International
USA

38,4 Grad Wassertemperatur im Atlantik vor Florida gemessen

Florida, Upper Key Largo, Aerial of Baker Cut, Everglades National Park. (Photo by: Jeffrey Greenberg/Universal Images Group via Getty Images)
Die Gewässer nördlich von Key West.Bild: Universal Images Group Editorial/gettyimages

Trauriger Rekord: 38,4 Grad Wassertemperatur im Atlantik vor Florida gemessen

26.07.2023, 15:3026.07.2023, 16:33
Mehr «International»

Am Montagabend (Ortszeit) betrug die Wassertemperatur im Süden Floridas stellenweise über 38 Grad Celsius. Dies berichteten mehrere US-Medien.

Bild

Um etwa 19.00 Uhr Ortszeit hat eine Messboje nördlich der Florida Keys eine Rekordtemperatur von 38,4 Grad Celsius oder 101 Grad Fahrenheit gemessen. Während Meteorologen vorerst von einem Defekt der Boje ausgingen, zeigten Auswertungen umliegender Bojen, dass diese ähnlich hohe Temperaturen gemessen hatten, schreibt Jeff Berardelli, Wetterexperte beim amerikanischen Medium Channel 8.

Sollten sich diese Messungen bestätigen, würden sie den bisherigen Weltrekord für die Oberflächen-Meerestemperatur (37,6 Grad Celsius, Bucht von Kuwait) übertrumpfen, so Berardelli.

Die Messwerte der besagten Boje. Die Zeiten sind in Schweizer Zeit angegeben.
Die Messwerte der besagten Boje. Die Zeiten sind in Schweizer Zeit angegeben.bild: kachelmannwetter.com

Allerdings könnte es durchaus sein, dass die Messwerte nicht «zählen»: Die Gewässer in der Bucht von Florida sind sehr seicht und der Untergrund ist schlammig, wodurch er Wärme von Sonnenlicht gut absorbiert. Die Temperaturen schwanken demnach stark abhängig von der Sonneneinstrahlung. Zudem geht aus einem wissenschaftlichen Paper von 2009 hervor, dass die dortigen Gewässer anfällig für Verschmutzung sind, wodurch bei den Bojen Messfehler im Bereich von bis zu einem Grad Celsius entstehen können.

Nichtsdestotrotz sind Temperaturen jenseits von 35 Grad Celsius an der Meeresoberfläche der Bucht von Florida ausserhalb der Normwerte, so Berardelli. Normalerweise werden um diese Jahreszeit Werte von rund 30 Grad gemessen – jetzt sind die niedrigsten Messwerte im Bereich von 32 Grad.

Korallen leiden unter der Wärme

Während sich Strandbesucher über die warme See freuen dürften, gehört die lokale Unterwasser-Fauna zu den grossen Verlierern des Temperatur-Hochs. Besonders Korallen leiden unter dem warmen Wasser.

Seit den 1970ern ist der Anteil an Meeresboden vor Florida, der von Korallen bedeckt ist, von 40 Prozent auf drei Prozent gesunken. Die noch vorhandenen Bestände bleichen zunehmend aus und sterben ab.

Warum werden Korallen weiss, wenn es zu warm ist?
Korallen haben eine symbiotische Beziehung mit Algen. Diese leben in und an der Aussenseite der Korallen, verleihen ihnen ihre typischen Farben und stellen gleichzeitig das Hauptnahrungsmittel für die bunte Pflanze dar. Wird das symbiotische Verhältnis durch Veränderungen in der Umwelt gestört (zu viel Sonnenlicht, Temperaturänderungen, Stürme oder Verschmutzung), verlassen die Algen die Koralle. Somit verliert diese einen Grossteil ihrer Energiezufuhr und ihre Farbe – und wird zudem anfälliger für Krankheiten.

Mehrere Korallenriffs-Wiederherstellungsprojekte sind zurzeit bei den Florida Keys im Gange – doch nun scheint es, als sei diese Arbeit umsonst. Seit neun Wochen hat eine Hitzewelle die Region über dem Atlantik südlich von Florida im Griff. Die Wetter- und Ozeangeografiebehörde der USA, die NOAA, hat einen Alarm Stufe 2 ausgerufen, die höchste Alarmstufe für Korallenbleiche.

Während durchaus eine Teilschuld an der übermässigen Erwärmung gewissen leichten Winden und überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung zugeschoben werden kann, so ist es schlussendlich doch der Klimawandel, der verantwortlich ist, so Channel 8.

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich die durchschnittliche Temperatur des Atlantiks um rund ein Grad Celsius erhöht; im Golf von Mexiko, zu dem auch die Bucht von Florida gehört, erhöht sich die Oberflächentemperatur gar doppelt so schnell. Laut Berardelli gehen Wissenschaftler davon aus, dass bis 2050 rund 95 Prozent aller tropischen Korallen abgestorben sind.

(cpf)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
38 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Aspirin
26.07.2023 17:37registriert Januar 2015
„Während sich Strandbesucher über die warme See freuen dürften,“
Also entweder Meer oder Badewanne, aber nicht beides gleichzeitig. Mir tun die Tiere leid.
416
Melden
Zum Kommentar
avatar
@Jeff
26.07.2023 16:30registriert Juli 2023
"Seit den 1970ern ist der Anteil an Meeresboden vor Florida, der von Korallen bedeckt ist, von 40 Prozent auf drei Prozent gesunken. Die noch vorhandenen Bestände bleichen zunehmend aus und sterben ab."

Kann man wahrscheinlich nicht mehr retten dort, wenn jetzt schon 90% vernichtet sind. Wundert mich, dass man trotzdem Wiederherstellungsprojekte macht - aber die Hoffnung stirbt zuletzt
386
Melden
Zum Kommentar
avatar
Der Buchstabe I (Zusammenhang wie Duschvorhang)
26.07.2023 17:37registriert Januar 2020
War gerade letzte Woche noch in Key West. Das Meer war wirklich unfassbar warm. Beim Rifftauchen fühlte ich mich, als würde ich über eine weisse Wüste gleiten. Alles abgestorben und verbleicht. Es ist wirklich traurig, die Natur so zu sehen.
2621
Melden
Zum Kommentar
38
Gericht ordnet Untersuchungshaft für Fico-Attentäter an

Der Angreifer des lebensgefährlich verletzten slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico kommt in Untersuchungshaft. Das entschied das für organisierte und politisch motivierte Verbrechen zuständige Spezialgericht am Samstag in der westslowakischen Stadt Pezinok, wie Gerichtssprecherin Katarina Kudjakova der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Grund dafür seien Fluchtgefahr und das Risiko weiterer Gewalttaten. Der Beschuldigte kann gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen.

Zur Story