Trumps Sanktionen wirken: Auf Kuba geraten die Dinge in Bewegung
Man kann noch nicht sagen, was in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten auf Kuba passiert. Aber eines ist sicher: Es bewegt sich gerade so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Die Karibikinsel, seit 67 Jahren von den bärtigen Revolutionären und ihren Nachfahren regiert, wird am Ende dieses Prozesses nicht mehr dieselbe sein. Die kommunistisch regierte Insel muss sich angesichts des maximalen wirtschaftlichen und sozialen Desasters, dem sie sich gegenübersieht, öffnen.
Schon allein, um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden. Zudem werden die Proteste der entnervten Bevölkerung täglich mehr. So griffen Demonstranten in der Stadt Morón im Zentrum der Insel den Sitz der Kommunistischen Partei an.
Es comprensible el malestar que provocan en nuestro pueblo los prolongados apagones, como consecuencia del bloqueo energético de EE.UU, cruelmente recrudecido en los últimos meses.
— Miguel Díaz-Canel Bermúdez (@DiazCanelB) March 14, 2026
Y son legítimas las quejas y reclamos, siempre que se actúe con civismo y respeto al orden…
«Für Vandalismus und Gewalt wird es keine Straflosigkeit geben», drohte Präsident Miguel Díaz-Canel anschliessend auf der Plattform X. Dass seine Regierung jetzt aber Gesprächen mit dem Erzfeind in Washington zugestimmt hat, ist das Eingeständnis, dass sie die Lage nicht mehr in der Hand hat.
Maximale Demütigung für Castros Nachfahren
Es ist zudem die maximale Demütigung. Die USA, die seit Anfang der 1960er-Jahre mit allen verbotenen Mitteln versucht haben, die Regierung in Havanna zu stürzen, diktieren nun am Verhandlungstisch die Konditionen. Es sind keine Gespräche auf Augenhöhe.
Vielmehr droht und fordert Washington und Havanna muss gehorchen und versuchen, das Allerschlimmste zu verhindern. Nach Lage der Dinge werden US-Staatschef Donald Trump und sein Aussenminister Marco Rubio das Ende des kommunistischen Systems verlangen, eine Öffnung der Wirtschaft für mehr Privatakteure, vor allem Investoren aus den USA.
Es wäre das Ende der revolutionären Idee und des Mythos Kuba. Nebenbei würde Trump dann das erreichen, was elf Vorgänger vor ihm vergeblich versucht haben. Seine Hybris würde ins Unermessliche wachsen.
Die Tragik daran wäre auch, dass letztlich die seit 1960 praktizierte Politik eines Wirtschaftsembargos gegen die Insel Erfolg gehabt hätte. Jetzt maximal verschärft durch den widerrechtlichen Ölboykott, der die Insel von der Lebensader Rohöl abschneidet. Seit drei Monaten hat kein Tanker mehr in Kubas Häfen festgemacht.
Als erstes Land der Welt erlebt die Insel gerade, was passiert, wenn es keine Energie gibt. Dann gibt es auch keine Wirtschaft, keine Bildung, keine Gesundheitsversorgung und keine Lebensmittelproduktion.
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, daran tragen die Brüder Fidel und Raúl Castro, der Rest der noch lebenden greisen Revolutionärsgeneration und auch die blasse Marionette Díaz-Canel, eine Mitschuld. Sie haben über ein halbes Jahrhundert die Chancen zur Veränderung und Öffnung nicht genutzt und so dazu beigetragen, dass die verbliebenen zehn Millionen Menschen auf dem Weg ins Elend sind.
Trotz reichlich Ackerlandes importiert die Insel fast 70 Prozent ihrer Lebensmittel. Reis, Bohnen, Hühnerfleisch, Öle und Milchpulver werden im Ausland gekauft. Falls mal Geld da ist.
Nur so wenige Reformen wie gerade nötig
Die Welt ausserhalb der USA stand dem Modell Kuba und seinem tropisch-widerspenstigen Sozialismus lange wohlwollend gegenüber. Vor allem Europa, aber auch weite Teile Lateinamerikas. Und natürlich halfen ideologische Verbündete wie Russland. Aber Havanna war unter dem Druck der vielen Krisen, etwa dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989, immer nur gerade zu so vielen Reformen bereit, wie nötig waren, um das Überleben des Systems zu sichern.
Mal wurde der Dollar als Zahlungsmittel vorübergehend zugelassen, mal ein kleiner Teil des Wirtschaftssektors für Private geöffnet. Aber am Staatsmonopol wird bis heute nicht gerüttelt. Noch immer sind 70 Prozent der kubanischen Arbeitskräfte im Staatssektor beschäftigt, weiterhin verfügt der Staat über 90 Prozent der Produktionsmittel.
Selbst die USA versuchten zu Zeiten von Präsident Barack Obama (2009 bis 2017), den Wandel durch Annäherung zu erreichen. Obama lockerte ab 2014 den Reise- und Warenverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba, diplomatische Vertretungen wurden wieder eröffnet.
Damals kamen US-Touristen zu Tausenden auf die Insel. Und Obama selbst reiste im März 2016 als erster US-Präsident seit 88 Jahren nach Havanna. Aber wirklich bewegt hat sich Kuba zur Politik von Obamas Zuckerbrot nicht.
Und nun kommt Trump, packt die Peitsche aus und verfolgt eine Politik des maximalen Drucks und der wirtschaftlichen Strangulation. Und anders als Obama träumt er vom Sturz der Regierung. Minimales Ziel dabei: Machtübernahme durch einen reformwilligen Vertreter, Legalisierung oppositioneller Parteien und die Öffnung der Wirtschaft. Dies könnte verhindern, dass die Insel weiter im Chaos versinkt und noch mehr Menschen die Flucht ergreifen. (aargauerzeitung.ch/nil)
