13 Dinge, die man über Grönland wissen darf
Wo befindet sich Grönland?
Grönland liegt im Nordatlantik zwischen Island und Kanada. Mit über 2 Millionen Quadratkilometern ist Grönland die grösste Insel der Welt und über 52-mal so gross wie die Schweiz.
Wie viele Einwohner hat Grönland?
Aktuell leben etwa 56’000 Menschen auf dem harschen, zu vier Fünfteln mit Eis bedeckten Eiland. 80 Prozent davon sind einheimische Inuit.
Mit 20’000 Einwohnern ist Nuuk die grösste Stadt des Landes, Sisimiut mit 5500 die zweitgrösste. Wie fast alle anderen nennenswerten Siedlungen befinden sie sich auf der Südwestseite der Insel. Hier kann es in den Sommermonaten Juni, Juli, August und September auch mal über 20 Grad warm werden.
Wie «gehört» Grönland zu Dänemark?
Unser Problem mit dem Verständnis für Grönlands Status beginnt mit der unpräzisen Bezeichnung «Dänemark». In der Alltagssprache verwenden wir sie sowohl für das Land – aber auch für das Königreich. Dabei sind das zwei verschiedene Dinge.
Grönland ist ein eigenes Land mit einer eigenen Regierung und einem eigenen Parlament. Es verfügt seit einem Referendum 1979 über weitgehende Autonomie und Selbstverwaltung und hat eine eigene Landesflagge und Landeshymne. Zusammen mit den anderen Ländern Dänemark und Färöer bildet Grönland aber den souveränen Einheitsstaat Königreich Dänemark (Vereinigtes Königreich Dänemark).
Wer regiert das Königreich Dänemark?
Staatsoberhaupt in dieser konstitutionellen Monarchie ist der dänische König Frederik 10., der unter anderem einen Masterabschluss in Politikwissenschaften besitzt und immer mal wieder auf dem Fahrrad fotografiert wird.
Welche Bedeutung hat das Königreich Dänemark, wenn die einzelnen Länder doch autonom sind?
Das Königreich besitzt ein wenig spezifisch formuliertes Grundgesetz mit verhältnismässig wenig Paragrafen. In der Aussen- und Sicherheitspolitik teilen sich die drei Länder Dänemark, Färöer und Grönland aber noch viele Aufgaben. So ist König Frederik Oberbefehlshaber der dänischen Streitkräfte – und das ist nicht nur Show. Er unterrichtete als Dozent am Institut für Strategie der dänischen Militärakademie. Ausserdem stieg er bis zum Konteradmiral der Marine und Generalmajor des Heeres und der Luftwaffe auf. Die Verteidigung Grönlands fällt in den Auftragsbereich der dänischen Streitkräfte – Grönland selbst verfügt über keine eigenen Truppen.
De facto sieht die Situation etwas anders aus. Dänemark wurde im Zweiten Weltkrieg von Deutschland überrannt und kapitulierte schnell (1940). Deshalb übernahmen 1941 US-Streitkräfte, mit Verträgen des dänischen Botschafters ausgestattet, den Schutz von Grönland. Im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs bauten die USA auf der Insel diverse Militärbasen. 1951 erneuerten die USA und Dänemark ihre Verträge. Die USA übernahmen dabei primär den Schutz des Luftraums. Die Küstenwache wurde von Dänemark organisiert.
Betreiben die USA noch immer Stützpunkte auf Grönland?
Nach dem Ende des Kalten Krieges zogen sich die USA bis 2004 komplett aus Grönland zurück und hinterliessen rostende Militärutensilien. Komplett? Nicht ganz. Der ehemalige Militärflugplatz Thule im Nordwesten blieb in amerikanischer Hand. Er heisst heute Pituffik Space Base. 2025 besuchte ihn Vizepräsident JD Vance mit seiner Frau. Noch vor Ort richtete er Kritik an die Adresse von Dänemark. Die GrönländerInnen hätten besseres verdient. Ausserdem erklärte er, die USA müssten die Kontrolle über Grönland aus Sicherheitsgründen übernehmen.
Colonel Susannah Meyers, die zuständige Kommandantin des Stützpunkts, reagierte darauf mit einem Email an sämtliche Mitarbeiter des Stützpunkts: «Ich masse mir nicht an, die aktuelle Politik zu verstehen, aber ich weiss, dass die von Vizepräsident Vance am Freitag angesprochenen Bedenken der US-Regierung nicht die Raumfahrtbasis Pituffik betreffen.» Meyers wurde darauf gefeuert.
Ist Grönland Teil der EU?
Natürlich ist auch dieses Verhältnis nicht ganz so einfach. Grönland ist, wie die Färöer, kein Mitgliedstaat der EU. Es gehört aber zu den «Überseeischen Ländern und (Hoheits-) Gebieten» (ÜLG), was gewisse Rechte und Pflichten mit sich bringt.
Ist Grönland Teil der Nato?
Ja.
Wer regiert Grönland?
Grönland ist eine Demokratie. Aktueller Regierungschef ist Jens Frederik Nielsen von der sozialliberalen Partei Demokraatit. Er ist begnadeter Badmintonspieler und der jüngste Regierungschef Grönlands. Seine Partei sprach sich lange für den Verbleib im Königreich Dänemark aus. Mittlerweile ist aber auch Demokraatit umgeschwenkt und will längerfristig die Souveränität Grönlands erreichen. Dies, sobald es die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zulassen.
Hat Grönland eine eigene Fussballmannschaft?
Die Frage wirkt zufällig, sie ist aber im Zusammenhang mit den für SchweizerInnen ungewohnten politischen Verhältnissen interessant. Die Antwort lautet «ja». Grönland hat eine eigene Fussballnationalmannschaft. Der Verband Kalaallit Arsaattartut Kattuffiat (KAK) ist sehr erfolgreich: Ein Zehntel aller GrönländerInnen ist Mitglied. Der KAK ist aber kein Fifa- oder Uefa-Mitglied. Dies im Gegensatz zum dänischen und färöischen Fussballverband. 2024 scheiterte der Versuch, dem nordamerikanischen Verband CONCACAF beizutreten. Die CONCACAF-Mitglieder lehnten Grönland einstimmig ab.
Warum ist Grönland so wichtig für die USA?
Grönland hat Verschiedenes zu bieten: Öl, Gas, Bodenschätze. Dank des Klimawandels und des schmelzenden Eises werden diese in Zukunft leichter zugänglich sein. Aufgrund ihrer Lage ist die Insel aber auch militärstrategisch von enormer Bedeutung.
Von Grönland aus kann die GIUK-Lücke besser kontrolliert werden. Damit ist der Meeresabschnitt zwischen Grönland (G), Island (I) und Grossbritannien (UK) gemeint. Ausserdem bietet Grönland die Möglichkeit für Radarbasen gegen russische Raketen und spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Steuerung von Satelliten.
Ist es das erste Mal, dass die USA Grönland übernehmen wollen?
Nein. Solche Versuche gibt es seit 1951 immer wieder. Mal still, mal weniger still.
Was will die Bevölkerung von Grönland?
Die GrönländerInnen, das zeigen Umfragen, wollen längerfristig komplette Unabhängigkeit und damit den Austritt aus dem Königreich Dänemark. Das bedeutet aber auch, dass sie nicht den USA beitreten wollen. Repräsentative Umfragen zeigen, dass etwa 85 Prozent der Bevölkerung dies ablehnen würden.
