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Haidar al-Abadi, designierter Ministerpräsident des Iraks.
Haidar al-Abadi, designierter Ministerpräsident des Iraks.Bild: AHMED SAAD/REUTERS
Designierter Ministerpräsident

Doktortitel aus England, zwei hingerichtete Brüder, enger Vertrauter Malikis: Das ist der neue starke Mann im Irak, Haidar Abadi

15.08.2014, 16:0015.08.2014, 16:30

Der irakische Politiker Haidar al-Abadi steht vor einer enormen Aufgabe. Der Schiit hat von Präsident Fuad Masum den Auftrag erhalten, eine Regierung zu bilden in einer Zeit, in der das Land die wohl schlimmste Zerreissprobe seit dem Abzug der US-Armee 2011 durchlebt.

Al-Abadi soll die tief zerstrittenen Eliten in Bagdad versöhnen. Er soll ein Kabinett formen, das in der Lage ist, die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zurückzudrängen. Oder wie Staatschef Masum bei der kurzen Nominierungszeremonie sagte: «Das Land ist jetzt in Ihren Händen.»

Der 1952 geborene al-Abadi hat wie der bisherige Ministerpräsident Nuri al-Maliki und viele andere irakische Politiker während der Herrschaft von Saddam Hussein lange Zeit im Exil gelebt. 

Ingenieurausbildung in Manchester

1981 erwarb er im britischen Manchester einen Doktortitel in Ingenieurswissenschaften. Wie auf al-Abadis Website zu lesen ist, wurden zwei seiner Brüder Anfang der 80er Jahre von den Schergen Saddam Husseins hingerichtet, weil sie der oppositionellen Dawa-Partei angehörten. Wegen des gleichen Vorwurfs sass demnach ein dritter Bruder zehn Jahre im Gefängnis.

Die Dawa-Partei stellt heute die grösste Fraktion im irakischen Parlament, zu ihren Führern gehören al-Maliki und al-Abadi. Nach dem Einmarsch der USA und dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 gehörte al-Abadi als Kommunikationsminister zur Übergangsregierung. 

Nach seiner Wahl ins Parlament im Jahr 2006 leitete er zunächst den Ausschuss für Wirtschaft, Investitionen und Wiederaufbau, später wechselte er an die Spitze des Finanzausschusses. Im Juli wurde er zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten gewählt.

Nun soll er ausgerechnet jenen Mann ersetzen, als dessen Vertrauter al-Abadi bisher galt. «Zwischen die beiden hat lange kein Blatt Papier gepasst», sagt Kirk Sowell, der von der jordanischen Hauptstadt Amman aus die Geschehnisse in Bagdad analysiert. Er beschreibt al-Abadi als Wiedergänger des Ex-Ministerpräsidenten.

«Freundlich und realistisch»

Der Experte Said al-Ali beschreibt den designierten Ministerpräsidenten als «freundlichen» und «realistischen» Menschen. «Die Menschen erkennen an, dass er sehr zugänglich ist», sagt al-Said. Das gelte auch für jene, die anderer Meinung seien als al-Abadi. 

Diese Charakterzüge wird al-Abadi brauchen, wenn es ihm gelingen soll, in den kommenden 30 Tagen wie angekündigt eine «breit angelegte, offene Regierung» zusammenzustellen.

Dafür muss er die Vertreter der Sunniten überzeugen, die sich von al-Maliki an den Rand gedrängt und gedemütigt fühlten. Er braucht die Unterstützung der Kurden, die versucht sein könnten, die gegenwärtige Krise zu nutzen, um ihr autonomes Kurdengebiet zu vergrössern und vollends der Kontrolle Bagdads zu entziehen. Und schliesslich braucht al-Abadi die Unterstützung vieler Schiiten, die bisher zu al-Maliki standen.

Als wäre diese Aufgabe nicht genug, ist sie nur der erste Schritt, um die gewaltigen Probleme des Iraks zu lösen. Die radikalsunnitischen IS-Milizen kontrollieren weite Landstriche in fünf Provinzen des Landes. Angehörige religiöser Minderheiten verlassen das einst multireligiöse Land in Scharen. Die Gräben zwischen den Volksgruppen sind tief.

Ferner wuchert die Korruption und die Wirtschaft liegt trotz reicher Ölvorkommen brach. Dem Land gelingt es nicht einmal die Basisversorgung mit Wasser und Strom aufrecht zu erhalten. Vielleicht wird al-Abadi noch einmal auf sein Ingenieurswissen zurückgreifen müssen. (sda/afp)

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