Trump lässt Tanker nach Kuba durch – weil er von Putin kommt
Es war der Showdown der Kuba-Krise 1962: Der Sowjet-Tanker «Bukarest» lief unverdrossen auf die von John F. Kennedy ausgerufene Seeblockade rund um die Karibikinsel zu. Wäre das Schiff von den US-Zerstörern gekapert oder gar versenkt worden, hätte das nukleare Armageddon des 3. Weltkriegs die Folge sein können.
Heute wissen wir, es kam, Gott sei Dank, anders. Die Sowjetunion liess die «Bukarest» sowie andere Schiffe und U-Boote wieder abdrehen, die USA und Sowjetunion lösten die Kubakrise mit geheimdiplomatischen Mitteln.
64 Jahre später nimmt Donald Trumps eigene Kuba-Blockade eine ähnlich überraschende Wendung. Oder vielleicht doch nicht so überraschend: Die USA erlauben einem russischen Öltanker mit rund 730’000 Barrel Rohöl die Einfahrt nach Kuba – und weichen damit erstmals von ihrer harten Sanktionspolitik ab.
Der Tanker «Anatoly Kolodkin» dürfte den Hafen von Matanzas in der Nacht auf Dienstag erreichen und dem karibischen Inselstaat zumindest vorübergehend dringend benötigte Energie liefern. Offenbar erlaubte sich der russische Kapitän zuvor einen besonderen Scherz, indem er sein ursprüngliches Ziel mit «Atlantis, USA» angab.
Entlastung für Kuba, aber nur kurzfristig
Die Entscheidung markiert eine Kehrtwende der Regierung von Präsident Donald Trump. Seit Januar hat Washington faktisch eine Ölblockade gegen Kuba durchgesetzt und andere Länder mit Sanktionen bedroht, sollten sie Treibstoff liefern. Nun erklärt Trump jedoch: «Wenn ein Land jetzt Öl nach Kuba schicken will, habe ich kein Problem damit – ob Russland oder jemand anderes.»
Reporter: There's a report that the US is going to let a Russian oil tanker go to Cuba?
— Acyn (@Acyn) March 30, 2026
Trump: If a country wants to send some oil into Cuba, I have no problem with that.
Reporter: Do you worry that that helps Putin?
Trump: It doesn’t help him. He loses one boatload of oil.… pic.twitter.com/8Vh6gHwaxs
Gleichzeitig relativiert er die Wirkung der Lieferung. «Das wird keinen Einfluss haben, Kuba ist erledigt», folgert Trump am Sonntagabend während einer seiner spontanen Medienkonferenzen an Bord der Air Force One. Die Führung in Havanna bezeichnet er dabei als «schlecht und korrupt».
Die Lieferung kommt für Kuba zu einem kritischen Zeitpunkt. Die US-Sanktionen haben eine schwere Energiekrise ausgelöst: landesweite Stromausfälle, Treibstoffmangel, steigende Preise und Probleme in der medizinischen Versorgung prägen den Alltag. Die internationale Kritik, auch seitens der Vereinten Nationen, spricht von einer humanitären Krise.
Analysten gehen davon aus, dass das russische Öl die Lage zwar stabilisieren, aber nicht grundlegend lösen wird. «Es verschafft ihnen Zeit», sagt Energieexperte Jorge Piñón von der University of Texas zur «New York Times». Das Öl könne, sobald in Raffinerien verarbeitet, den Bedarf höchstens für wenige Wochen decken.
Besonders wichtig ist Diesel, der in Kuba für Transport, Landwirtschaft und Teile der Stromproduktion benötigt wird. Wegen des Mangels konnten zuletzt selbst Hilfsgüter nicht verteilt werden.
Politisches Signal und geopolitische Risiken
Es sei nicht ganz klar, weshalb das Weisse Haus den Tanker passieren lasse, rätselt derweil die «New York Times». Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Das Öl kommt von Putin. Ernsthafte Konfrontationen mit dem Kreml-Herrscher scheut der US-Präsident in aller Regel, im Gegenteil. Zudem kann laut «Washington Post» eine Zuspitzung mit Russland vor Kuba angesichts des weiterlaufenden Iran-Kriegs «die Ölmärkte zusätzlich destabilisieren».
Moskau hat unterdessen seine Unterstützung für Havanna bekräftigt. Die russische Regierung erklärt, man stehe «in voller Solidarität mit Kuba» und sei bereit, «alle notwendige Hilfe» zu leisten. Angesichts des bisherigen Versagens der russischen Bündnispolitik in Syrien, Venezuela und Iran ist das ein einfacher diplomatischer Punktsieg Moskaus.
Ob weitere russische Öllieferungen folgen werden, ist offen. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die jetzige Entscheidung ein Signal sein könnte. «Die ‹Anatoly Kolodkin› wird nicht die letzte Lieferung sein», prognostiziert ein Risikoanalyst gegenüber der «Washington Post».
Regimewechsel bleibt das Ziel
Trotz der aktuellen Lockerung hält die US-Regierung am Ziel eines politischen Umbruchs in Kuba fest. Aussenminister Marco Rubio forderte jüngst einen Systemwechsel, da sich die Wirtschaft des Landes sonst nicht reformieren lasse.
Trump selbst stellt am Sonntag sogar militärische Optionen in den Raum: «Manchmal muss man das Militär einsetzen – und Kuba ist als Nächstes dran.» In Havanna reagiert man seinerseits mit Widerstand. Vizeaussenminister Carlos Fernández de Cossío erklärt, das Land bereite sich «auf die Möglichkeit militärischer Aggression» vor, hoffe jedoch, dass es nicht dazu komme.
Für Kuba bedeutet die aktuelle Lieferung vor allem eines: eine kurze Atempause in einer anhaltenden Krise – während sich der geopolitische Konflikt um die Insel weiter zuspitzt. (aargauerzeitung.ch)

