International
USA

Joe Kent trat in den USA wegen Iran-Krieg zurück – so erklärt er es

Director of the National Counterterrorism Center Joseph Kent looks on during a House Committee on Homeland Security hearing in the Cannon House Office Building near the U.S. Capitol in Washington, DC  ...
Joe Kent trat aus Protest gegen den Iran-Krieg zurück.Bild: www.imago-images.de

«Gab keinerlei Geheimdienstinformationen»: Joe Kent packt nach Rücktritt aus

Joe Kent trat aus Protest gegen Donald Trumps Krieg im Iran als Chef der US-Antiterror-Zentrale zurück. Nun äussert er in einem Interview weiter Kritik an der US-Regierung – währenddessen hat das FBI Ermittlungen gegen ihn aufgenommen. Eine Übersicht.
19.03.2026, 10:4819.03.2026, 12:18

Am Dienstag sorgte US-Politiker Joe Kent international für Schlagzeilen: Der Republikaner trat aus Protest gegen Donald Trumps Krieg im Iran als Chef der US-Antiterror-Zentrale zurück. «Ich kann diesen Krieg nicht mit gutem Gewissen unterstützen», so Kent auf X.

Am Mittwoch sprach Kent nun erstmals in einem Interview über die Hintergründe seines Rücktritts – mit dem umstrittenen US-Journalisten Tucker Carlson. Dieser galt lange Zeit als grosser Trump-Freund, ging in Bezug auf den Iran-Krieg zuletzt aber auf Konfrontationskurs mit dem US-Präsidenten. Im Interview erklärte Kent nun seine Beweggründe – eine Übersicht.

«Keine Hinweise» auf Bedrohung aus dem Iran

Die US-Regierung stellt den Angriff im Iran immer wieder als nötigen Akt der Selbstverteidigung dar. Aussenminister Marco Rubio sagte etwa, man sei im Wissen um einen Angriff Israels von einem Gegenangriff des Iran auf US-Ziele ausgegangen. Auch Trump selbst stellte den Iran als direkte Bedrohung für die USA dar. Man müsse die «unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime eliminieren», argumentierte er.

Kent sagt hingegen, eine solche Bedrohung habe nicht bestanden. «Es gab keinerlei Geheimdienstinformationen, die besagten, dass an einem gewissen Tag ein solcher Angriff erfolgen könnte», so Kent.

Auch die atomare Bedrohung aus dem Iran sei nicht besonders gross gewesen, sagte er weiter. Im Gegenteil: Der getötete Oberste Führer Ali Chamenei habe das Atomprogramm des Landes reduziert. «Ich bin kein Fan von Chamenei, aber er verhinderte, dass der Iran zu Atomwaffen kommt», erklärte Kent. Der Iran habe zwar nicht geplant, das Atomprogramm ganz aufzugeben. Nah am Bau einer Atombombe sei er aber definitiv nicht gewesen.

epa12801369 Protestors from various civil organizations gather outside the United States Consulate in Johannesburg, South Africa, 07 March 2026, in support of Iran in the ongoing conflict in the Middl ...
Ali Chamenei habe für die USA keine direkte Bedrohung dargestellt, sagt Kent.Bild: keystone

Trump liess kaum Gegenrede zu

Ein weiterer Kritikpunkt von Kent ist, dass Donald Trump bei seinem Beschluss kaum Widerrede zuliess. So sei es «vielen wichtigen Entscheidungsträgern nicht gestattet worden, ihre Meinung zu äussern», sagte Kent im Interview mit Carlson.

Gemäss Kent hätten zwar schon Diskussionen um einen Angriff im Iran stattgefunden. Diese seien jedoch hinter verschlossenen Türen abgehalten und keine abweichenden Meinungen zugelassen worden.

Ein hochrangiger Beamter des Weissen Hauses bestätigte gegenüber CNN, dass Kent tatsächlich von der Teilnahme an den Geheimdienstbriefings des Präsidenten ausgeschlossen worden sei. Unter anderem bei solchen, die sich auf den Iran bezogen.

President Donald Trump waves after arriving on Air Force One, Wednesday, March 18, 2026, at Joint Base Andrews, Md., after attending the casualty return at Dover Air Force Base, Del., for the six crew ...
Donald Trump soll bei der Iran-Debatte keine Gegenstimmen mehr zugelassen haben.Bild: keystone

Die Gründe für seinen Rücktritt

Wie schon in seinem Post auf X erklärte Kent, er könne den Krieg im Iran nicht unterstützen. Den Zeitpunkt seines Abgangs begründete er damit, dass er das Gefühl habe, nur auf diese Art gehört zu werden.

«Mir wurde am Wochenende bewusst, dass meine Botschaft einfach nicht ankam», so Kent. Wäre er weiter im Amt geblieben, hätte er zwar weiter versuchen können, etwas zu bewirken. Etwas erreichen hätte er damit aber gemäss seiner Einschätzung kaum können. «Meine Chancen, etwas zu unternehmen, werden unterdrückt, noch bevor meine Meinung das Weisse Haus erreicht», so der Republikaner.

Weiter habe er durch seinen Abgang die Möglichkeit für ein Gespräch mit Trump gehabt. Dieses sei «sehr respektvoll und freundlich» gewesen. «Es war nicht das beste Gespräch aller Zeiten, aber es lief relativ gut», so seine Einschätzung. Immerhin habe er ihm aber seine Sicht der Dinge darlegen können. «Er hat mir zugehört», sagte Kent. Er gehe davon aus, dass die Trennung im Guten erfolgt sei, und hoffe auf ein weiteres Gespräch mit dem Präsidenten.

FILE - Joseph Kent appears before a Senate Committee on Intelligence hearing for his pending confirmation to be director of the National Counterterrorism Center, on Capitol Hill, April 9, 2025, in Was ...
Joe Kent sah einen Rücktritt als letzte Option.Bild: keystone

FBI startet Ermittlung

Am gleichen Tag wie Kents Interview bahnte sich für den ehemaligen Antiterror-Chef Ärger an. Wie US-Medien berichten, ermittelt das FBI nun gegen den 45-Jährigen. Gegen ihn bestehe der Verdacht, geheime Informationen weitergegeben zu haben. Eine Quelle sagte NBC News, dass die Untersuchung bereits vor Kents Rücktritt geplant gewesen sei.

Wer ist Joe Kent genau?

Joe Kent wurde 2025 von Donald Trump zum Antiterror-Chef ernannt. Vor seiner Zeit als Politiker war er selbst Soldat und absolvierte elf Kampfeinsätze, viele davon im Irak. 2019 wurde Kents erste Ehefrau Shannon Smith bei einem Einsatz in der syrischen Stadt Manbij bei einem Selbstmordattentat getötet. In der Folge schrieb Kent Kolumnen für diverse Medien, in welchen er sich für Antiterror-Einsätze der USA im Nahen Osten aussprach.

Für seine jüngsten Äusserungen wird Joe Kent mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Schon in seinem X-Post schrieb er, die USA hätten auf Druck von Israel den Iran angegriffen und sprach von einer «mächtigen israelischen Lobby» in den USA. Auch in seinem Interview mit Carlson äusserte Kent Vorwürfe gegen Israel.

Mit dieser Rhetorik stiess Kent auch innerhalb seiner Partei auf Kritik: Der republikanische Senator Mitch McConnell schrieb auf Social Media, Kents Post enthalte «virulenten Antisemitismus». «Isolationisten und Antisemiten haben in unserer Partei und unserer Regierung nichts zu suchen», so McConnell.

Aussenpolitisch zählen sowohl Kent als auch Carlson zum isolationistischen Flügel der Republikanischen Partei. Diese ist durch den Iran-Krieg gespalten: Während viele aus Sicherheitsgründen den Krieg unterstützen, argumentieren andere, Trump würde damit sein zentrales Wahlversprechen brechen: Politik mit amerikanischen Bedürfnissen im Zentrum. (dab)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
35 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
FrankFTW
19.03.2026 11:00registriert November 2024
Das FBI hat Ermittlungen aufgenommen nach einem Tag. Gegen einen Kriegsveteran und Whistleblower.
Im Epstein Fall wurde selbst nach Jahren keine einzige Ermittlung aufgenommen gegen diese perversen Verbrecher.
1403
Melden
Zum Kommentar
avatar
H.P. Liebling
19.03.2026 11:09registriert September 2018
Hat er so geheime Infos weitergegeben, wie damals Whiskey-Pete Hegseth? Die waren dann ja auf einmal nicht mehr so geheim...
964
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gurgelhals
19.03.2026 11:06registriert Mai 2015
Kurz und gut: Hintergrund ist ein interner Machtkampf im MAGA-Regime, wo ein extremistischer MAGA-Verschwörungsideologe nun versucht, möglichst theatralisch und publikumswirksam seine Haut zu retten, weil er realisiert hat, dass der Führer schwach ist und den Karren immer weiter in den Dreck reitet.

Dies einfach bevor diesem Typen jetzt wieder Attribute wie "Anstand", "Ehre", oder "Mut" zugeschrieben werden. Weil: von denen hat nun wirklich niemand das Wohl der Welt im Blick.
717
Melden
Zum Kommentar
35
Nach Angriff auf Irans Gasindustrie droht weitere Eskalation – die neusten Entwicklungen
Nach Angriffen auf seine Gasindustrie droht der Iran im Krieg mit Israel und den USA, seinerseits Gasfelder und Raffinerien in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar zu attackieren.
Zur Story