«Gab keinerlei Geheimdienstinformationen»: Joe Kent packt nach Rücktritt aus
Am Dienstag sorgte US-Politiker Joe Kent international für Schlagzeilen: Der Republikaner trat aus Protest gegen Donald Trumps Krieg im Iran als Chef der US-Antiterror-Zentrale zurück. «Ich kann diesen Krieg nicht mit gutem Gewissen unterstützen», so Kent auf X.
Am Mittwoch sprach Kent nun erstmals in einem Interview über die Hintergründe seines Rücktritts – mit dem umstrittenen US-Journalisten Tucker Carlson. Dieser galt lange Zeit als grosser Trump-Freund, ging in Bezug auf den Iran-Krieg zuletzt aber auf Konfrontationskurs mit dem US-Präsidenten. Im Interview erklärte Kent nun seine Beweggründe – eine Übersicht.
«Keine Hinweise» auf Bedrohung aus dem Iran
Die US-Regierung stellt den Angriff im Iran immer wieder als nötigen Akt der Selbstverteidigung dar. Aussenminister Marco Rubio sagte etwa, man sei im Wissen um einen Angriff Israels von einem Gegenangriff des Iran auf US-Ziele ausgegangen. Auch Trump selbst stellte den Iran als direkte Bedrohung für die USA dar. Man müsse die «unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime eliminieren», argumentierte er.
Kent sagt hingegen, eine solche Bedrohung habe nicht bestanden. «Es gab keinerlei Geheimdienstinformationen, die besagten, dass an einem gewissen Tag ein solcher Angriff erfolgen könnte», so Kent.
Auch die atomare Bedrohung aus dem Iran sei nicht besonders gross gewesen, sagte er weiter. Im Gegenteil: Der getötete Oberste Führer Ali Chamenei habe das Atomprogramm des Landes reduziert. «Ich bin kein Fan von Chamenei, aber er verhinderte, dass der Iran zu Atomwaffen kommt», erklärte Kent. Der Iran habe zwar nicht geplant, das Atomprogramm ganz aufzugeben. Nah am Bau einer Atombombe sei er aber definitiv nicht gewesen.
Trump liess kaum Gegenrede zu
Ein weiterer Kritikpunkt von Kent ist, dass Donald Trump bei seinem Beschluss kaum Widerrede zuliess. So sei es «vielen wichtigen Entscheidungsträgern nicht gestattet worden, ihre Meinung zu äussern», sagte Kent im Interview mit Carlson.
Gemäss Kent hätten zwar schon Diskussionen um einen Angriff im Iran stattgefunden. Diese seien jedoch hinter verschlossenen Türen abgehalten und keine abweichenden Meinungen zugelassen worden.
Ein hochrangiger Beamter des Weissen Hauses bestätigte gegenüber CNN, dass Kent tatsächlich von der Teilnahme an den Geheimdienstbriefings des Präsidenten ausgeschlossen worden sei. Unter anderem bei solchen, die sich auf den Iran bezogen.
Die Gründe für seinen Rücktritt
Wie schon in seinem Post auf X erklärte Kent, er könne den Krieg im Iran nicht unterstützen. Den Zeitpunkt seines Abgangs begründete er damit, dass er das Gefühl habe, nur auf diese Art gehört zu werden.
«Mir wurde am Wochenende bewusst, dass meine Botschaft einfach nicht ankam», so Kent. Wäre er weiter im Amt geblieben, hätte er zwar weiter versuchen können, etwas zu bewirken. Etwas erreichen hätte er damit aber gemäss seiner Einschätzung kaum können. «Meine Chancen, etwas zu unternehmen, werden unterdrückt, noch bevor meine Meinung das Weisse Haus erreicht», so der Republikaner.
Weiter habe er durch seinen Abgang die Möglichkeit für ein Gespräch mit Trump gehabt. Dieses sei «sehr respektvoll und freundlich» gewesen. «Es war nicht das beste Gespräch aller Zeiten, aber es lief relativ gut», so seine Einschätzung. Immerhin habe er ihm aber seine Sicht der Dinge darlegen können. «Er hat mir zugehört», sagte Kent. Er gehe davon aus, dass die Trennung im Guten erfolgt sei, und hoffe auf ein weiteres Gespräch mit dem Präsidenten.
FBI startet Ermittlung
Am gleichen Tag wie Kents Interview bahnte sich für den ehemaligen Antiterror-Chef Ärger an. Wie US-Medien berichten, ermittelt das FBI nun gegen den 45-Jährigen. Gegen ihn bestehe der Verdacht, geheime Informationen weitergegeben zu haben. Eine Quelle sagte NBC News, dass die Untersuchung bereits vor Kents Rücktritt geplant gewesen sei.
Wer ist Joe Kent genau?
Joe Kent wurde 2025 von Donald Trump zum Antiterror-Chef ernannt. Vor seiner Zeit als Politiker war er selbst Soldat und absolvierte elf Kampfeinsätze, viele davon im Irak. 2019 wurde Kents erste Ehefrau Shannon Smith bei einem Einsatz in der syrischen Stadt Manbij bei einem Selbstmordattentat getötet. In der Folge schrieb Kent Kolumnen für diverse Medien, in welchen er sich für Antiterror-Einsätze der USA im Nahen Osten aussprach.
Für seine jüngsten Äusserungen wird Joe Kent mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Schon in seinem X-Post schrieb er, die USA hätten auf Druck von Israel den Iran angegriffen und sprach von einer «mächtigen israelischen Lobby» in den USA. Auch in seinem Interview mit Carlson äusserte Kent Vorwürfe gegen Israel.
Mit dieser Rhetorik stiess Kent auch innerhalb seiner Partei auf Kritik: Der republikanische Senator Mitch McConnell schrieb auf Social Media, Kents Post enthalte «virulenten Antisemitismus». «Isolationisten und Antisemiten haben in unserer Partei und unserer Regierung nichts zu suchen», so McConnell.
After much reflection, I have decided to resign from my position as Director of the National Counterterrorism Center, effective today.
— Joe Kent (@joekent16jan19) March 17, 2026
I cannot in good conscience support the ongoing war in Iran. Iran posed no imminent threat to our nation, and it is clear that we started this… pic.twitter.com/prtu86DpEr
Aussenpolitisch zählen sowohl Kent als auch Carlson zum isolationistischen Flügel der Republikanischen Partei. Diese ist durch den Iran-Krieg gespalten: Während viele aus Sicherheitsgründen den Krieg unterstützen, argumentieren andere, Trump würde damit sein zentrales Wahlversprechen brechen: Politik mit amerikanischen Bedürfnissen im Zentrum. (dab)
