International
USA

Trumps Sanktionen wirken: Auf Kuba geraten die Dinge in Bewegung

epa12817413 A handout photo made available by the Office of the President of Cuba showing Cuban President Miguel Diaz-Canel speaking during a press conference in Havana, Cuba, 13 March 2026. The Cuban ...
Fidel Castros schweres Erbe: Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel spricht in Havanna über die Aufnahme von Verhandlungen mit den USA.Bild: keystone

Trumps Sanktionen wirken: Auf Kuba geraten die Dinge in Bewegung

Die wirtschaftlich schwer angeschlagene Karibikinsel bestätigt Gespräche mit den USA über das angespannte Verhältnis beider Länder. Auf den Strassen nehmen die Proteste zu.
17.03.2026, 10:2017.03.2026, 14:19
Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt / ch media

Man kann noch nicht sagen, was in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten auf Kuba passiert. Aber eines ist sicher: Es bewegt sich gerade so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Karibikinsel, seit 67 Jahren von den bärtigen Revolutionären und ihren Nachfahren regiert, wird am Ende dieses Prozesses nicht mehr dieselbe sein. Die kommunistisch regierte Insel muss sich angesichts des maximalen wirtschaftlichen und sozialen Desasters, dem sie sich gegenübersieht, öffnen.

Aufruf
Bist du gerade auf Kuba und möchtest mit uns über die aktuelle Lage sprechen? Melde dich bei uns per Mail unter redaktion@watson.ch oder per Whatsapp unter +41 79 966 88 26.

Schon allein, um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden. Zudem werden die Proteste der entnervten Bevölkerung täglich mehr. So griffen Demonstranten in der Stadt Morón im Zentrum der Insel den Sitz der Kommunistischen Partei an.

«Für Vandalismus und Gewalt wird es keine Straflosigkeit geben», drohte Präsident Miguel Díaz-Canel anschliessend auf der Plattform X. Dass seine Regierung jetzt aber Gesprächen mit dem Erzfeind in Washington zugestimmt hat, ist das Eingeständnis, dass sie die Lage nicht mehr in der Hand hat.

Maximale Demütigung für Castros Nachfahren

Es ist zudem die maximale Demütigung. Die USA, die seit Anfang der 1960er-Jahre mit allen verbotenen Mitteln versucht haben, die Regierung in Havanna zu stürzen, diktieren nun am Verhandlungstisch die Konditionen. Es sind keine Gespräche auf Augenhöhe.

Vielmehr droht und fordert Washington und Havanna muss gehorchen und versuchen, das Allerschlimmste zu verhindern. Nach Lage der Dinge werden US-Staatschef Donald Trump und sein Aussenminister Marco Rubio das Ende des kommunistischen Systems verlangen, eine Öffnung der Wirtschaft für mehr Privatakteure, vor allem Investoren aus den USA.

Abel Gomez Goitia, 50, repairs his car next to an image of Cuban revolutionary leader Ernesto "Che" Guevara in Old Havana, Saturday, July 28, 2007. (AP Photo/Rodrigo Abd)
Wachsende Unzufriedenheit: Ein Mann repariert ein Auto vor einer der zahllosen Abbildungen von Revolutionslegende Che Guevara.Bild: AP

Es wäre das Ende der revolutionären Idee und des Mythos Kuba. Nebenbei würde Trump dann das erreichen, was elf Vorgänger vor ihm vergeblich versucht haben. Seine Hybris würde ins Unermessliche wachsen.

Die Tragik daran wäre auch, dass letztlich die seit 1960 praktizierte Politik eines Wirtschaftsembargos gegen die Insel Erfolg gehabt hätte. Jetzt maximal verschärft durch den widerrechtlichen Ölboykott, der die Insel von der Lebensader Rohöl abschneidet. Seit drei Monaten hat kein Tanker mehr in Kubas Häfen festgemacht.

Als erstes Land der Welt erlebt die Insel gerade, was passiert, wenn es keine Energie gibt. Dann gibt es auch keine Wirtschaft, keine Bildung, keine Gesundheitsversorgung und keine Lebensmittelproduktion.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, daran tragen die Brüder Fidel und Raúl Castro, der Rest der noch lebenden greisen Revolutionärsgeneration und auch die blasse Marionette Díaz-Canel, eine Mitschuld. Sie haben über ein halbes Jahrhundert die Chancen zur Veränderung und Öffnung nicht genutzt und so dazu beigetragen, dass die verbliebenen zehn Millionen Menschen auf dem Weg ins Elend sind.

Trotz reichlich Ackerlandes importiert die Insel fast 70 Prozent ihrer Lebensmittel. Reis, Bohnen, Hühnerfleisch, Öle und Milchpulver werden im Ausland gekauft. Falls mal Geld da ist.

Nur so wenige Reformen wie gerade nötig

Die Welt ausserhalb der USA stand dem Modell Kuba und seinem tropisch-widerspenstigen Sozialismus lange wohlwollend gegenüber. Vor allem Europa, aber auch weite Teile Lateinamerikas. Und natürlich halfen ideologische Verbündete wie Russland. Aber Havanna war unter dem Druck der vielen Krisen, etwa dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989, immer nur gerade zu so vielen Reformen bereit, wie nötig waren, um das Überleben des Systems zu sichern.

Mal wurde der Dollar als Zahlungsmittel vorübergehend zugelassen, mal ein kleiner Teil des Wirtschaftssektors für Private geöffnet. Aber am Staatsmonopol wird bis heute nicht gerüttelt. Noch immer sind 70 Prozent der kubanischen Arbeitskräfte im Staatssektor beschäftigt, weiterhin verfügt der Staat über 90 Prozent der Produktionsmittel.

Selbst die USA versuchten zu Zeiten von Präsident Barack Obama (2009 bis 2017), den Wandel durch Annäherung zu erreichen. Obama lockerte ab 2014 den Reise- und Warenverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba, diplomatische Vertretungen wurden wieder eröffnet.

Damals kamen US-Touristen zu Tausenden auf die Insel. Und Obama selbst reiste im März 2016 als erster US-Präsident seit 88 Jahren nach Havanna. Aber wirklich bewegt hat sich Kuba zur Politik von Obamas Zuckerbrot nicht.

Und nun kommt Trump, packt die Peitsche aus und verfolgt eine Politik des maximalen Drucks und der wirtschaftlichen Strangulation. Und anders als Obama träumt er vom Sturz der Regierung. Minimales Ziel dabei: Machtübernahme durch einen reformwilligen Vertreter, Legalisierung oppositioneller Parteien und die Öffnung der Wirtschaft. Dies könnte verhindern, dass die Insel weiter im Chaos versinkt und noch mehr Menschen die Flucht ergreifen. (aargauerzeitung.ch/nil)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das willst du über die Lage in Kuba wissen
1 / 6
Das willst du über die Lage in Kuba wissen

Seit Dezember erhält Kuba kein Öl mehr aus Venezuela.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Neues Video zeigt den Öltanker-Angriff aus Iranischer Sicht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
71 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
winglet55
17.03.2026 10:25registriert März 2016
Ja die Peitsche von Trump bringt einen Staat, den die USA nie bedroht hat an den Rand des Kollapses. Momoll ich nominiere Donny für den Erpresserpreis.
12119
Melden
Zum Kommentar
avatar
Meiner Einer
17.03.2026 10:37registriert November 2018
Es wird im Artikel angeschnitten, aber man könnte es noch deutlicher sagen: Die USA haben jahrzehntelang Kuba mit Sanktionen belegt, die rechtswidrig waren. Und weil die USA die entsprechende Macht hat bzw. alle liebe in den USA Geschäfte machen wollten, konnte sie es auch durchsetzen. Ich finde das muss man sagen, auch wenn man der sozialistischen Diktatur keine Träne nachweinen muss. Es ist einmal mehr westlicher Doppelstandard bei der Rechtsauslegung, der von anderen Ländern immer kritischer betrachtet wird und so wichtige Pfeiler wie Demokratie, Rechtsstaat etc. untergräbt
9912
Melden
Zum Kommentar
avatar
nature
17.03.2026 10:34registriert November 2021
Die kubanischen Ressourcen werden demnächst wie das venezolanische Öl den USA gehören. So funktioniert der US-Imperialismus.
7310
Melden
Zum Kommentar
71
Seychellen: 2 Schweizer weiterhin vermisst – leeres Rettungsfloss gefunden
Noch immer werden auf den Seychellen zwei Schweizer nach einem Bootsunglück vermisst. Der Besitzer des Bootes musste nun in U-Haft. Der Verdacht: fahrlässiges Handeln.
Das Tauchboot «Galatea» ist am Freitag vor der Insel Marie Louise gesunken – über 250 Kilometer von der Hauptinsel der Seychellen entfernt. Mit an Bord waren auch sieben Schweizer. Vier konnten sofort gerettet werden, eine Schweizerin wurde nach mehreren Stunden gefunden und ins Spital gebracht.
Zur Story