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Wie JD Vance die Beziehung zwischen Trump und Musk rettete

FILE - Tesla and SpaceX CEO Elon Musk, from left, Republican presidential nominee, former President Donald Trump and Republican vice presidential nominee, Sen. JD Vance, R-Ohio, attend a campaign even ...
Elon Musk und Donald Trump verstehen sich wieder – unter anderem wegen J. D. Vance. (Archivbild)Bild: keystone
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J.D. Vance hat Musk zu Maga zurückgeholt – er bringt sich für 2028 in Stellung

Als es zwischen Elon Musk und Donald Trump krachte, gab der US-Vizepräsident den Feuerwehrmann. J.D. Vance will jegliche Spaltung der Republikaner im Vorfeld der Midterms 2026 vermeiden.
30.12.2025, 04:4730.12.2025, 15:01

Im Verlaufe des ersten Amtsjahres von Donald Trump stand die Maga-Bewegung vor einer Zerreissprobe, die nicht von politischen Gegnern verursacht wurde, sondern in den eigenen Reihen ihren Anfang nahm. Im Zentrum dieses Sturms: Elon Musk, der reichste Mann der Welt, und sein turbulentes Verhältnis zum Präsidenten. Dass dieses Bündnis heute noch – oder wieder – besteht, ist laut der «Washington Post» vor allem dem diplomatischen Geschick von Vizepräsident J.D. Vance zu verdanken.

Von DOGE zur «America Party»

Musks Radikalkürzung der Staatsausgaben durch den US-DOGE-Service entwickelte sich schnell zu einem politischen Flächenbrand. Er löste ganze Behörden wie die United States Agency for International Development (USAID), die wichtigste US-Behörde für internationale Entwicklung und humanitäre Hilfe, auf und agierte in Washington wie in seinen eigenen Unternehmen: mit der Kettensäge.

Elon Musk holds up a chainsaw he received from Argentina's President Javier Milei, right, as they arrive to speak at the Conservative Political Action Conference, CPAC, at the Gaylord National Re ...
Elon Musk hält eine Kettensäge hoch, die er vom argentinischen Präsidenten Javier Milei (rechts) erhalten hat. Sie symbolisiert die radikalen Kürzungen in der Verwaltung.Bild: keystone

Doch Musks Vorgehen sorgte je länger, desto häufiger für Kritik im Weissen Haus. Er mischte sich offensiv und teils dreist in Regierungsbelange ein, übernahm Computersysteme und E-Mail-Server. Bereits früh kam es zu Streit zwischen dem exzentrischen Techmogul und Kabinettsmitgliedern Trumps, unter anderem mit Aussenminister Marco Rubio, einer der einflussreichsten Personalien in der Trump-Regierung.

Doch auch mit dem US-Präsidenten selbst begann es zu kriseln. Als Trump sein umstrittenes und bei Musk unliebsames neues Budget («BBB») durchboxen liess und die Nominierung von Jared Isaacman – einem engen Musk-Verbündeten – für den NASA-Posten zurückzog, eskalierte die Situation.

Musk griff Trump auf X direkt an, machte Anspielungen auf dessen Vorkommen in den Epstein-Files und kündigte im Sommer die Gründung einer dritten Partei an, der «America Party». Auch wenn Beobachter dem Vorhaben von Beginn weg wenig Chancen einräumten: Für die Republikaner wäre jegliche Spaltung der Partei vor den Zwischenwahlen 2026 ein Albtraum-Szenario.

Freund der Tech-Milliardäre

In dieser Phase kam J.D. Vance als Vermittler ins Spiel. Vance, der selbst tief im Silicon Valley verwurzelt ist und seine politische Karriere teilweise der Unterstützung von Tech-Milliardären verdankt, erkannte die Gefahr früher als andere.

U.S. Vice President J.D. Vance boards Air Force Two en route to Washington, D.C., at Ben Gurion Airport in Tel Aviv, Israel, Thursday, Oct. 23, 2025. (Nathan Howard/Pool Photo via AP)
Israel Palestini ...
US-Vizepräsident Vance hat enge Verbindungen in der Tech-Branche, er gilt als Zögling von Palantir-Chef Peter Thiel.Bild: keystone

Er lud Musk demnach zu privaten Abendessen ins Naval Observatory ein, telefonierte mehrmals pro Woche mit ihm und fungierte als Übersetzer zwischen Musks technokratischem Absolutismus und Trumps politischem Instinkt. Ein Dutzend Personen, die dem Weissen Haus oder Musk nahestehen, bestätigten gegenüber der «Washington Post» Vances Effort.

Der entscheidende Durchbruch gelang Vance, indem er sich im Weissen Haus und im Senat persönlich für die Rehabilitation von Jared Isaacman einsetzte. Dieser wurde kurz vor Weihnachten von Trump nun doch zum neuen NASA-Boss ernannt.

NASA Administrator Jared Isaacman speaks during an interview, Thursday, Dec. 18, 2025, by the White House in Washington. (AP Photo/Jacquelyn Martin)
Jared Isaacman
Doch noch NASA-Chef: Jared Isaacman.Bild: keystone

Interne Gegner Musks mussten dafür ihre Posten räumen. Das Weisse Haus versetzte Sergio Gor, einen Beamten, der sich gegen Isaacman eingesetzt hatte, auf einen Posten im Ausland. Der Weg für Isaacman wurde frei, und Musk kehrte in den Kreis der Trump-Verbündeten zurück.

«Godzilla, der durch die Stadt tobt»

Während die politische Versöhnung im Maga-Lager gefeiert wird, ziehen Experten eine gemischte Bilanz der Musk-Ära in der Regierung. Kritiker wie Max Stier von der Partnership for Public Service beschreiben Musks Wirken als «Godzilla, der durch die Stadt tobt». Das ursprüngliche Ziel, zwei Billionen Dollar einzusparen, sei deutlich verfehlt worden. Stattdessen habe DOGE eine zerschlagene Verwaltung hinterlassen.

FILE - Elon Musk flashes his T-shirt that reads "DOGE" to the media as he walks on the South Lawn of the White House, in Washington, March 9, 2025. (AP Photo/Jose Luis Magana, File)
Elon Mus ...
Elon Musk zeigt den Medien sein T-Shirt mit der Aufschrift «DOGE».Bild: keystone

Musks Unterstützer im Silicon Valley sehen das ganz anders. Für sie hat Musk das «Overton-Fenster», den Bereich politisch akzeptabler Ideen in der Gesellschaft, verschoben. Er habe Tabus gebrochen, die Einstellungspraktiken im Bund radikalisiert und die Regierung dazu gezwungen, agiler – eben wie ein Unternehmen – zu agieren. Auch wenn DOGE als zentrale Einheit aufgelöst wurde, sind seine Ideen in den Regierungsbehörden implantiert worden. Ehemalige Musk-Mitarbeiter sind nach wie vor in vielen wichtigen Bundesbehörden angestellt.

Fragiler Frieden

Der Waffenstillstand zwischen Trump und Musk bleibt jedoch ein Drahtseilakt. Für J.D. Vance birgt die Nähe zu Musk auch ein erhebliches Risiko. In einer Bewegung, die sich vordergründig den Kampf gegen die «Eliten» auf die Fahnen geschrieben hat, wirkt die Allianz mit dem reichsten Mann der Welt oft widersprüchlich.

Musk wiederum hat lernen müssen, dass die US-Regierung weiterhin kein privates Unternehmen ist und der Kongress sich nicht per Tweet steuern lässt. Dennoch behält er Einfluss in oligarchischen Ausmassen: Hinter verschlossenen Türen werden laut der «Washington Post» bereits neue Pläne geschmiedet – Musk will anscheinend seine Spendenstrukturen zugunsten von bestehenden rechtskonservativen Gruppen umbauen, um die Republikaner bei den Midterms wieder zu unterstützen.

Die Spaltung der Republikaner wegen Elon Musk hat Vance also allem Anschein nach erfolgreich abgewandt. Doch die Arbeit geht dem 41-Jährigen nicht aus. Jüngst weibelte er am rechtskonservativen «America Fest», einem Zusammenkommen von rechten US-Bewegungen aller Art, für Einigkeit im Maga-Lager. Dies angesichts jüngster Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen, unter anderem im Umgang mit Turning Point USA, der Organisation des getöteten Aktivisten Charlie Kirk.

Vance tut dies wohl nicht ganz uneigennützig – will er 2028 die Nachfolge von Trump antreten, kann er von Einigkeit im rechten Lager nur profitieren.

Vice President JD Vance speaks during Turning Point USA's AmericaFest 2025, Sunday, Dec. 21, 2025, in Phoenix. (AP Photo/Jon Cherry)
Turning Point
J.D. Vance bemüht sich, Einigkeit im Maga-Lager herzustellen.Bild: keystone
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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fairness
30.12.2025 06:45registriert Dezember 2018
Bitte auf keinen Fall Vance 2028 als Präsident. Er ist noch viel gefährlicher als Trump es schon ist.
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Celtic Swiss
30.12.2025 06:55registriert Juni 2024
USA am Abgrund wegen der MAGA-SSEKTE!

Vance würde den letzten Schritt machen.
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Phuphi
30.12.2025 07:14registriert Juni 2020
Kurz gesagt: Amerika hört noch nicht auf sich selbst zu zersetzen. Man wünscht der Bevölkerung gute Besserung und etwas mehr bedacht bei den nächsten Wahlen.
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