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bild: shutterstock / watson
Emma Amour

Jetzt bläst mir eine Frau aus der Vergangenheit den Liebes-Marsch

Ich habe Carmens Existenz schon vergessen. Dabei waren wir im Chindsgi und die ersten zwei Jahre die allerbesten Freundinnen. Dank Social Media finden wir wieder zueinander. Eine schöne Geschichte. Eigentlich. Würde mich Carmen nur nicht daran erinnern, dass ich schon als kleines Mädchen ein grosses Biest war.
02.09.2021, 10:18

«Emma? Haha. Wie geil! Bist du die Emma aus xy? Kann es sein, dass wir zusammen bei Frau X. im Chindsgi und nachher bei Herr P. zusammen in der Schule waren, bis du weggezogen bist?» Diese Nachricht erreicht mich neulich über Instagram.

Die Verfasserin: Carmen. Carmen, Carmen, Carmen. Ich muss husch studieren. Hiess meine Freundin nicht Carla? Und hatte zumindest damals einen ganz anderen Nachnamen? Okay, ich muss mich irren. Mein Namengedächtnis ist und war schon immer scheisse.

«Carmen? Mit den blonden Zöpfli und den roten Sandalen mit Blüemli drauf, auf die ich immer neidisch war?», antworte ich. «Haha, ja, genau, die!», schreibt Carmen. Mir geht das Herz auf. Carmen und ich haben uns über 20 Jahre nicht gesehen und nicht gehört. Dabei waren wir mal die allerbesten Freundinnen. Und zwar in dem Kaff, in dem ich die ersten acht Jahre meines Lebens verbrachte.

Carmen, (nicht Carla) und ich, wir waren gegen den Rest der Welt. Wir waren quasi die Töchter von Thelma & Louise, die kleinen Schwestern von Alicia Silverstone und Liv Tyler in jeglichen Aerosmith-Videos.

Die Herzen, die ich zertrümmerte!

Wir schreiben etwas hin und her, bis wir merken, dass uns nur die Geleise unsere Wohnorte trennen. Wir verabreden uns sofort auf Drinks. Zwei Abende später sitzen wir am Wasser. Sie sieht irgendwie noch genau gleich aus. Bei mir, sagt sie, sei das riesige Lachen immer noch das Gleiche.

Was für eine schöne Begegnung.

Ob sie noch Kontakt zu Fabienne, Nicole und all den anderen hat, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Sie hat. Vor allem aber ist sie sehr eng mit Claudio. Claudio who, frage ich.

«Emma!», sagt sie. «Claudio, dessen Herz du so zertrümmert hast, dass er heute noch hie und da darüber spricht!»

Fuck.

Mir dämmerts.

In der zweiten Klasse war das. Auf der Schülerreise. Alle gingen mit irgendjemandem. Nur ich ging mit niemandem. Ich war weder blond, noch sehr herzig, geschweige denn graziös. Ich war ein Hauruck-Mädchen. Eines, das lieber Fussball statt Puppen spielte. Und eines, das, DANKE MUTTER, eine Igelifrisur trug.

Claudio liess sich davon nicht abschrecken. Er wollte mit mir gehen. Also liess er mir über Carmen das obligate «Willst du mit mir gehen?»-Zädeli zukommen. Ich, sehr happy, dass endlich jemand fragt, kreuzte «Ja» an. Dass ich Claudio maximal unattraktiv fand, fand ich damals nicht so schlimm.

Claudio jedenfalls wollte Händli halten. Ich nicht.

Claudio wollte mir beim Bananenfangis ein Küssli geben. Ich wollte keines.

Claudio wollte mich zu seiner Geburriparty einladen. Ich wollte nicht hin.

Ich wollte einfach nur sagen können, dass ich mit Claudio gehe.

Carmen lacht. «Komm, wir schicken ihm ein Selfie

Zum Foto schreibt sie: «Rat mal, wer die Dame neben mir ist?»

Er antwortet postwendend: «Sag ihr, dass mein Herz immer noch schmerzt! ;-)»

Immerhin ein Zwinker-Emoji.

Claudio sei nicht der einzige, der ein Trauma erlitten habe, sagt Carmen. «Erinnerst du dich an Lorenz?» Jetzt, da sie es sagt. Den fand ich super. Wir gingen miteinander. Alles war gut. Bis er im Klassenlager vor Heimweh Rotz und Wasser heulte. Fand ich kleine unsensible B*tch uncool und machte Schluss.

Ich will mich sofort entschuldigen, als mich Carmen beruhigt.

Claudio und Lorenz geht es bestens. Claudio hat drei (!) Kartoffeln mit Lisa. Das mag ich Claudio sehr gönnen. Lisa war die Pausenplatz-Prinzessin, die JEDER wollte. Claudio hat sie im Teeniealter bekommen. Sie sind immer noch glücklich. Könnte mich nicht mehr freuen.

Und Lorenz? Lorenz hat auch eine Kartoffel. Mit Thomas. Es ist keine richtige Kartoffel, es ist eine Hunde-Kartoffel. Sie feiert bald ihren ersten Geburtstag und ist eine herzige Dackeldame namens – haha – Emma. Lorenz, Markus und die Hunde-Kartoffel wohnen ebenfalls unweit von Carmen und mir entfernt.

Ich finde Lorenz am selben Abend auf Facebook und schreibe ihn an. Ich gratuliere zur Liebe und zur sehr herzigen Hunde-Kartoffel. Und in einem Nebensatz entschuldige ich mich für das unsensible Schlussmachen.

Lorenz antwortet ein paar Tage später:

«Wie schön von dir zu lesen, Emma! Herzlichen Dank für deine Wünsche. Das Leben hat es trotz deines Herzzertrümmers sehr gut mit mir gemeint. Eventuell hast sogar du mich schwul gemacht. ;-) Und weisst du was? Es ist das Beste, das mir passieren konnte. Sei also unbesorgt und habs wunderbar. PS: Ich lese dich schon lange. Und weil das so ist, erlaube ich mir folgende Worte: Es ist Suff-SMS-Sandro. Daran besteht null Zweifel. Bitte, gern geschehen.»

Hrmmmpppf.

PS: Ich bin in den Ferien. Brauche Sonne, Schirmli-Drinks, Sand unter den Füssen. Schwänze drum heute die Kommentarspalte. Seid lieb. Und anständig. Und bevor ihr fragt: Nein, ich bin nicht mit Suff-SMS-Sandro in den Ferien.

Adieu,

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Sexpannen, Liebeskummer und verrückte Dates: Niemand erzählt in der Schweiz so authentisch und unverblümt wie Emma Amour. Seit Januar 2018 lässt die Zürcherin die watson-User an ihrem Leben teilhaben. Wenn sie eine Auszeit nimmt, springt ihre beste Freundin Cleo ein.

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Informationen zum Buch
Herausgeberin: watson
Erscheinungstermin: 12.02.2021
ISBN: 978-3-03902-124-6
Einband: Broschur mit Klappe
Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21

Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)
Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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