Frankreichs neuer X-Humor: So bissig kontert Paris die Lügen von Trump und Putin
Während Donald Trump gegen die EU wettert und russische Trolle westliche Demokratien unterwandern, hat Frankreichs Aussenministerium beschlossen: Schluss mit Contenance. Statt stiller Distanz gibt es jetzt pointierte Gegenangriffe. Auf der Plattform X, wo rechte Propaganda besonders stark vertreten ist, reagiert Frankreich auf Desinformation aus Washington und Moskau.
Die Sprache ist oftmals Humor und Satire, gepaart mit Fakten. Der Tonfall ist neu, der Absender altbekannt: das französische Aussenamt, der «Quai d’Orsay». Dazu gibt es einen neuen passenden Namen für das Sprachrohr: «French Response».
Der offizielle X-Kanal ist schnell, bissig und mit über knapp 140'000 Follower:innen inzwischen selbst ein viraler Player. Das Ziel: im Propagandakrieg nicht länger schweigen, sondern mit Stil zurückschlagen.
Zwischen Meme und Marianne: Antwort an Russland und die USA
«Wir erheben die Stimme, wir drehen die Lautstärke hoch», sagte Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot dazu laut «Tages-Anzeiger». Der Wandel sei notwendig, als Reaktion auf die «Sturzflut» an Falschinformationen aus Russland und den USA. Es gehe darum, Sichtbarkeit zu schaffen in einem globalen Kampf um Deutungshoheit.
Die neue Taktik: ein satirisch gefärbtes Social-Media-Profil im Look gängiger Meme-Accounts, jedoch mit offizieller Verifikation. Das Logo des Accounts zeigt die französische Nationalfigur Marianne vor blauem Hintergrund. Dort finden sich englischsprachige Posts, die ironisch und oft visuell stark sind.
Frankreich auf X: Hit gegen Trump- und Putin-Narrative
Als Elon Musk kürzlich die französische und britische Regierung als «faschistisch» bezeichnete – wegen deren Regulierung von Social-Media-Plattformen – reagierte «French Response» mit einem alten Foto.
Es zeigt Musk mit ausgestrecktem rechten Arm, aufgenommen bei Trumps Amtseinführung. Eine Anspielung, die sitzt: In den Kommentaren entbrannte erneut die Debatte, ob das als Hitlergruss gemeint war.
Das französische Aussenministerium liess die Pointe für sich sprechen.
https://t.co/DHadkwy5Bt pic.twitter.com/w2tonQ5eQM
— French Response (@FrenchResponse) January 11, 2026
Noch erfolgreicher: ein Post, der Trumps Narrative vom «kulturellen Verfall Europas» konterte. Statt langer Reden reichte ein einfacher Infografik-Vergleich zwischen der EU und den USA. Darauf zu sehen sind Lebenserwartung, Armutsquote, Studienkreditschulden, Mordraten. Europa schnitt durchweg besser ab.
Der Post ging viral, erreichte über 3,5 Millionen Views, 38'000 Likes und über 1000 Kommentare (Stand: Dienstagmittag).
Our « culture » https://t.co/RZK5YlpsCj pic.twitter.com/QeOtT75a2e
— French Response (@FrenchResponse) January 22, 2026
Als Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kürzlich als «Micron» verspottete, antwortete das Aussenministerium nur mit einem Emoji: ein gähnendes Gesicht. Kein Text nötig.
Frankreichs X-Account: Waffe in der hybriden Kriegsführung
Die Strategie hinter dem Account ist ein kalkulierter Gegenschlag und Teil hybrider Kriegsführung im Informationsraum. Denn Putins Trollfabriken, Trumps Plattform-Rhetorik und rechte Verschwörungstheoretiker erreichen auf X Millionen Views und fluten das Internet mit Desinformation.
Frankreich will nun ebenfalls Aufmerksamkeit generieren, aber mit Intelligenz und Haltung. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, stammt die Idee direkt von Aussenminister Barrot. Der diplomatische Stilbruch sei nicht nur erlaubt, sondern strategisch: eine neue Form der internationalen Kommunikation, angepasst an die Online-Logik.
Nicht alle sind begeistert. Besonders Frankreichs rechte Politikerinnen und Politiker kritisieren das neue Sprachrohr. Florian Philippot, früher Vize der rechtsextremen Front National, nannte «French Response» etwa «kümmerlich» und «schandhaft». Die Kritik dürfte aber weniger dem Stil gelten als dem Inhalt: vor allem, wenn es gegen Trump oder Putin geht.
Doch Desinformation teilt der neue französische X-Kanal nicht. Ganz im Gegensatz zu denen der Russland-Bots oder gar des Weissen Hauses, Trumps und Musks, die den Faktenchecks in den meisten Fällen nicht standhalten.
