Snus immer beliebter: WHO warnt vor Konsum süchtig machender Nikotinbeutel
Die Weltgesundheitsorganisation hat in einem am Freitag veröffentlichten Bericht vor dem weltweit steigenden Konsum von Nikotinbeuteln gewarnt. Sie hat zudem die aggressiven Taktiken der Tabakindustrie kritisiert, mit denen junge Konsumenten umworben werden.
Die kleinen Beutel, die Nikotin über die Mundschleimhaut abgeben, verändern laut dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weltweiten Markt für Tabak und Nikotinprodukte in rasantem Tempo. Dabei wird unterschieden zwischen tabakfreien Produkten und «Snus», der Tabak enthält.
«Die Regierungen beobachten eine rasante Verbreitung dieser Produkte, insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch irreführende Marketingtaktiken aggressiv angesprochen werden», so Etienne Krug, Leiter der Abteilung für Gesundheitsdeterminanten, Gesundheitsförderung und Prävention der WHO.
Die Produkte, die Nikotin und süsse Aromen enthalten, seien darauf ausgelegt, süchtig zu machen, heisst es in einer Pressemitteilung.
Oft als moderne, diskrete und tabakfreie Produkte präsentiert, verbreiteten sich diese Nikotinbeutel so schnell, dass die Länder Mühe haben, mit der Regulierung Schritt zu halten, so die WHO in ihrem ersten Bericht über diese Beutel.
7 Milliarden Dollar
Im Jahr 2024 wurden mehr als 23 Milliarden Nikotinbeutel verkauft, das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der weltweite Markt erreichte im Jahr 2025 einen Wert von fast 7 Milliarden Dollar.
Am höchsten sind die Verkaufszahlen in Nordamerika, wo sie zudem stark anwachsen. Laut dem WHO-Bericht war eine beliebte Marke von Nikotinbeuteln, die noch 2017 in den USA nur an rund 9000 Verkaufsstellen erhältlich war, im Jahr 2024 in 150'000 Geschäften zu finden.
Nikotinbeutel sind auch in europäischen Ländern wie Deutschland, Polen und Schweden sehr erfolgreich. Die WHO prognostiziert ein rasantes Wachstum in anderen Ländern, wie beispielsweise Pakistan.
«Das ist nicht nur ein Markttrend, sondern eine sich rasch entwickelnde Herausforderung für die öffentliche Gesundheit», lässt sich Vinayak Prasad, Leiter der Anti-Tabak-Kampagne bei der WHO, zitieren.
Verlockende süsse Aromen
Der Bericht kritisiert die Marketingstrategien der Hersteller, mit denen sie junge Menschen ansprechen – etwa durch ansprechende Verpackungen, süsse Aromen oder die Werbung für diese Produkte durch Influencer in den sozialen Medien.
Er prangert zudem bestimmte Werbebotschaften an, die den «diskreten» Konsum von Nikotinbeuteln hervorheben, wodurch man sich der Aufmerksamkeit von Eltern oder Lehrern entziehen könne. Dies mit Slogans wie «Vergiss die Regeln» oder «Jederzeit, überall».
Prasad kritisiert die irreführende Kommunikation der Unternehmen, welche die Beutel als weniger gefährlich als herkömmliche Zigaretten darstellen, ja sogar als Hilfsmittel, um Raucherinnen und Rauchern beim Aufhören zu helfen. «Nikotinbeutel sind keine risikofreien Produkte und sollten nicht so vermarktet werden, dass sie eine neue Generation von Abhängigen hervorbringen», stellt er klar.
Das Marketing für Nikotinbeutel würde heute stark dem ähneln, was vor 10 Jahren zu beobachten gewesen sei, bevor die E-Zigaretten-Epidemie unter Jugendlichen ausgebrochen sei, sagt Jorge Alday, Direktor der Anti-Tabak-NGO STOP, in einer an die AFP gesendeten Erklärung.
In ihrem Bericht fordert die WHO die Länder nachdrücklich auf, ihre Vorschriften zu verschärfen, um dieses Problem anzugehen, und erinnert daran, dass etwa 160 Länder keine spezifischen Regeln zur Regulierung des Verkaufs und des Konsums von Nikotinbeuteln haben und dass nur 16 deren Verkauf verbieten. (hkl/sda/afp)
