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6 Statistiken zu Kohlestrom und Kohlekraftwerken, die du kennen musst



Kohlekraftwerke sind ein Problem. 2018 produzierten sie 10,1 Gigatonnen CO2. Das war knapp ein Drittel der gesamten anthropogenen CO2-Produktion (33.1 Gigatonnen). Trotzdem werden auch heute noch neue Kohlekraftwerke gebaut. Einige, um ältere, ineffizientere zu ersetzen; andere, um den steigenden Energiehunger in verschiedenen Ländern zu stillen.

Wie viele Kohlekraftwerke gibt es (noch)?

epa08132469 (FILE) - A bucket wheel excavator operates to dig brown coal at the Garzweiler lignite opencast mine operated by RWE in Erkelenz near Cologne, 20 June 2019 (reissued 16 January 2020). According to media reports the German federal government and the federal states with lignite coal mining regions have agreed during a joint meeting in the early morning of 16 January 2020 to a shutdown plan of lignite fired power plants.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL

Bild: EPA

Auskunft über sämtliche erfassten Kohlekraftwerke dieser Welt gibt der «Global Coal Plant Tracker» des Global Energy Monitors. Man unterscheidet wie bei den Atomkraftwerken die eigentlichen Kraftwerke (Power Stations) und die Blöcke (Units). So besteht zum Beispiel das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe 30 Kilometer südlich von Cottbus aus zwei Blöcken zu je 800 MW Leistung. Deshalb übersteigt die Blockanzahl die Kraftwerkanzahl um ein Vielfaches.

Insgesamt sind momentan weltweit (Stand Januar 2020) 2485 Kraftwerke und 6620 Blöcke in Betrieb.

Die Weltkarte der Kohlekraftwerke

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Sämtliche Kohlekraftwerke dieser Welt auf einer Karte. bild: screenshot Global Coal Plant Tracker.

Wo stehen die meisten Kohlekraftwerke?

In China. Und zwar mit Abstand. Beinahe die Hälfte aller Kohlekraftwerke stehen im Reich der Mitte.

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Die ersten mitteleuropäischen Staaten folgen gleich hinter Indonesien auf Platz sieben (Deutschland: 74) und acht (Polen: 50).

Wie viel Strom produzieren diese Kohlekraftwerke?

Die Schweiz als Sonderfall. Der geläufige Topos gilt wenigstens für die Stromproduktion. Wir kommen hierzulande ohne einheimische Kohlekraftwerke aus, weltweit sind sie in der Stromproduktion aber führend. Und das nicht wegen ihrer Grösse, sondern alleine wegen der schieren Anzahl.

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Angaben in Prozent. Datenquelle IEA

Die grössten CO2-Produzenten mit Kohlekraftwerken

Stellt sich die Frage, welche Länder wie viel CO2 damit produzieren. Führend ist selbstredend wieder China. Aber die USA und Indien tauschen die Plätze.

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bild: datawrapper

Chinesische Kohlekraftwerke produzieren alleine 14,4 Prozent des gesamten weltweiten anthropogenen CO2. Mit China, den USA und Indien sind drei Länder alleine für Zweidrittel des «Kohle-CO verantwortlich. Dreiviertel sind es, wenn man Russland und Japan dazunimmt. Im Kampf gegen den Klimawandel werden diese Kohlegrossmächte zentral sein. Doch wie sieht eigentlich der Trend aus? Werden weiterhin neue Anlagen gebaut?

Die neuen Sünder

China zeigt sich auch bei der Installation neuer Kraftwerke am exzessivsten, gefolgt von Indien. Die USA hingegen übte Zurückhaltung. Die seit 2006 installierte Leistung beträgt in Indien 170 Gigawatt.

Die Schweizer Vergleichsgrösse: Die über 600 Wasserkraftwerke in der Schweiz besitzen eine Gesamtleistung von 15'290 Megawatt. Das ist ungefähr so viel, wie alleine Vietnam in den letzten 13 Jahren mit Kohlekraftwerken dazugewann.

Die zusätzlich installierte Leistung mit Kohlekraftwerken in Megawatt 2006 bis 2019

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bild: watson.ch

Die Netto-Entwicklung

Eine alleinige Statistik, wer wie viel neue Kohlekraftwerk-Leistung installiert hat, sagt nichts über die tatsächliche Nettozunahme aus. Denn vielerorts werden Kraftwerke ohne gleichartigen Ersatz stillgelegt. Die Netto-Entwicklung gibt deshalb einen besseren Anhaltspunkt, welche Staaten es ernst meinen mit der Bestrebung, von der Kohlekraft wegzukommen.

Die Netto-Entwicklung der Kohlekraft (in Megawatt) pro Land zwischen 2018 und 2019

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Daten: Global Coal Plant Tracker

Die Zahlen zeigen eindrücklich, wer sich vom Kohlestrom zu verabschieden versucht. Donald Trump posierte zwar medienwirksam mit Arbeitern und kündigte ein Revival dieses «sauberen Stroms» an – die Realität zeichnet ein anderes Bild. Auch in Deutschland und Grossbritannien sind die Bemühungen deutlich ersichtlich. Grossbritannien feierte unlängst die ersten beiden Wochen ohne Kohlestrom. Auf der Insel will man den kompletten Ausstieg bis 2025 geschafft haben. Deutschland lässt sich bis 2038 Zeit, was vielen im Land zu wenig schnell geht.

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Video: srf

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • heureka 22.03.2020 16:49
    Highlight Highlight Da Unsere Stromversorgung mittlerweile keine 60% des Bedarfs abdeckt, (2016 65%) wird Unser Strom immer dreckiger. Tendenz steigend. Die Subventionierung von E-Autos und Luft-wärme Pumpen, verlagern nur den CO-2 Austoss ins Ausland. Dafür Werden Oelheizungen mit CO-2 Abgaben, rund 25% belastet. WIE Heuchlerisch und Ungerecht.
    • Lienat 22.03.2020 20:25
      Highlight Highlight Fake News vom Feinsten... 2016 hatte die Schweiz einen Importüberschuss von 3'923GWh bei einem Landesverbrauch von 62'617GWh. Das sind gerade Mal 6.3%, d.h. 93.7% Eigendeckung. 2019 hatten wir sogar einen Exportüberschuss von 6'471GWh bei einem Verbrauch von 55'803GWh.

      Nebenbei: Mann sollte die grossen Import-/Exportzahlen der Schweiz nicht überbewerten. Das sind im Wesentlichen drei Übertragungsleitungen, die im Norden und Westen in die Schweiz kommen und diese im Süden wieder verlassen. Unser eigenes Netz ist da recht schwach angebunden.
    • weissauchnicht 22.03.2020 22:07
      Highlight Highlight @heureka, man darf in den Kommentarspalten ja jeden Bullshit ohne Quellenangaben erzählen, irgend jemand wird es Dir bestimmt glauben. Versuch es doch einmal mit der offiziellen Elektrizitätsstatistik:
      Total Nettoerzeugung 2019: 62'274 GWh
      Total Landesverbrauch 2019: 55'803 GWh
      Das ist ein Produktionsüberschuss von rund 10%, den wir exportieren.

      Quelle:
      https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/statistik-und-geodaten/energiestatistiken/elektrizitaetsstatistik.exturl.html/aHR0cHM6Ly9wdWJkYi5iZmUuYWRtaW4uY2gvZGUvcHVibGljYX/Rpb24vZG93bmxvYWQvOTY5Ng==.html
  • Bruno Fenner 22.03.2020 11:35
    Highlight Highlight Was ich nicht verstehe ist, wieso immer über den immensen CO2-Ausstoss von Kohlekraftwerken geredet wird aber nichts dagegen unternommen wird. Ich bin davon überzeugt, dass es längst Technologien gibt, welche das CO2 abscheiden lassen würde, damit es gar nicht in die Atmosphäre gelangt. Auch wird CO2 ja extra für andere Zwecke produziert. Es werden heute Welt weit Milliarden für Umweltschutz investiert, sicher liesse es etwas für solche Abscheider abzweigen. Ja und auch die Kohlekraftwerke müssten ihren Beitrag dazu leisten. Oder glaubt jemand diese Industrie schliesse einfach alle Kraftwerke?
    • Lienat 22.03.2020 19:37
      Highlight Highlight Und wo willst Du mit den Abermillionen Tonnen CO2 anschliessend hin? Auf den Mond schiessen?
  • Andreas Karz 22.03.2020 09:08
    Highlight Highlight Die "Wasserkraftwerke" sind eine Farce, 90% davon sind Pumpspeicherkraftwerke, die netto mehr Strom benötigen, als soe produzieren. Notabene Kohlestrom! Die Pumpspeicherkraftwerke waren als Batterie für den in der Nacht produzierten Atomstrom gedacht, jetzt importiert man halt Kohlestrom.
  • Andreas Karz 22.03.2020 09:03
    Highlight Highlight Ohne EINHEIMISCHEN Kohlestrom, wer es überlesen hat: dafür importieren wir den jeweils in der Nacht, um unsere ach so sauberen Pumpspeicherkraftwerke (aka Stauseen, aka Wasserkraft) zu betreiben.
  • SUV-Fahrer 22.03.2020 07:23
    Highlight Highlight Super Artikel, aber ist nach wie vor so, dass in der Schweiz die SUV Fahrer für Alles verantwortlich gemacht werden, gell..
  • braunovic 21.03.2020 18:03
    Highlight Highlight Genau darum braucht es Kernkraftwerke ausgerüstet mit Reaktoren der neuesten Generation! So kann man die alten Reaktoren wie Beznau abschalten. Das gewährleistet eine solide Bandenenergie und dazu noch in eneuerbare Energie investieren! Aber Kernenergie verteufeln und nur noch auf eneuerbare Energie setzen um die CO2 Bilanz zu senken ist sehr schwer! Es braucht einen guten Mix aus allem um die Kohleenergie zu eliminieren!
    • Gregor Rölli 21.03.2020 20:13
      Highlight Highlight Erst wenn die Abfälle der Atomenergie eine Halbertszeit von weniger als 100 Jahren haben, und dann unbedenklich für die Umwelt sind. Erst dann ist für mich Atomenergie wieder eine Option.
    • braunovic 21.03.2020 21:02
      Highlight Highlight @Gregor Rölli Am Atommüllproblem ist man auch aktiv daran! Siehe BN-Reaktor oder Flüssigsalzreaktor. Wenn da aktiv weiter geforscht und das gefördert wird kann man das Problem irgendwann gelöst werden. Darum wäre es sinnvoll auch das in Betracht zu ziehen.
    • Lienat 22.03.2020 08:31
      Highlight Highlight Reaktoren der 4. Generation sind sicherer als heutige Reaktoren, aber noch lange nicht sicher - insbesondere wenn man das Schadenspotential betrachtet. Abgesehen davon würde es noch Jahrzehnte dauern, bis solche Kraftwerke im grossen Stil ihren Betrieb aufnehmen können. Wenn man sich die Marktentwicklung bei den erneuerbaren Energien - insbesondere Photovoltaik - anschaut, wird Kernkraft bis dahin als Energiequelle obsolet sein. Die einzige Daseinsberechtigung für solche Kernreaktoren wird dann ihre Fähigkeit sein, um unsere starkaktiven Abfälle zu etwas handhabbarem zu transmutieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MGPC 21.03.2020 17:47
    Highlight Highlight Und wie ist es im Moment überhaupt aus? Wirtschaft wurde zwar gedrosselt aber alle sitzen ja zuhause und brauchen mehr Strom. Arbeitete diese Woche im Atomkraftwerk und die haben einen erheblichen Anstieg.
    • lesenderr 21.03.2020 19:30
      Highlight Highlight Während unserer Schweisserei geschlossen ist, welche massiv mehr Strom verbraucht als Netflix'n'Chill
    • BVB 22.03.2020 15:36
      Highlight Highlight @lesenderr
      Bist du dir da sicher?
      Server verbrauchen sehr viel Strom.
  • Clank 21.03.2020 17:35
    Highlight Highlight Kohlestrom kann man ruhig auch als DAS grösste Problem bezeichnen.
    Mein Prof sagte einmal: würde man alle Kohlekraftwerde alleine mit Erdgas ersetzen, hätte man ungefähr gleich viel CO2 gespart, wie durch das Lahmlegen des ganzen Personalverkehr.
    Fast alle erneuerbaren Technologien gegen den Klimawandel zielen auf eine Dekarbonisierung mittels Elektrifizierung ab. Dies funktioniert ja nur, wenn der Strom möglichst emissionsfrei produziert wird. Davon sind wir weit entfernt. Da unser Stromnetz mit dem Europas vernetzt ist, fliesst zb. auch Kohlestrom aus Polen in unserem Tesla.
    • Teslerigs 22.03.2020 20:09
      Highlight Highlight Der fließt zuerst in ein Pumpspeicherwerk im Tessin und wird dann als grüner Strom verkauft. In unseren Tesla. Oder unsere Wärmepumpe. Oder...
  • MartinZH 21.03.2020 17:34
    Highlight Highlight Ist ja interessant, was es über Kohlekraftwerke zu berichten gibt. Aber ganz ehrlich, interessiert das im Moment jemanden? 🤔 Ich denke, es gibt momentan akutere Probleme, die auch mit der Natur und den Menschen zu tun haben..! 😔
    • ursus3000 22.03.2020 12:51
      Highlight Highlight Bist Du ein Schlaumeier , oder hast Du zu diesem Thema auch so viele gute Ratschläge wie zu Corona ?
    • René Gruber 23.03.2020 09:33
      Highlight Highlight Es gibt auch noch andere Themen wie das Corona-Virus, das Leben geht neben der Pandemie(-Hysterie) weiter und es gilt auch andere Problem zu lösen.
  • Ökonometriker 21.03.2020 17:31
    Highlight Highlight Hier noch die Stromproduktion aus fossilen Energieträgern pro Kopf, um die Zahlen auch ins Verhältnis setzen zu können (Quelle: BP World Energy Report Juni 2019 & Wikipedia):

    USA: 10.2 MWh/Jahr
    Russland: 7.1MWh/Jahr
    Japan: 6.0 MWh/Jahr
    China: 5.6 MWh/Jahr
    Deutschland: 4.9 MWh/Jahr
    Indien: 0.9 MWh/Jahr

Autobahn der Zukunft: Schweiz unterstützt Solar-Highway-Projekt in Österreich

Das Energiepotenzial ist immens: Mit Solarzellen überdachte Autobahnen könnten in der Schweiz ganze AKWs ersetzen. Das Bundesamt für Strassen unterstützt ein entsprechendes Forschungsprojekt in Österreich. Im Wallis kommt derweil eine geplante Teststrecke nicht vom Fleck.

Das könnte sogar Elon Musk beeindrucken: Künftig sollen mit Solarzellen überdachte Autobahnen den Strom für Elektroautos liefern und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende liefern. Das Potenzial scheint immens: Laut dem Zuger Solar-Unternehmen Servipier könnten 40 Prozent des Schweizer Autobahnnetzes mit Photovoltaik-Anlagen überdacht werden. Das sind 750 Kilometer Autobahn. Damit liessen sich laut der Firma mehrere Atomkraftwerke ersetzen.

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