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Protest Todesstrafe

Bild: Robert J. Daveant / shutterstock

Yonnihof

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Killing people for having killed people – die Todesstrafe in Texas

Gedanken zur heutigen Hinrichtung von Larry Hatten.



Heute ist es mal wieder soweit: In Texas wird ein Gefangener hingerichtet. 

Es handelt sich um den 40-jährigen Larry Hatten, der 1995 den fünfjährigen Isaac Jackson bei einem Überfall mit einem einzigen Schuss in den Oberkörper tötete. Isaacs Mutter wurde viermal getroffen, überlebte aber schwer verletzt. Der Überfall galt eigentlich Isaacs Vater, mit dem Hatten zuvor in Drogengeschäfte verwickelt und in Streit geraten war. Hatten brach in die Wohnung ein, trat die Tür zum Schlafzimmer ein und eröffnete das Feuer auf die im Bett liegenden Personen. Isaacs Vater war an jenem Tag gar nicht zuhause. 

Nun. Ein Drogendealer tötet einen unschuldigen Fünfjährigen und verletzt dessen unschuldige Mutter schwer. Es wird einem nur schon bei der Vorstellung schlecht. Man möchte den damals 21-jährigen Mann schütteln, lange und hart, man möchte ihm die Fresse einschlagen, ihn treten und quälen – dafür, dass er sich das Recht herausgenommen hat, ein Leben zu beenden. Einfach so und in einer derart unüberlegten Weise. Das Leben eines unschuldigen Kindes. Und ja, es ist durchaus nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die das Verlangen verspüren, diesen Mann zu töten. Weil er es nicht verdient, die Sonne zu sehen oder den Wind zu spüren – der kleine Isaac wird das nämlich auch nie können. 

Es ist nachvollziehbar. In meinen Augen ist es aber nicht richtig. Es ist meines Erachtens eine der Grundaufgaben der Justiz, solche persönlichen Emotionen und das Recht zu trennen. 

«Why are we killing people who killed people to show killing people is wrong?» Warum töten wir Menschen, die andere Menschen getötet haben, um zu zeigen, dass Töten falsch ist? Nicht nur ist die Todesstrafe in ihrem ethischen Grundsatz falsch, es kommen viele andere Fakten hinzu (hier betreffend die USA). 

Die Todesstrafe wirkt nachweislich nicht abschreckend

Die Verbrechensraten in den US-Staaten ohne Todesstrafe liegen auf oder unter dem nationalen Durchschnitt. Das Wissen, dass man für eine Tat verurteilt werden könnte, hält Straftäter also nicht davon ab, Delikte zu begehen, auf welche die Todesstrafe steht.

Rassen-Verzerrung

Es gibt einen «racial Bias», also eine Rassen-Verzerrung. 
So werden
1.) Verbrechen an weissen Personen viel eher mit der Todesstrafe geahndet als solche an Afroamerikanern, obwohl diese ziemlich genau die Hälfte aller Opfer ausmachen. Die Rasse des Opfers wird als «zuverlässigster Indikator dafür, ob jemand zum Tode verurteilt wird oder nicht» angegeben.
2.) afroamerikanische Täter öfter zum Tode verurteilt. Es gibt Studien, die besagen, dass rund ein Drittel aller afroamerikanischen Todeskandidaten eine lebenslange Haftstrafe erhalten hätten, wenn sie weiss gewesen wären (American Bar Association, 2007) und dass schwarze Angeklagte dreimal öfter die Todesstrafe erhalten, wenn das Opfer weiss ist (Yale University School of Law, 2007). 

Es gibt immer wieder unschuldige Menschen in den Todestrakten

Zwischen 1973 und 2008 wurden deren 140 entlassen – während dieser Zeit wurden 1200 Menschen hingerichtet ... Zu fälschlichen Verurteilungen führen hauptsächlich mangelhafte juristische Vertretung (oft aufgrund finanzieller Defizite) sowie mangelhafte Polizeiarbeit, voreingenommene (Augen-)Zeugenaussagen, Rassenverzerrung, Zeugenaussagen, die für den Aussagenden eigene Vorteile versprechen und politischer Druck, den Fall zu lösen.

Todeskandidaten sind teuer

Oft wird gesagt, man wolle solche Schwerverbrecher nicht auch noch durchfüttern. Nun, ein Todeskandidat ist bei weitem teurer als ein Insasse, der den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringt. Prozesse für Kapitalverbrechen sind so teuer, dass man auch alle nach der Verurteilung anfallenden Verhandlungen weglassen könnte und die Kosten noch immer diejenigen von alternativen Verurteilungen übersteigen würden.

Wie kann ein Land, das so fortschrittlich ist wie die USA, eine Bestrafungsmethode gutheissen, die so fehleranfällig und so offensichtlich verzerrt ist, wie die Todesstrafe? Warum ist lebenslange Verwahrung in einem Staatsgefängnis keine Alternative? Entweder bereut der Täter seine Tat und ist sein Leben lang gequält, oder er ist psychisch derart kaputt, dass er einen Mord begehen kann, ohne reuig zu sein – und dann gehört er wohl eher in eine Psychiatrie als in ein Gefängnis. 

Vor allem die Tatsache, dass immer wieder Leute aus dem Todestrakt entlassen werden, weil sie unschuldig sind, gibt mir zu denken. Daneben wird weiter hingerichtet – wenn von diesen Menschen auch nur einer unschuldig war (und die Zahlen sprechen deutlich dafür), ist für mich das Konstrukt der Todesstrafe an sich komplett hinfällig.

«An eye for an eye», also «Auge um Auge», sagen viele Amerikaner in Berufung auf die Bibel. Nun, da steht auch drin «Du sollst nicht töten», dass man Homosexuelle hinrichten soll und dass die Kinder der Feinde zerschmettert und ihre Frauen geschändet werden sollen. Ausserdem lebte ein Typ dort drei Tage und Nächte in einem grossen Fisch und Schlangen können reden.
Kurz: Ich finde, die Bibel ist nicht unbedingt das Buch, auf welches man sich noch heute wortwörtlich berufen sollte – vor allem nicht, wenn’s um die Gesetzgebung geht.  

32 von 50 US-Staaten haben noch immer die Todesstrafe. Doch es besteht Grund zur Hoffnung: In den letzten sieben Jahren wurde sie in sieben Staaten abgeschafft. Ich für meinen Teil hoffe, dass dieser Trend weiter anhält ...

Quellen: deathpenaltyinfo.org, txexecutions.org, tdcj.state.tx.us, amnestyusa.org

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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4 Kommentare
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Yonnihof

Morgens um 6.52 Uhr vor dem Supermarkt ...

Eine kleine Ode an den Smalltalk.

Zugegeben, in anderer Konstellation hätte ich mich wohl gehasst. «Hör mal uf umelabere, Alti», hätte ich mir gedacht und gequält lächelnd und ziemlich demonstrativ meine Kopfhörer montiert. Nichts sagt «HAU AP!» so deutlich wie eine Mini-Grossraumdisco direkt in den Gehörgang.  

Aber erst einmal von vorn.  

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