Vom Busfahrer zum Diktator: Das ist Nicolas Maduro
Den letzten Auftritt als Venezuelas Staatschef hatte Nicolás Maduro am Donnerstag. Da gab er im Staatssender Telesur ein Interview und bot den Vereinigten Staaten an, über Drogenhandel und Ölinvestitionen zu verhandeln. Er sei bereit zu sprechen, «wo und wann immer sie es wünschen».
Das ist nun nicht mehr nötig. Nach Lage der Dinge haben die USA keine Lust mehr auf Gespräche gehabt – und Maduro gestürzt. Kurz und schmerzvoll wurde er offenbar mit seiner Frau Cilia Flores entführt und wird nun in den USA angeklagt.
Es ist das nicht mehr ganz abrupte Ende eines Politikers, der in den vergangenen Jahren den schnellen Abstieg zum Diktator vollzogen hat und spätestens seit der gefälschten Präsidentenwahl im Juni 2024 nicht mehr demokratisch legitimiert war.
Maduro wurde 2013 vom sterbenden Hugo Chávez als dessen Nachfolger inthronisiert und dann bei der Wahl im April des Jahres auch als Präsident gewählt. Zuvor war der als Busfahrer und Gewerkschafter ausgebildete Maduro eher nicht im Rampenlicht gestanden.
Er hat aus dem von Chávez ersonnenen «Sozialismus des 21. Jahrhundert» eine dysfunktionale Autokratie gemacht, die längst diktatorische Züge trägt. Er hat das einst wirtschaftlich starke Land in den Ruin getrieben. Die Ölproduktion, Venezuelas ökonomisches Rückgrat, ist unter Missmanagement und Sanktionen gebrochen. Als Maduro übernahm, förderte Venezuela noch drei Millionen Fass Öl am Tag, heute ist es gerade noch ein Drittel.
Herrscher mit Nehmerqualitäten
Vielleicht ahnte Mentor Chávez, dass die grösste Begabung seines Zöglings darin lag, lange alle Stürme abzuwettern. Maduro hat in den fast 13 Jahren an der Macht Umsturzversuche und Massenproteste überstanden, Wirtschaftssanktionen ausgesessen und mögliche Anschläge überlebt. Aber gegen die Hubschrauber und Spezialeinheiten Trumps fand er kein Mittel mehr. Und auch seine kubanischen Leibwächter konnten offenbar seine Entführung nicht verhindern.
Beim Festhalten an der Macht half ihm lange die einzige Ideologie, auf die Autokraten schwören: die maximale Anstrengung zum Machterhalt. Zudem kam Maduro entgegen, dass ihn seine Gegner immer unterschätzten. Lange wurde er als «ehemaliger Busfahrer» belächelt. Nach seiner Rückkehr von einer Parteischulung aus Kuba führte er die Gewerkschaft der Buslinien von Caracas und wurde 1998 ins Parlament gewählt, dem Jahr, als Chávez Präsident Venezuelas wurde.
Beim Machterhalt half ihm bis heute auch eine zerstrittene und weitgehend unfähige Opposition, in deren Reihen Figuren stehen, die es wie Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, die 2002 einen Putschversuch unterstützte, mit den demokratischen Spielregeln selbst nicht ernst nehmen. Angesichts dieses Panoramas haben bis heute mehr als acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner schlicht das Weite gesucht und versucht, sich in Mexiko, Madrid und Miami oder in vielen Ländern Südamerikas eine neue Zukunft aufzubauen.
Der Exodus kam Maduro ebenso entgegen wie die wirtschaftliche und militärische Unterstützung aus den Partnerstaaten China, Russland und Iran. Sie bauen im Hinterland der USA nur allzu gerne Stützpunkte auf.
Bis zum Wochenende waren die Streitkräfte Maduros sein grösster Rückhalt. Diese hat er über die Jahre radikal gesäubert. Die verbliebenen hohen und mittleren Offiziere partizipieren an den legalen und illegalen Pfründen, die das System abwirft. Heute dominieren die Streitkräfte fast alle Wirtschaftssektoren und halten das chavistische Regime stabil. (aargauerzeitung.ch)
