Egal, wie dekadent deine Geschenke waren, Trumps waren dekadenter
Ich hoffe, du hast besinnliche Weihnachtstage verbracht – und unter Umständen sogar das eine oder andere Geschenk erhalten. Vielleicht war dein grösstes Geschenk die gemütliche Zeit mit deinen Liebsten, der Ausstieg aus dem Hamsterrad, die sanfte Verstopfung nach einem halben Kilo moitié-moitié.
Doch egal, wie echt die Freude war. Keine Freude war echter als die von Donald Trump. Für ihn und seine Gefolgsleute ist das ganze Jahr Weihnachten. Immer wieder trudeln Geschenke ein. Man beschenkt ihn einfach gerne.
Und während viele von uns bei der Bescherung nonchalant über die Weihnachtsgeschichte hinwegsehen, ignoriert der aktuelle US-Präsident grosszügig den Paragraphen 7342 im Unterkapitel IV im 73. Kapitel des Untertitels F des dritten Abschnitts des Titels 5 des Bundesrechts der Vereinigten Staaten. Wer will es denn auch so genau nehmen, yada, yada, yada.
Dort, im Paragraph 7342, würde theoretisch geregelt, wie der Präsident und Bundesangestellte mit Geschenken umzugehen haben. Vereinfacht zusammengefasst: Geschenke von Ausländern, die einen Wert von (aktuell) 480 Dollar übersteigen, müssten deklariert und der Öffentlichkeit ausgehändigt werden. Aber eben. Yada, yada, yada.
Die fröhliche Bescherung begann im Februar. Israels Premierminister Netanjahu beschenkte Donald Trump mit einem goldenen Pager – eine Anspielung auf eine Geheimdienstoperation, bei welcher beinahe 3000 Hisbollah-Mitglieder mit Sprengstoff versetzten Funkempfängern verletzt wurden.
Laut CNN soll sogar Donald Trump das Geschenk als etwas geschmacklos empfunden haben. Auch das zweite unbezahlbare Präsent, der Weltmeistergürtel des ukrainischen Schwergewichtsboxers Usyk, traf nicht in Trumps Geschmackszentrum. Das legendäre Treffen artete zum öffentlichen Schlagabtausch aus, bei dem vor allem Vizepräsident Vance mit Schlägen unter die Gürtellinie auffiel.
Besser machte es der russische Präsident Wladimir Putin im März. Trump sei von seinem Geschenk sichtlich gerührt gewesen, berichtet US-«Verhandler» Steve Wittkof. Er überbrachte Putins Präsent. Es handelte sich dabei um ein Ölgemälde des russischen Künstlers Nikas Safronow. Es zeigt einen blutverschmierten und schlanken Trump nach dem Attentatsversuch während des Wahlkampfs.
Ebenfalls im März erhielt Donald Trump vom irischen Premierminister Micheál Martin eine mit Klee gefüllte Glasschale von Waterford.
Steil nach oben ging es mit der Schenkerei im Mai. Von Kanadas Golfschlägern, die Trump überreicht wurden, existieren keine Bilder, die wir verwenden dürfen. Sie dürften ohnehin schnell in Vergessenheit geraten sein, denn im selben Monat erhielt der US-Präsident von Katar ein Flugzeug im Wert von 400 Millionen.
Das Geschenk erregt viel Aufsehen. Donald Trump sagte später, das Flugzeug werde am Ende seiner Präsidentschaft an die Trump Presidential Library Foundation übergeben. In den Präsidentenbibliotheken werden die Amtszeiten dokumentiert. Sie sind einer Behörde angegliedert und öffentlich zugänglich. Im Gegenzug erhielt Qatar Sicherheitsgarantien der USA und Pläne für Wirtschaftsdeals über 1,2 Billionen Dollar.
Im Juni erhielt Trump von Bundeskanzler Merz eine in Gold eingerahmte Geburtsurkunde seines Grossvaters Friedrich, der von Deutschland in die USA ausgewandert war.
Im August überreichte der Vorstand der Olympischen Spiele 2028 in LA dem Präsidenten einen kompletten Medaillensatz und eine südkoreanische Delegation überraschte den Präsidenten mit einen Golf-Putter mit eingraviertem Namen und den Nummern 45 und 47.
Wie wir später noch sehen werden, lässt die internationale Absprache zu wünschen übrig. Auch Schottland fiel nichts besseres ein als eine Ahnenurkunde (von Trumps Mutter) und der ukrainische Präsident Selenskji beschenkte Trump mit einem weiteren Golf-Schläger. Dieser hatte zuvor Kostiantyn Kartavtsev gehört, einem Soldaten, der im Kampf gegen die russischen Besatzer ein Bein verlor.
Die Reaktion aus Russland erfolgte sogleich. Aus Moskau traf ein eingerahmtes Foto von Wladimir Putin zusammen mit Donald Trump ein: «Er werde es signieren und dann wieder zurückschicken», behauptete Trump. Ob er den Ibrahimovic-Move durchzog, ist nicht bekannt.
Auch Apple wollte dem Präsidenten noch im August huldigen. Der Tech-Gigant machte das mit einer gravierten Glasscheibe – die in einen massiven 24-Karat-Goldständer eingearbeitet wurde. Subtil.
Im September beschenkte König Charles den nimmersatten US-Präsidenten mit einer Urkunde. Das ist fast schon ein Schlag ins Gesicht, denn Trump und Melania waren auf Visite bei der britischen Königsfamilie. Von weiteren Geschenken gibt es im September keine Berichte. Das war kein ertragreicher Monat.
Besser erging es Trump auf seiner Asientour im Oktober. Vorher kriegte er noch eine Friedensnobelpreis-Nomination von Argentiniens Präsidenten Javier Milei. Die kostete zwar nichts, bedeutete dem US-Präsidenten aber die Welt. Danach stieg er in den Flieger Richtung Japan.
Von der neuen Premierministerin Sanae Takaichi gab es eine neue Golftasche, signiert von Golfprofi Hideki Matsuyama. Diese kam nicht leer. Sie war bestückt mit einem Putter, der einst Japans Ex-Premier Shinzo Abe gehörte. Von seiner ersten Amtszeit sollte Trump eigentlich noch ein undeklariertes Schläger-Set in Gold in Mar-a-Lago herumliegen haben.
Die Vorlage Japans übertrumpfte einen Tag später Südkorea. Präsident Lee Jae Myung wartete beim Besuch von Trump mit einer zeremoniellen goldenen Krone auf – und einer Ehrenmedaille. Danach war der Oktober aber auch schon wieder vorbei.
Im November zeigte die Schweiz, was echte Ehrenmänner sind. Eine Delegation aus Wirtschaftsführern schaffte das Unmögliche: Sie belud das Weisse Haus mit noch mehr Gold. Dem Präsidenten wurde ein speziell designter Goldquader im Wert von 125'000 Dollar überreicht – und eine Tisch-Rolex. Trump leitete darauf ein, die Importzölle von Schweizer Waren von 39 auf 15 Prozent zu senken.
Wie sehr die Schweizer Delegation das Geschmackszentrum des Präsidenten traf, beweisen aktuelle Fotos. Der 1-Kilo-Goldquader aus Schweizer Manufaktur zierte am 12. und auch am 15. Dezember noch immer Trumps Schreibtisch. Die goldene Rolex ist hingegen verschwunden. Wohin, das ist aktuell nicht bekannt.
Bereits während Trumps erster Amtszeit verschwanden diverse Geschenke, die eigentlich deklariert hätten werden sollen. Eine Untersuchung ergab, dass Trump und seine Familie damals 117 Präsente von ausländischen Würdenträgern im Wert von 290'000 Dollar unterschlugen. Darunter auch das erwähnte goldene Golf-Set von Shinzo Abe, einen Dolch aus Elfenbein (Wert: 35'000 Dollar), Schwerter und Dolche aus Bahrain und Saudi-Arabien, einen Wintermantel (3000 Dollar) und vieles mehr – sämtliche Businessdeals, welche der Trump-Organisation versprochen wurden, nicht eingerechnet. Ob auch die Schweizer Geschenke den undeklarierten Weg einschlagen, wird sich zeigen.
