DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Obama ein heuchlerischer Prediger gegen Waffengewalt? Grafiken zeigen: 247 grosse Schiessereien in 8 Monaten, die Zahl der Kleinwaffen wuchs seit seinem Amtsantritt massiv



epa04959709 President Barack Obama leaves the podium after speaking on the shooting at Oregon's Umpqua Community College, at the White House in Washington, DC, USA, 01 October 2015. A 20-year-old man opened fire on a community college campus on 01 October in the north-western US state of Oregon, killing a reported 13 people before law enforcement shot him dead, authorities said.  EPA/KEVIN DIETSCH / POOL

Obama wurde nach der Tat ungewohnt deutlich.
Bild: EPA/UPI / POOL

Ein Mann stürmt eine Schule und erschiesst neun Menschen – weitere wurden bei der Blutorgie schwer verletzt. Offenbar hat der Mann aus der Nachbarort von Roseburg seine Tat auf Social-Media-Kanälen angekündigt – und Äusserungen des Schützen während des Amoklaufs deuten auf eine religiös motivierte Tat hin. 

Es ist ein so reflexartiges wie rituelles Schauspiel: Der Mord ruft die Gegner der laxen Waffengesetze in den USA ebenso auf den Plan wie die Lobby der Waffenhersteller.

Während Letztere kurz nach dem Amoklauf forderten, Schüler wie Lehrer müssten allesamt mit einer Waffe ausgestattet, appellierten die Kritiker an US-Präsident Obama: Dieser richtet sich mit ungewohnt scharfen Worten an die Öffentlichkeit: 

«Unsere Gedanken und Gebete sind nicht genug. Sie werden nicht verhindern, dass es wieder ein solches Gemetzel in Amerika geben wird – nächste Woche oder in ein paar Monaten.»

Schon wieder sei eine Gemeinde von Trauer überwältigt, so Obama. Die USA seien das einzige fortschrittliche Land, das alle paar Monate eine neue Massenschiesserei erlebe. Und weiter:

«Es ist zur Routine geworden. Die Berichterstattung ist Routine. Meine Reaktion hier auf diesem Podium ist letztendlich Routine. Wir sind abgestumpft.»

Obama nimmt Stellung – die ganze Rede

abspielen

YouTube/Egberto Willies

Mehr Waffen, weniger Tote?

Mehr Waffen, weniger Tote: Diese Behauptung, propagiert von der US-Waffenlobby NRA und ihren erkauften Kongressmitgliedern, ist längst widerlegt. Eine neue Studie beweist, dass sich von 134 untersuchten Massakern zwischen Januar 2009 und Juli 2015 mehr als zwei Drittel (91) an Orten ereigneten, wo das Tragen von Waffen erlaubt ist. US-Bundesstaaten mit strengeren Gesetzen dagegen haben weniger Vorfälle. (spon)

Tatsache ist: Obama untertreibt masslos, wenn er von einer «neuen Massenschiesserei alle paar Monate» spricht: Seit er Präsident ist, verging keine Kalenderwoche ohne ein solches Massaker. Freilich ist die Zahl Waffen gemäss einer Statistik, in die Verkaufszahlen, Background-Checks und ähnliche Erhebungen einfliessen, seit Beginn seiner Amtszeit 2008 stark angestiegen.

Dieser Wert muss allerdings mit kritischer Distanz betrachtet werden, weil in den Vereinigten Staaten keine Datenbank existiert, in der sämtliche Waffenbesitzer vermerkt sind. Trotzdem wird klar: Die kolportierte Zahl der neuen Handfeuerwaffen war bereits vor Obamas Einzug ins Weisse Haus im Steigen begriffen, schwillt seit 2011 aber besonders sprunghaft an. Und diese konzentrieren sich immer mehr: Im gleichen Zeitraum hat die Zahl der Haushalte, in denen eine oder mehrere Waffen geführt werden, merklich abgenommen.

Bild

quelle: economist

Freude an der Obama-Administration dürften die beiden grössten Hersteller nicht-militärischer Waffen, die Unternehmen «Sturm Ruger» und «Smith & Wesson», haben. Dank des grossen Reibachs explodierten auch die Aktienkurse – um 700 respektive 450 Prozent.

Bild

quelle: economist

Wie eine Grafik der «Washington Post» zeigt, kam es in den ersten acht Monaten dieses Jahres zu knapp 250 grossen Schiessereien mit vier oder mehr Toten. An 24 Tagen in diesen acht Monaten starben bei jeweils drei oder mehr Schiessereien mindestens 12 Menschen.

Bild

quelle: washington post

Der «Economist» zeigt in einer weiteren Erhebung: Die grossen Schiessereien werden immer verheerender, sie fordern immer mehr Menschenleben. Die Daten basieren auf Statistiken des Stanford University Geospatial Centre, das sich wiederum auf FBI-Daten beruft.

Bild

quelle: economist

Trotz der jüngsten Bluttaten: Immer mehr US-Amerikaner verwehren sich gegen restriktivere Waffengesetze. Befürworteten 1959 noch 60 Prozent der Bevölkerung ein Verbot von Handfeuerwaffen, waren es 2014 nur noch 26 Prozent. Im Gegenteil: 63 Prozent stimmten voriges Jahr der Aussage zu, der Besitz einer Schusswaffe mache einen Haushalt sicherer.

Bild

quelle: economist

Hinter Mexiko belegen die USA bei der Mordrate Platz zwei aller OECD-Länder. Auf 100'000 Personen kamen 2012 etwa 4,7 Morde, was einem Rückgang gegenüber 2011 entspricht. 2015 wird aber wieder ein Anstieg befürchtet.

Bild

quelle: economist

Eine Karte der Website Vox zeigt eine Übersicht über sämtliche grossen Schiessereien in den USA seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School in der US-Kleinstadt Newtown am 14. Dezember 2012. Damals starben 28 Menschen.

=> Hier geht es zur interaktiven Karte.

quelle: twitter

Eine Gegenüberstellung der Zahlen jener US-Bürger, die Opfer terroristischer Gewalt geworden sind und jener, die bei einem Schusswaffen-Delikt innerhalb des Landes ums Leben gekommen sind, zeigt: Es erlagen 2011 635 mal mehr Menschen einem nicht-terroristischen Schusswaffen-Delikt als einem klar terroristisch motivierten Mordanschlag.

=> Hier geht es zur interaktiven Grafik.

Bild

quelle: vox

(tat)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Umgekehrte» Polizeigewalt in den USA: Schwarzer Beamter erschiesst weisse Frau

Einmal mehr wurde in Amerika eine unbewaffnete Person von einem Polizisten getötet. Dieses Mal aber war das Opfer weiss und der Schütze schwarz. Nun ringt das Land um Erklärungen.

Justine Ruszczyk aus Sydney wollte in den USA ein neues Leben anfangen. In Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte die ausgebildete Tierärztin eine Praxis für Meditation und Lebensberatung eröffnet. Im August wollte sie ihren amerikanischen Verlobten Don Damond auf Hawaii heiraten. Seinen Namen hatte die 40-jährige Australierin schon zuvor angenommen.

Am 15. Juli endete der amerikanische Traum von Justine Damond durch die Kugel eines Polizisten. Kein neues Phänomen: In den letzten Jahren …

Artikel lesen
Link zum Artikel