Harvey Weinstein: «Die sexuellen Übergriffe sind eine Lüge»
Harvey Weinstein galt als einer der erfolgreichsten Hollywood-Produzenten unserer Zeit. Seine Firmen produzierten Filme wie «Pulp Fiction», «Inglourious Basterds», «Good Will Hunting», «The King's Speech» und «Django Unchained».
Doch sein Medienimperium begann zu bröckeln, als er 2017 zum ersten Mal öffentlich wegen sexueller Belästigung beschuldigt wurde. The New York Times veröffentlichte ein Exposé über Weinsteins jahrzehntelangen Missbrauch junger Frauen.
Unter den rund 90 Klägerinnen gegen Weinstein wegen sexuellen Missbrauchs befinden sich auch Stars wie Uma Thurman, Gwyneth Paltrow, Lupita Nyong'o, Salma Hayek, Kate Beckinsale und Cara Delevingne.
Im Februar 2020 wurde Weinstein in New York wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung schuldig gesprochen und zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. 2023 wurde er nach einem langen Verfahren auch in Los Angeles zu zusätzlichen 16 Jahren verurteilt.
Der 73-Jährige sitzt zurzeit seine Haftstrafe im New Yorker Gefängnis Rikers Island – dem grössten Gefängniskomplex der Welt – ab. Um diese Gefängnisinsel ranken sich etliche Horrorgeschichten und es komme jedes Jahr zu tausenden Menschenrechtsverletzungen, hauptsächlich durch die Wärter, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Eine grosse Mehrheit davon werde allerdings nicht aufgearbeitet.
Auch Weinstein bezeichnet Rikers Island als «Hölle» gegenüber The Hollywood Reporter (THR). Es ist sein erstes grosses Interview, seit er verurteilt wurde. Menschlichen Kontakt habe er so gut wie keinen, Weinstein verbringe 23 Stunden am Tag in seiner Zelle. Weil viele etwas von ihm wollen würden, sei es für Weinstein gefährlich, auf den Hof zu gehen: «Ich werde ständig bedroht und verspottet. Ich würde ausser halb der Zelle nicht lange überleben.»
«Sie haben das Formular für das Geld ausgefüllt»
Im Interview mit THR stellt sich Weinstein als Opfer dar und behauptet, dass all diese Frauen ihn nur wegen des Geldes angeklagt haben:
Er sei zwar «aufdringlich oder übermässig verführerisch» gewesen, habe aber «keine Frau sexuell angegriffen». Zugleich sagte Weinstein, einige Frauen hätten gewusst, «was auf der Tagesordnung steht», wenn sie von einem Mann spätabends in Hotelzimmer eingeladen wurden. Manche hätten ihre Begegnungen später bereut, andere möglicherweise auf Geld gehofft. «Jedoch waren nicht alle so naiv, wie sie sich gerne gaben», zitierte ihn das Magazin.
#MeToo: Diese Frauen belasten Harvey Weinstein
Im Interview entschuldigte er sich bei Frauen und sagte, er hätte sie mehr respektieren sollen. «Ich habe sie irregeführt», sagte er. Auch habe er seine beiden Ehefrauen betrogen und belogen. Das sei unmoralisch. Sexuelle Angriffe habe es jedoch nicht gegeben: «Das ist die grosse Lüge in dieser ganzen Angelegenheit.»
Weinstein: Die Frauen haben übertrieben
Zugleich räumte Weinstein ein, Grenzen überschritten und seine Machtposition missbraucht zu haben. Er habe Mitarbeiter eingesetzt, um sein Privatleben zu verbergen, und sie zum Lügen gedrängt. In der Branche habe ein Machtgefälle geherrscht, er selbst sei «beängstigend und schwierig» gewesen.
Mehrere Schauspielerinnen hätten jedoch ihre Erfahrungen übertrieben dargestellt, sagte Weinstein und nannte unter anderem Gwyneth Paltrow. Diese habe eine Begegnung mit ihm zu einer «grossen Sache» gemacht, obwohl nichts passiert sei.
Im April soll Weinstein erneut vor Gericht stehen. Über einen Anklagepunkt, bei dem sich die Jury nicht einigen konnte, wird neu verhandelt. Weinstein war 2020 zu 23 Jahren Haft verurteilt worden: Das Urteil wurde 2024 wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Zuletzt trat er gesundheitlich angeschlagen im Rollstuhl vor Gericht auf.
(Mit Material der sda)
