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In Venezuela hat Oppositionsführer Juan Guaido (im Bild) am Dienstag die Schlussphase in dem seit Monaten tobenden Machtkampf mit Präsident Nicolas Maduro ausgerufen. (Archivbild)

Oppositionsführer Juan Guaidó hat zum Sturz von Nicolas Maduro aufgerufen. Bild: EPA EFE

Maduro meldet sich per Video und erklärt Putsch für gescheitert – das musst du wissen

Der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó rief am Mittwochmorgen die Soldaten auf, sich gegen den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro zu stellen. Darauf kam es in der Hauptstadt Caracas zu wüsten Krawallen. Ein Überblick in acht Punkten.



Wie kam es zu den Unruhen?

Über den Hügeln von Caracas ging gerade die Sonne auf, als Guaidó am Dienstagmorgen dem venezolanischen Staatschef Maduro offen den Kampf ansagte.

«Als Interimspräsident von Venezuela, als rechtmässiger Oberkommandierender der Streitkräfte, rufe ich alle Soldaten dazu auf, sich uns anzuschliessen», sagte der Oppositionsführer auf einer Schnellstrasse nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota.

Hier ruft Juan Guaidó zum finalen Aufstand auf.

Neben Guaidó stand der vor Jahren inhaftierte Oppositionsführer Leopoldo López, den aufständische Soldaten gerade aus dem Hausarrest befreit haben. «Alle Venezolaner, die sich Freiheit wünschen, sollen kommen», sagte der Gründer von Guaidós Oppositionspartei Voluntad Popular. «In diesem Moment sollen alle Venezolaner, mit Uniform und ohne, auf die Strasse.»

Wie reagierte die Maduro-Regierung?

Nach Guaidós Aufruf lieferten sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte schwere Auseinandersetzungen. Vermummte Regierungsgegner griffen gepanzerte Militärfahrzeuge an. Ein Panzerwagen raste in die Menge, wie im kolumbianischen Fernsehsender RCN zu sehen ist.

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TV-Bilder zeigten, wie ein Militärauto in Demonstranten raste. screenshot: noticias caracol

Nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota schleuderten Demonstranten Steine auf Nationalgardisten auf Motorrädern. Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengaskartuschen in die Menge. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagte, ein Oberst sei in den Hals geschossen worden, er müsse notoperiert werden. «Ich mache dafür die politische Führung der Opposition verantwortlich», schrieb er auf Twitter.

Präsident Maduro erklärte den Aufstand am Dienstagnachmittag für gescheitert. «Ich danke der Militärführung für den Mut bei der Verteidigung des Friedens», sagte er in einer Ansprache am Dienstagabend (Ortszeit). Nach seiner Darstellung wurden die Soldaten unter einem Vorwand zu einer Autobahn nahe dem Militärstützpunkt La Carlota gelockt worden. Als sie merkten, dass es sich um einen Coup der Opposition handelte, seien die meisten umgekehrt, sagte Maduro. Gegen den harten Kern von etwa 20 abtrünnigen Soldaten ermittele nun die Generalstaatsanwaltschaft. «Diese Verräter werden ihr Schicksal noch kennen lernen», sagte Maduro.

Nach Angaben der Opposition wurden bei den Kämpfen mindestens 69 Menschen verletzt. Die meisten seien durch Schrotkugeln verwundet worden, schrieb der Bürgermeister der Oppositionshochburg Chacao, Gustavo Duque, am Dienstag auf Twitter. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal wurden im ganzen Land mindestens 83 Menschen bei Demonstrationen festgenommen.

Ist Maduro die Unterstützung des Militärs auf sicher?

Das Militär gilt als der entscheidende Faktor im Machtkampf in Venezuela. Guaidó hat die Streitkräfte immer wieder dazu aufgerufen, die Seiten zu wechseln – bislang allerdings nur mit geringem Erfolg. Die Generäle profitieren ohnehin vom System Maduro und haben daher wenig Interesse an einem Machtwechsel. Kleinere Aufstände einfacher Soldaten gegen Maduros Regierung wurden bereits mehrfach niedergeschlagen.

epa06837842 A handout photograph made available by Miraflores shows President of Venezuela, Nicolas Maduro (C), along with First Lady, Cilia Flores (L), during an act to celebrate the 197th anniversary of the Battle of Carabobo and the Day of the Army in Valencia, Venezuela, 24 June 2018.  EPA/MIRAFLORES / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Nicolas Maduro kann bisher auf die Unterstützung des Militärs zählen. Bild: EPA/MIRAFLORES

Agenten des kubanischen militärischen Geheimdienstes sollen die einfachen Soldaten der venezolanischen Streitkräfte kontrollieren und Aufstände sowie Verschwörungen bereits im Keim ersticken. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Control Ciudadano sitzen in Venezuela 193 Militärs wegen politischer Vergehen in Haft.

Welche Länder unterstützen den Aufstand?

Während auf den Strassen von Caracas noch um die Macht gerungen wird, bringen sich die internationalen Verbündeten der verfeindeten Lager in Stellung. Die USA, viele EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich und zahlreiche lateinamerikanische Länder haben Guaidó bereits als rechtmässigen Übergangsstaatschef anerkannt.

«Die US-Regierung unterstützt das venezolanische Volk vollkommen in seinem Verlangen nach Freiheit und Demokratie», schrieb US-Aussenminister Mike Pompeo am Dienstag auf Twitter. Der Nationale US-Sicherheitsberater John Bolton rief das Militär dazu auf, Guaidó zu unterstützen.

Und welche Länder stehen noch hinter Maduro?

Maduros Verbündete hingegen stärken dem venezolanischen Präsidenten den Rücken. «Wir verurteilen diese putschistische Bewegung, die darauf abzielt, das Land mit Gewalt zu überziehen», schrieb der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel auf Twitter. Der bolivianische Staatschef Evo Morales teilte mit: «Wir verurteilen diesen versuchten Staatsstreich in Venezuela aufs Schärfste.»

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan, right, and Bolivian President Evo Morales shake hands during a welcome ceremony at the presidential palace in Ankara, Turkey, Tuesday, April 9, 2019. Morales is in Turkey for a two-day state visit.(AP Photo/Burhan Ozbilici)

Evo Morales und Recep Tayyip Erdogan stärken Maduro den Rücken. Bild: AP/AP

Russland warnte vor einem Eingreifen von aussen. Es gebe Kräfte, die nur einen Vorwand für ein gewaltsames Einschreiten suchten, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, bei Facebook.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb auf Twitter: «Diejenigen, die sich in Venezuela, wo das Volk herrscht und der Präsident gewählt wurde, darum bemühen, einen postmodernen Kolonial-Gouverneur zu berufen, sollen wissen, dass nur durch demokratische Wahlen bestimmt werden kann, wie ein Land geführt wird.»

Was hat es mit den Motorradgangs auf sich?

Nach der Rebellion einiger Soldaten gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro wollen regierungstreue Banden den sozialistischen Staatschef mit Waffengewalt verteidigen.

«Es ist der Moment gekommen, in dem wir die Revolution mit Waffen verteidigen», sagte der Chef der Gruppe La Piedrita, Valentín Santana, in einem am Dienstag veröffentlichten Video und streckte ein Schnellfeuergewehr in die Kamera. «Wir werden unseren Präsidenten Nicolás Maduro verteidigen.» Santanas Gang kontrolliert in der Hauptstadt Caracas die Hügel nahe dem venezolanischen Präsidentenpalast Miraflores und ist der Regierung treu ergeben.

Die sogenannten «Colectivos» beherrschen ganze Stadtviertel, kontrollieren die Verteilung subventionierter Lebensmittel und gehen unbehelligt von der Polizei ihren illegalen Geschäften nach. Im Gegenzug gehen die Motorradgangs bei Protesten gegen die Regierung hart gegen die Demonstranten vor.

Wollte Maduro das Land verlassen?

Die US-Regierung will über Informationen verfügen, wonach der venezolanische Staatschef Maduro zur Ausreise bereit gewesen sein soll. Russland habe ihn aber überzeugt, zu bleiben, sagte US-Aussenminister Mike Pompeo am Dienstag dem Sender CNN. «Es ist lange her, dass jemand Maduro gesehen hat. Er hatte ein Flugzeug auf dem Rollfeld. So wie wir es verstehen, war er bereit, heute Morgen zu gehen. Die Russen haben ihm aber zu verstehen gegeben, dass er bleiben sollte», erklärte Pompeo weiter.

Wie geht es jetzt weiter?

Oppositionsführer Guaidó will die Gunst der Stunde nutzen und den Druck auf Maduro weiter erhöhen. «Wir führen die ‹Operation Freiheit› fort. Wir bleiben auf den Strassen, bis wir das Ende der unrechtmässigen Machtübernahme erreicht haben», sagte er am Dienstagabend. «Morgen geht ganz Venezuela auf die Strasse», betonte er.

(sar/cma/sda/dpa/afp)

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