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Es ist so weit: Colorado will die Todesstrafe abschaffen – als 22. US-Bundesstaat



Historisches Votum in Denver: Die Abgeordneten des US-Bundesstaates haben für die Abschaffung der Todesstrafe gestimmt. Die Debatte im Regionalparlament am Mittwoch war lang und emotional.

Mit zahlreichen Änderungsvorschlägen hatten die oppositionellen Republikaner versucht, die Abstimmung hinauszuzögern. Der Gesetzentwurf muss noch von Colorados demokratischem Gouverneur bewilligt werden. Colorado wäre dann der 22. US-Bundesstaat, der die Todesstrafe abschafft.

In den USA ist am Donnerstag (Ortszeit) bereits der dritte Mensch in diesem Jahr hingerichtet worden. (Symbolbild)

2019 wurden in den USA 22 Menschen hingerichtet. Bild: AP California Department of Corr

Der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs ging eine elfstündige Debatte voraus, in der die Republikaner zahlreiche Änderungsanträge einbrachten. Der Abgeordnete Steve Humphrey las aus Protest gegen die geplante Abschaffung der Todesstrafe fast 45 Minuten aus der Bibel vor. «Die eine Seite des Parlaments hat für Familien und Opfer gekämpft, die andere für Kriminelle», sagte die republikanische Abgeordnete Lori Saine nach der Abstimmung.

Die Demokraten hatten den Gesetzentwurf mit dem Argument verteidigt, dass die Todesstrafe unmoralisch sei – und besonders oft bei Mitgliedern von Minderheiten und armen Menschen angewandt werde.

«Selten sind wir in der Situation, über eine Angelegenheit zu entscheiden, die so bedeutend, wirkungsvoll und schwierig ist wie diese», sagte der demokratische Parlamentsvorsitzende Alec Garnett. Er wünsche sich eine Gesellschaft, in der «wir unsere Mittel für die Rehabilitierung ausgeben statt für Revisionen, und für die Behandlung von Drogenabhängigkeit statt für den Einsatz von Giftspritzen».

Thema auch in anderen Bundesstaaten

In mehreren US-Bundesstaaten beschäftigen sich die Parlamente derzeit mit der Neuregelung der Todesstrafe. New Hampshire schaffte sie im vergangenen Jahr vollständig ab. Kaliforniens Gouverneur verkündete ein bis zum Ende seiner Amtszeit geltendes Moratorium für alle Hinrichtungen.

Die letzte Hinrichtung in Colorado fand 1997 statt, damals wurde die Todesstrafe per Giftspritze an einem verurteilten Vergewaltiger vollstreckt. Derzeit befinden sich drei Menschen in dem Bundesstaat in der Todeszelle.

Bürgerrechtler begrüssten die Entscheidung der Abgeordneten von Colorado. Der Schritt sei ein «gewaltiger Sieg für die Gerechtigkeit», erklärte Cassandra Stubbs vom Verein American Liberties Union. Seit 1973 sei die Unschuld von 167 Menschen, die bereits in der Todeszelle sassen, nachgewiesen worden.

2019 wurden in den USA 22 Menschen hingerichtet. Vier weitere Todesurteile wurden bislang in diesem Jahr vollstreckt. (sda/afp)

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dr no 27.02.2020 15:00
    Highlight Highlight Naja ich wage zu bezweifeln, dass es besser ist lebenslang (und nicht so wie bei uns 15 Jahre) die Knasthure von Gangmitgliedern zu sein.
  • Bosshard Matthias 27.02.2020 14:58
    Highlight Highlight Bin dafür bei eindeutigen Fällen von Mördern wen die Beweislagelage Hieb und Stichfest ist.
    Dieser Täterschutz mit seiner verweichlichung ist eine neuzeitliche Katastrophe. Gerade bei den Amokläufen macht das Frankreich bestens die Täter überleben nicht es wird kurzen Prozess gemacht.
    Immer alles Therapieren und schlimmer noch man lässt sie wieder auf die Gesellschaft los danach gibt es wieder vom gleichen Täter Gewalt/Mord und man zeigt sich künstlich entsetzt und schlimmer noch man erklärt sie noch für schuldunfähig unsere Rechtsprechung ist krank geworden.
    • Turnbeutelvergesser 27.02.2020 17:06
      Highlight Highlight Ohne saubere Beweislage sollte niemand hinter Gitter
    • Liselote Meier 27.02.2020 17:55
      Highlight Highlight Nein im Gegenteil, wenn der Staat selber Tötet, impliziert dies, dass Mord eine Problemlösung ist und diese Sichtweise wirkt auf die Gesellschaft zurück. Oder warum gibt es wohl in Staaten wo es die Todesstrafe gibt mehr Morde und nicht weniger?

      Als es in der Schweiz die Todesstrafe noch gab es auch viel mehr Morde.

      Das hat nichts mit Täterschutz zu tun sondern wie eine Gesellschaft zum Leben und Gewalt steht.






    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 27.02.2020 19:39
      Highlight Highlight Es geht um Gerechtigkeit. Nicht um persönliche Gewaltfantasien oder Rachegelüste.
      Wenn der Staat andere tötet, ist er kein Stück besser, als die Menschen die er tötet.
  • DocShi 27.02.2020 14:58
    Highlight Highlight Zitat:Ichweissmeinennamennichtmehr
    27.02.2020 11:52
    Der Abgeordnete Steve Humphrey las aus Protest gegen die geplante Abschaffung der Todesstrafe fast 45 Minuten aus der Bibel vor.

    Geht auch schneller:
    5tes Gebot Gottes; Du sollst nicht töten!
    • Liselote Meier 27.02.2020 15:15
      Highlight Highlight Das Gebot sagt du darfst Individuell nicht Töten oder Richten.

      Das Gebot sagt aber nichts über die Befugnis des Staates oder eines religiösen Gerichtes aus. Die haben nämlich gemäss Bibel explizit die Legitimation zu Richten und Töten. Da Stellvertreter Gottes mit Schwert ausgestattet, bla, bla
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 27.02.2020 19:40
      Highlight Highlight @DocShi
      Bibel-Taliban legen sich die Bibel gerade so zurecht, wie es ihnen gerade passt und sie ignorieren die Stellen, die ihnen eigentlich widersprechen.
    • DocShi 28.02.2020 06:28
      Highlight Highlight @Liselote Meier, da steht nix von Ausnahmen für Staat oder individuell.
      Du sollst nicht töten.
      Gilt für jeden!

      Da gibt es nichts zu interpretieren.

      Warum Leute wie du und Gruppierungen versuchen da was anderes zu interpretieren ist mir schleierhaft.

      @Bambusbjörn aka Planet Escoria, ja, siehe zweiten Kommentar auf meinen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Liselote Meier 27.02.2020 14:49
    Highlight Highlight Na wenn für diesen Fundi Republikaner die Legitimationsgrundlage für die Todesstrafe die Bibel ist, müsste er auch Konsequenterweise auch für die Steinigung bei Ehebruch sein. Sowie die Todesstrafe für Zauberei fordern sowie für Sex während der Menstruation.

    Diese Strafen stehen auch alle samt in den fünf Bücher des Mose.

  • Knety 27.02.2020 14:31
    Highlight Highlight Good news👍
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 27.02.2020 14:02
    Highlight Highlight Aus der Bibel vorlesen, als Protest gegen die Abschaffung der Todesstrafe?
    Die Republikaner sind echt widerliche Schönwetterchristen.
    Legen die Bibel immer so aus, wie es ihnen nutzt, um auch den widerlichsten Mist zu rechtfertigen.
    • mrgoku 27.02.2020 14:28
      Highlight Highlight so machen es terroristen
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 27.02.2020 15:57
      Highlight Highlight @Mrgoku
      Man könnte sie auch Bibel-Taliban nennen. 😉
  • Mitläufer 27.02.2020 13:56
    Highlight Highlight Ich persönlich wäre ja lieber tot, als lebenslang in einem amerikanischen Gefängnis. Aber jedem das Seine. Ein winziger Schritt in die richtige Richtung, leider sind noch Millionen von Schritte nötig.
    • chrisdea 27.02.2020 14:34
      Highlight Highlight Wenn dein letzter Tag, nach meist Jahren oder Jahrzehnten in einem US-Gefängnis, in der Hinrichtungszelle endet, wärst Du faktisch gesehen auch lebenslang eingesessen...
    • Simsalabum 27.02.2020 18:27
      Highlight Highlight Ich finde Häftlinge sollte passive Sterbehilfe erlaubt sein, unter den selben Voraussetzungen wie für uns. Damit stellt sich dann auch die Frage, was man "lieber" hat nicht.
  • Blutgrätscher 27.02.2020 12:15
    Highlight Highlight "Der Abgeordnete Steve Humphrey las aus Protest gegen die geplante Abschaffung der Todesstrafe fast 45 Minuten aus der Bibel vor."

    Na ich nehme mal an, dass er kurz vor "du sollst nicht töten." aufgehört hat.
    • Liselote Meier 27.02.2020 15:09
      Highlight Highlight Könnte man meinen, nur sagt dieses Gebot das nicht aus. Dies erscheint nur so wenn man den ganzen Kontext weglässt.

      Mit dem Gebot ist der Individuelle Mord gemeint nicht das Morden per se.

      Der Staat oder ein religiöses Gericht ist/war damit nicht/nie gemeint. Im Gegenteil nur sie haben dazu die Legitimität da mit dem Schwert von Gott ausgestattet um zu Richten.



  • Atheist1109 27.02.2020 12:12
    Highlight Highlight Bravo! Wurde aber auch Zeit!
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 27.02.2020 11:52
    Highlight Highlight Der Abgeordnete Steve Humphrey las aus Protest gegen die geplante Abschaffung der Todesstrafe fast 45 Minuten aus der Bibel vor. 🙄 Wie wäre es mit mehr Sachlichkeit?!

    Das amerikanische rechts system funktioniert nicht, regelmässig werden unschuldige nach x-Jahren entlassen weil man geschlappt hat.
  • Der Buchstabe I 27.02.2020 11:50
    Highlight Highlight Als 22. Bundesstaat?!

    Mir war nicht bewusst, dass es die noch in über der Hälfte der USA gibt. Von wegen Land of the free und so. Ein armseliges Drittweltland ist das.
    • Anded 27.02.2020 14:29
      Highlight Highlight Ziemlich grosses Unwissen für eine so grosse Meinung....
    • Der Buchstabe I 27.02.2020 14:56
      Highlight Highlight Ja, war fälschlicjerweise von 54 bundesstaaten ausgegangen. Ändert nichts an der restlichen aussage.

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