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Warum Donald Trump Putin schätzt und Karin Keller-Sutter verhöhnt

Darum schätzt Trump Wladimir Putin – und darum verhöhnt er Karin Keller-Sutter

Trump scheint oft widersprüchlich zu handeln. Zwei Experten zeigen auf, dass hinter allem scheinbaren Chaos ein grosses Ziel steht.
26.01.2026, 10:1426.01.2026, 10:53
Niklaus Vontobel / ch media

Bei Trump scheint sein Handeln oft wenig Sinn zu ergeben. Oder gar keinen. Oder es wirkt wirr, wie die Launen eines eitlen, alten Mannes, der vielleicht nicht mehr ganz richtig im Kopf ist. Es ist scheinbar wie bei Shakespeare «voller Lärm und Wut, die Geschichte eines Idioten, die nichts bedeutet».

A Secret Service agent stands watch as President Donald Trump arrives at a dedication ceremony for a portion of Southern Boulevard, which the Town of Palm Beach Council recently voted to rename, &quot ...
Mag es royal-golden: Trump bei sich in seinem Mar-a-Lago Club in Palm Beach, Florida.Bild: keystone

So hat Trump etwa Bundesrätin Karin Keller-Sutter am World Economic Forum (WEF) verhöhnt. «Sehr repetitiv» sei «die Frau» gewesen, die ihn am Telefon dazu bringen wollte, die US-Zölle zu senken. «Nein, nein, nein, das können Sie nicht tun», habe sie wieder und wieder gesagt. «Sie hat mich einfach genervt.» Also habe er die Zölle noch weiter erhöht.

WEF: Trump kritisiert Karin Keller-Sutter

Video: watson/Elena Maria Müller

Damit hat Trump zugegeben, dass die USA ihre Zölle beliebig heben und senken, je nach Gemütszustand des Präsidenten. Er hat damit sogar vor aller Welt geprahlt. Und er hat obendrein eine Schweizer Bundesrätin verspottet – während er Gast der Schweiz war. Was hat er davon? Was haben die USA davon? Es wirkt widersinnig. Trump, der Unerklärliche.

In Wahrheit agiert Trump jedoch nicht wirr. Er hält sich lediglich nicht an die Logik der liberalen Weltordnung. Er folgt einer jahrhundertealten Logik, welche die geschichtsvergessene westliche Welt nicht mehr erkennt.

«Neo-Royalismus» sei das, sagen die US-Politikwissenschaftler Stacy Goddard und Abraham Newman in einem vielbeachteten Essay. In dieser von Trump angestrebten Weltordnung dominieren hyperelitäre Clans, Cliquen oder Dynastien. Wie die Tudors, Medicis oder Habsburger. Organisiert sind sie um Überfiguren herum, «die für sich uneingeschränkte Herrschaftsgewalt beanspruchen.» King Donald.

In diesem Royalismus dreht sich für Trump alles um ihn selbst, seine Macht, sein Reichtum. Die Souveränität anderer Länder respektiert er nicht, er mischt sich ein und bricht frühere Vereinbarungen. Gleichwertig sind für ihn nur andere grosse Cliquen. Der Rest ist «ungleich und verdient keine Anerkennung».

Mit diesem Erkläransatz ist Trump nicht mehr widersprüchlich, dumm oder gar dement. Nicht mehr unerklärlich. Aber umso gefährlicher für Demokratien.

Der royale Trump wählte für seinen ersten Staatsbesuch nicht das demokratisch regierte Europa aus wie es vor ihm Tradition war. Er reiste zu den dynastischen Herrschern im Nahen Osten. Nach Katar. Nach Saudi-Arabien. Von diesen echten Monarchen, Königen oder Prinzen wurde Trump laut Experten behandelt «wie ein König», Flugzeug-Geschenk und mobile McDonald's-Filiale inklusive.

Trump hat eine vermeintlich unerklärliche Schwäche für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Tatsächlich ist Putin für ihn wie das Oberhaupt einer rivalisierenden, aber gleichgestellten Clique.

epa12675325 Russian President Vladimir Putin (C) visits the Moscow Institute of Physics and Technology (MIPT) in Dolgoprudny, Moscow Region, Russia 23 January 2026. EPA/ALEXANDER KAZAKOV / SPUTNIK / K ...
Kreml-Chef Wladimir Putin.Bild: keystone

Denn Putin spricht zwar davon, die Sowjetunion zurückbringen zu wollen. Aber in Russland hat er ein System der Bereicherung errichtet, das ihn zum wahrscheinlich reichsten Mann der Welt macht. Somit ist er für Trump ein Verbündeter. Beide wollen Macht für den eigenen Clan. Beide wollen die liberale Ordnung weghaben.

Royaler Trump beschimpft die EU als «Feind» und «Betrug»

Deshalb spricht Trump so scheinbar seltsam über die Verhandlungen zur Ukraine zwischen den USA und Russland – über die Köpfe der Ukrainer und Europäer hinweg: «Ich glaube, Putin will für mich einen Deal machen.» Für Trump ist es ein Geschäft zwischen zwei ebenbürtigen Clans.

Die EU ist hingegen eine Gegenordnung zu Trumps Royalismus. Gleiche Regeln für alle. Gleiche Rechte für alle. Deshalb ist sie ein Gegner im Kampf der Weltordnungen: Liberal versus Royal. Entsprechend muss Trump die EU schlecht machen und ihre politischen Vertreter verhöhnen.

Trump hat die EU schon als «Feind» und «Betrug» bezeichnet. Sein Vizepräsident JD Vance die Europäer «erbärmlich» genannt. Am WEF ätzte Trump: «Es ist schrecklich, was sich die Europäer selbst antun. Sie zerstören sich selbst, diese wunderschönen Orte.»

Die Vertreter der EU gehören in der Regel nicht royalen Cliquen an, weshalb Trump sie ohnehin nicht ernst nimmt und gerne verhöhnt. Trump sendet damit zudem ein Signal an Politiker in aller Welt aus: Ihr internationaler Status hängt nicht von ihrem Amt ab. Entscheidend ist ihre Beziehung zu ihm und seiner Clique.

Keller-Sutter hatte offensichtlich keine besondere Beziehung zur Trump-Clique und gehörte auch nicht einer rivalisierenden Clique an. Als eine solche hätte Trump sie vielleicht anerkannt. So aber war sie für ihn wie alle anderen demokratisch gewählten Politiker «ungleich und verdiente keine Anerkennung».

epa12671034 Switzerland's Economy Minister Federal councillor Karin Keller-Sutter reacts during the 56th annual meeting of the World Economic Forum (WEF), in Davos, Switzerland, 22 January 2026.  ...
Bundesrätin Karin Keller-Sutter.Bild: keystone

Nato-Chef Mark Rutte hingegen steht anscheinend hoch in der Gunst von Trump. Unter anderem hat er sich diesen Status mit überschwänglichen Schmeicheleien erworben. In seiner royalen Weltordnung spricht Trump darum mit Rutte über Grönland, verkündet dann erst ein «Gerüst für einen künftigen Deal» und später: «Wir bekommen alles, was wir wollen.»

Schweizer Ressourcen zu Trump umgeleitet

In einer liberalen Weltordnung müsste Trump mit der dänischen Premierministerin sprechen. Sie müsste nicht klarstellen, wie sie es getan hat, dass Rutte kein Mandat hat, um für Dänemark zu verhandeln. Und der Regierungschef von Grönland müsste dem «Wall Street Journal» nicht sagen: «Ich weiss nicht, was in dem Deal über mein Land steht, über den in Gesprächen verhandelt wurde, an denen ich nicht teilgenommen habe.»

Die Schweiz hat Trumps neuen Royalismus vor allem im Zollstreit zu spüren bekommen. Die Zölle waren irrwitzig. Sie trafen auch eine menschenleere Pinguin-Insel, waren nach einer idiotischen Methode berechnet und brachen wahrscheinlich frühere Handelsabkommen der USA.

Doch für King Trump waren sie nur konsequent. Er knallte sie hin, die Welt musste damit leben. Er bekam Zugeständnisse, die Welt bloss wieder tiefere Zölle. Es ging nicht darum, den Welthandel gerechter zu machen. Nicht einmal darum, einen Vorteil für die USA herauszuholen.

«Der Handelskrieg ist ein auf willkürlichen Entscheiden basierendes Regime, das darauf abzielt, maximalen Reichtum für die Clique zu erzielen», so die Politikwissenschaftler. Seit Beginn seiner Wiederwahlkampagne habe sich sein Vermögen und das seiner Familie auf 5 Milliarden Dollar verdoppelt.

Der Schweiz drohten US-Zölle von über 30 Prozent. Die damalige Bundespräsidentin Keller-Sutter versuchte, Trump zu einer Senkung zu bewegen, verärgerte ihn aber, plötzlich waren es 39 Prozent. Es besserte erst nach einem mittlerweile berühmten Treffen im Weissen Haus: Trump empfing eine Gruppe von Schweizer Unternehmern. Auf Anfrage von CH Media sagt Politikwissenschaftler Newman, wie er diese Ereignisse deutet.

HANDOUT - Schweizer Wirtschaftsfuehrer mit Daniel Jaeggi, Mercuria, Alfred Gantner, Partners Group, Johann Rupert, Richemont, Jean-Frederic Dufour, Rolex, Marwan Shakarchi, MKS PAMP, sitzend von recht ...
Haben sich laut einem Experten «der royalistischen Logik gebeugt»: Schweizer Wirtschaftsführer bei Trump im Weissen Haus.Bild: MSC; ROLEX; PARTNERS GROUP; MERC

«Die Schweizer Unternehmen beugten sich der neo-royalistischen Logik und lieferten, nämlich Goldbarren und Rolex-Uhren.» Man kenne zwar den vollen Umfang der gemachten Versprechen nicht, aber die Schweizer Firmen hätten Investitionen in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar zugesagt. «Letztlich wurden Drohungen eingesetzt, um Ressourcen in die Hände der US-Regierung umzuleiten.» Sprich, in die Hände von Trump.

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Gurgelhals
26.01.2026 10:38registriert Mai 2015
Ich finde diese ständigen Thinkpieces von neunmalklugen Essayisten aus der US Medienbubble mittlerweile recht mühsam. Mit diesen fancy Begriffen, die man sich da jeweils aus den Fingern saugt, trägt man kaum mehr zu einem besseren Verständnis von diesem Typen bei, sondern mythologisiert ihn (ob gewollt oder ungewollt) erst recht zu etwas grösserem, mächtigerem & imposanterem, als er effektiv ist.

Es gibt in der Normalsprache genug Begriffe, um dessen Treiben adäquat zu beschreiben: Kleptokratie, Mafiastaat, Crony-Kapitalismus, Korruption, Gier, Kriminalität, Schamlosigkeit, Habsucht, usw.
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Nick Name
26.01.2026 10:43registriert Juli 2014
«Trump hat eine vermeintlich unerklärliche Schwäche für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.»

Ich verstehe nicht, warum diese Schwäche angeblich «vermeintlich unerklärlich» sein soll.
Und was der Artikel eigentlich für ein Ziel hat.

Ein Mensch, der dermassen ernsthaft einen «Neo-Royalismus» mit sich selbst im Zentrum verfolgt, hat bei allen Erklärungsversuchen einfach eine Ecke weg. Und nur das Ziel, sich und Seine zu bereichern mit Macht und Gold/Geld, und auf alle zu sch****en, die nicht nach seiner Pfeife tanzen.

Kurz: So oder so müssen alle, die Demokratie wollen, dagegen kämpfen.
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Fribourgeoise
26.01.2026 10:46registriert Dezember 2022
Ja, das Schweiz Bashing von Trump war echt daneben und Respektlos. Sowie so die ganze US Deligation. Anstand und Respekt kennt dieser Trump nicht. Und dennoch wird es Zeit einen Hacken dahinter zumachen. Ein Trump bleibt ein Trump und man kann von ihm nicht viel erwarten.
Und es nützt auch nichts wenn BR Permelin (SVP) ihm zu Füssen liegt und diese sanft und liebevoll zu küssen will. Die ganze SVP liegt Trump zu Füssen: Und was hat man bekommen? 15% Zoll um die man jeden Tag bitten und betteln muss, damit Trump nicht wieder seine Meinung ändert. Aber Rollex hat ja noch ein paar Uhren.
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