Justiz
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Zürcher Obergericht

«Use du Scheiss-Jugo» – Zürcher Polizist wegen Beschimpfung verurteilt

Ein Kroate beschimpfte Zürcher Stadtpolizisten als «Nazi-Schweine». Darauf verlor der stellvertretende Wachtchef laut Anklage die Fassung und schrie: «Use du Scheiss-Jugo». 

Das Zürcher Obergericht hat einen heute 44-jährigen Zürcher Stadtpolizisten wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu 120 Franken verurteilt, wie dieses am Dienstag mitteilte. Laut Anklage hat der Beschuldigte einen Kroaten auf dem Polizeiposten als «Scheiss-Jugo» bezeichnet.

Damit korrigierte das Obergericht ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte den nicht geständigen Polizisten im vergangenen März freigesprochen, da mehrere Polizeibeamte vor Ort waren, die ebenfalls als Täter in Frage kamen. Der heute 35-jährige Geschädigte legte Berufung gegen das Urteil ein. 

Fassung verloren

Laut Anklage trug sich der Vorfall in der Nacht auf den 18. September 2011 zu. Damals tauchte der wütende Kroate in der Regionalwache Aussersihl auf und suchte seine Jacke, die man ihm zuvor bei einer Polizeikontrolle abgenommen hatte. Als er das Kleidungsstück erhalten hatte, beschwerte er sich über die Fahnder. Diese hatte er bereits auf der Strasse als «Nazi-Schweine» bezeichnet. Dafür wurde er später mit 500 Franken gebüsst.

Darauf verlor der stellvertretende Wachtchef laut Anklage die Fassung und schrie: «Use du Scheiss-Jugo». Der Beschuldigte stellte diese Worte allerdings entschieden in Abrede. Er habe so etwas nie gesagt, erklärte er.

Kroate hat gewisse Mitverantwortung

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Selbst wenn sein Mandant den Geschädigten so beschimpft hätte, wäre eine Befreiung von einer Strafe angezeigt, sagte er vor Gericht. Sein Klient habe lediglich unmittelbar auf eine Provokation reagiert.

Zudem sei die Anklage nicht bewiesen. Der Privatkläger habe gar nicht mitbekommen, wer die Beleidigung ausgestossen habe. Während des Vorfalls hätten sich mehrere Polizisten auf der Wache aufgehalten. Diese Argumente liess das Obergericht nicht gelten. Allerdings gingen die Richter auch von einer gewissen Mitverantwortung des Kroaten aus und traten auf seine Forderung nach Genugtuung nicht ein.

Der Polizeibeamten muss nicht nur für die Strafe aufkommen, er muss auch die bisher aufgelaufenen Gerichtskosten von 4500 Franken übernehmen. Zudem wurde er verpflichtet, dem Geschädigten eine Prozessentschädigung von 5000 Franken zu bezahlen. (whr/sda)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Smarti 25.11.2014 19:57
    Highlight Highlight Ich finde es völlig ungerecht, wenn der Polizist deswegen verurteilt wird. Der Kroate hat ihn schliesslich auch als Nazi-Schweim beschimpft!
    1 3 Melden
    • EvilBetty 27.11.2014 07:33
      Highlight Highlight Wieso ungerecht? Der Kroate wurde auch gebüsst.
      2 0 Melden
  • dnsd 25.11.2014 19:05
    Highlight Highlight Ich bin der Meinung man sollte Polizisten leichte Körperverletzung nach eigenem Ermessen erlauben, falls sie beleidigt oder bespuckt werden. Das würde der Polizei wieder den nötigen Respekt verschaffen.
    4 9 Melden
  • Anded 25.11.2014 18:05
    Highlight Highlight 600 Fr. bedingt vs. 9500 Fr. Prozess-/Entschädigungskosten... Man könnte meinen die Polizei sollte sich für die Klärung von Straftaten einsetzen, und wenn einer selbst eine im Dienst begangen hat sollte er dazu stehen, statt sich zu verstecken und alles abzustreiten. Wenn vor dem Bez.gericht der Beschuldigte oder einer seiner Kollegen die Beleidigung zugegeben hätte, hätten sie womöglich keinen Franken bezahlt und nur die bedingte Geldstrafe erhalten. Fraglich ob der Kläger das weitergezogen hätte für eine Genugtuung. Und wenn, wäre sie ziemlich sicher auch abgewiesen worden wie jetzt.
    2 3 Melden
  • Criks 25.11.2014 17:28
    Highlight Highlight Sowas ist auch nur in der schweiz möglich...
    10 5 Melden
  • rasuk 25.11.2014 17:12
    Highlight Highlight Sowas nennt sich "Justiz" ? ...lol
    8 2 Melden

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