatz der Migrationsbehörden in Minneapolis und der Nachbarstadt St. Paul. Anfang Jahr waren schliesslich bis zu 3000 Angestellte der Polizeikräfte ICE und CBP in den «Twin Cities» stationiert.
Akt 3: Die Exzesse häufen sich
Das Kommando dieser einmaligen Aktion übernahm Greg Bovino, der sich in den Augen von Trump zuvor schon in Los Angeles und Chicago bewährt hatte – obwohl Bovino im Organigramm des Grenzwachtkorps eigentlich gar keine Führungsposition innehat.
Bovino aber wirkte dynamisch. Er sah aus wie ein Sheriff aus einem Western (oder wie ein Gruppenführer in einem Kriegsfilm), wenn er mit seinen Männern durch die Grossstadt-Strassen marschierte und willkürlich Menschen nach ihrem Aufenthaltsstatus fragte. Das gefiel Trump, der sich gerne zum Chef-Polizisten stilisiert.
Natürlich löste dieses provokative Auftreten Bovinos umgehend Gegenproteste aus. Diese waren eigentlich gewollt – wenn der politische Gegner Parolen wie «Schafft ICE ab!» schreit, klingt Trump für viele Wähler wie die Stimme der Vernunft.
Aber in Minneapolis geriet die Situation ausser Kontrolle, und zwar spätestens mit der Erschiessung von zwei Demonstranten durch Beamte des Sicherheitsministeriums. Die Fernsehbilder der gewalttätigen Bundespolizisten gingen um die Welt.
Akt 4: Trump krebst zurück
Auch der mächtigste Fernseh-Konsument in den USA bekam die schockierenden Aufnahmen zu Gesicht. Nach der Erschiessung von Renee Good entschuldigte Trump das Verhalten seiner paramilitärischen Spezialtruppe noch. Als dann am Samstag Alex Pretti mit Schüssen in den Rücken getötet wurde, und erneut ein Sturm der Entrüstung durchs Land fegte, da geriet auch Trump ins Grübeln.
Das ganze Wochenende über, so heisst es in Washington, habe der Präsident mit nervösen republikanischen Verbündeten telefoniert und sich die Erklärungsversuche seiner Berater angehört. In diesen Gesprächen spielten auch die Fernsehbilder aus Minneapolis, die chaotische Szenen zeigten, eine wichtige Rolle. Während Trumps Berater sagten, sie hätten die Lage unter Kontrolle, sah er mit eigenen Augen, dass dies nicht stimmte.
Am Montag machte Trump deshalb einen Rückzieher. D ieses nicht zum ersten Mal zu beobachtende Verhalten brachte ihm den Spitznamen TACO-Trump ein (TACO für Trump Always Chickens Out = Trump krebst immer zurück). Im Fall Minneapolis wurde Bovino degradiert und durch Homan ersetzt. Künftig muss er wieder seinen Brotberuf als Grenzwächter ausüben. Ein klassisches Bauernopfer also – ein Staatsangestellter, der im Auftrag des Präsidenten handelte, dabei aber die Kontrolle verlor.
Und Trump? Der sucht im Weissen Haus wohl bereits nach dem nächsten politisch heissen Eisen, das er für eine Kampagne nutzen kann. (aargauerzeitung.ch)
