Myokarditis nach Covid-Impfung: US-Forscher entdeckten Mechanismus
mRNA-Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 haben massgeblich zur Eindämmung der Corona-Pandemie beigetragen. Zu reden gaben damals verschiedentlich Fälle von Myokarditis, also Herz-Muskelentzündung, nach der Covid-Impfung. Betroffen waren insbesondere junge Männer, typischerweise nach der zweiten Dosis.
Aufsichtsbehörden wie die europäische EMA und Swissmedic haben einen sehr seltenen Zusammenhang zwischen mRNA-Impfung und Myokarditis bestätigt, mit einer Wahrscheinlichkeit bis 1 von 10'000 Geimpften. Die Myokarditis bei jungen Männern nach einer Impfung verlief meist mild mit guter Erholung. Auch Covid-19 kann den Herzmuskel angreifen und so eine Myokarditis auslösen. Eine Herzmuskel-Entzündung ist nach einer Infektion häufiger als nach der Impfung.
Forscher sprechen von einzigartigem Mechanismus
Forscher der Stanford University um Studienleiter Xu Cao haben in einer Studie den Mechanismus untersucht, der nach einer Covid-mRNA-Impfung zu Myokarditis führen kann. Das Fehlen einer Infektion, das schnelle Auftreten der Erkrankung und die rasche Genesung deuten gemäss den Forschern auf einen einzigartigen Mechanismus hin, der sich von der typischen Myokarditis nach einer viralen Infektion unterscheidet.
Experimentiert wurde mit menschlichen Plasmaproben und Immun- und Herzmuskelzellen sowie mit Mausmodellen. Gesucht wurde nach Zytokinen, das sind Proteine, die als Botenstoffe zwischen Zellen kommunizieren. Im Immunsystem steuern sie Prozesse wie das Zellwachstum, aber auch Entzündungen. Dabei stellten die US-Forscher unter 27 gefundenen Zytokinen bei zweien einen Anstieg von Entzündungsbotenstoffen mit den komplizierten Namen CXCL10 und IFN-γ fest.
Diese Zytokine waren ein bis zwei Tage nach der Impfung – sowohl nach der ersten als auch nach der zweiten Dosis – am stärksten erhöht. Dabei fiel der Anstieg am ersten Tag nach der zweiten Dosis höher aus. Somit wurden diese beiden Zytokine als Auslöser von Entzündungen und der Herzschädigung identifiziert.
Wurden die beiden Zytokine neutralisiert, reduzierte das die durch den Impfstoff verursachte Herzschädigung bei Mäusen und senkte Marker für kardialen Stress und Entzündung. Der pflanzliche Wirkstoff Genistein - eine Verbindung, die eine Rolle bei der Reduzierung von kardiovaskulären Entzündungen spielt – konnte negative Effekte deutlich abschwächen. «Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass diese Entzündungssignale zur Schädigung beitragen und therapeutisch moduliert werden könnten», schreiben die Studienautoren.
Unerwünschte Ereignisse durch übermässig zirkulierende Zytokine müssten bei der Impfstoff-Weiterentwicklung sorgfältig abgewogen werden. Eine Vorbehandlung mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Genistein könnte eine Präventionsstrategie für Personen mit erhöhtem Risiko sein. (aargauerzeitung.ch)
