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Bild: 20th Century Fox

Chinas Zensurbehörde ändert Ende von «Fight Club» – dem Autor gefällts

28.01.2022, 13:4729.01.2022, 11:19

Der Film-Klassiker «Fight Club» (1999) endet mit der Botschaft, dass ein Plan im Gange ist, bei dem die moderne Gesellschaft dem Untergang geweiht ist.

Seit kurzem ist «Fight Club» auf dem chinesischen Streamingdienst-Anbieter Tencent zu sehen. Der Filmkritikerin Courtney Howard ist aufgefallen, dass genau dieses Ende in China nun abgeändert wurde. Anstatt – ACHTUNG SPOILER – dass der Protagonist sein imaginäres Alter Ego umbringt und dabei zuschaut, wie mehrere Häuser explodieren, erscheint in China folgender Text:

«Dank des Hinweises von Tyler konnte die Polizei den ganzen Plan schnell durchschauen und alle Verbrecher verhaften, sodass die Explosion der Bombe verhindert werden konnte. Nach dem Prozess wurde Tyler in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Im Jahr 2012 wurde er aus der Klinik entlassen.»

Gegenüber dem Guardian sagt Dr. How Wee Ng, welcher chinesische Filme und Medien an der Universität von Westminster unterrichtet:

«Die neue chinesische Version von ‹Fight Club› legt die Macht wieder in die Hände der Polizei und impliziert einen idealen Abschluss im Einklang mit dem chinesischen Staatsdiskurs, in dem die symbiotische Beziehung zwischen der Polizei und dem Staat eine Selbstverständlichkeit ist»
Dr. How Wee Ng

Dass China Änderungen an amerikanischen Filmen vornimmt, passiert nicht zum ersten Mal. So zum Beispiel wurden 2019 Szenen aus dem Film «Bohemian Rhapsody» gestrichen, welche sich auf die Sexualität des Musikers beziehen. Was aber eigentlich ein wichtiger Teil seiner Biografie ist.

Autor des Buches meldet sich zu Wort

Nun meldet sich Autor Chuck Palahniuk, auf dessen Buch der Film-Klassiker beruht, zu Wort. Auf Twitter schreibt er:

«Habt ihr diesen Sch*** gesehen?

Es ist super. In China kriegen alle ein glückliches Ende!»

Palahniuk sagt, dass das chinesische Ende des Films dem Ende des Buchs näher komme, als das amerikanische. Denn im Roman scheitert der Plan des Protagonisten ebenfalls. Allerdings liegt das nicht an der Klugheit der Polizei, sondern daran, dass die Bombe nicht funktionierte. Der Protagonist unternimmt daraufhin einen Selbstmordversuch und landet in einer psychiatrischen Klinik.

In einem Interview mit TMZ sagt Palahniuk:

«Es ist ironisch, dass die Chinesen das Ende fast genau an das Ende des Buches angepasst haben, im Gegensatz zu Finchers Ende, das ein spektakuläreres visuelles Ende war. In gewisser Weise haben die Chinesen den Film also wieder ein wenig an das Buch angeglichen.»
Chuck Palahniuk

Ebenfalls ironisch seien die wütenden Reaktionen vieler Amerikaner, da sein Buch an vielen Orten in den USA verboten sei:

«Das texanische Gefängnissystem weigert sich, meine Bücher in seine Bibliotheken aufzunehmen. Viele öffentliche Schulen und die meisten Privatschulen weigern sich, meine Bücher zu führen.»
Chuck Palahniuk

(cmu)

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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c-bra
28.01.2022 14:31registriert April 2016
Habt ihr gerade die 1. Regel des Fight Clubs gebrochen?
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001506.b818b2f8@apple
28.01.2022 14:15registriert Juli 2021
1st rule: You do not talk about Fight Club.
2nd rule: You do not talk about Fight Club.
8012
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niklausb
28.01.2022 14:37registriert März 2015
Eine Psychologischeanstalt? Wohl eher eine Psychiatrische. Und wenn schon übersetzen dann 1:1 da steht lunatic asylum was so viel wie Irrenanstalt heisst.
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Sag mir, wie du gebärst, und ich sage dir, wer du bist ...
Nicht nur Kinder erziehen scheint oft so etwas wie eine Glaubensfrage, sondern auch, sie zur Welt zu bringen. Ich, überzeugte Krankenhaus-Gebärende, fragte bei Geburtshaus-Fan Daniela Nagel nach ihren Erfahrungen.

Eines muss man der deutschen Roman- und Sachbuch-Autorin Daniela Nagel lassen: Sie hat wesentlich mehr Erfahrung im Gebären als ich. Ich habe zwei Kinder zur Welt gebracht, einmal Wassergeburt, einmal geplanter Kaiserschnitt wegen Querlage, beide im Spital. Daniela hat fünf Kinder, drei davon erblickten im Geburtshaus das Licht der Welt, die Zwillinge kamen per Kaiserschnitt im Krankenhaus. Von den Geburtshäusern ist sie so begeistert, dass sie gar eine Roman-Trilogie verfasste, die in diesem Umfeld spielt. Für mich ging das damals (meine Kinder sind mittlerweile fast 18 und 16 Jahre alt) eher unter so «Gschpürschmi-Zeug». Nicht mein Ding. Vielleicht hätte ich diese Diskussion mit Daniela schon früher führen sollen.

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